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02.09.2010
Ersetzen ist billiger, aber nicht erlaubt
Für die  Renovation der Glaskuppel im Berner   «Bellevue Palace»  wurden Hunderte von handbemalten Glasscheiben und Einzelteilen  zerlegt, gereinigt und neu in Blei gefasst.
Für die Renovation der Glaskuppel im Berner «Bellevue Palace» wurden Hunderte von handbemalten Glasscheiben und Einzelteilen zerlegt, gereinigt und neu in Blei gefasst. (© zvg)
Kluge Besitzer von denkmalgeschützten Häusern arbeiten von Beginn weg mit der Denkmalpflege zusammen, planen sie einen Umbau. Es gibt zwar Mehrkosten, aber auch Beiträge.
Renate Dubach

Die Renovation denkmalgeschützter Objekte erfordert erst einmal Fingerspitzengefühl. Wie bei der Sanierung der Glaskuppel im Berner «Bellevue Palace», einem Glanzstück klassizistischer Baukunst von 1913. Hunderte von handbemalten Glasscheiben und Einzelteilen wurden zerlegt, gereinigt und neu in Blei gefasst. Seit ein paar Wochen leuchtet die Kuppel wieder wie neu.

Beim Umbau oder bei einer Renovation eines denkmalgeschützten Hotels oder Restaurants empfiehlt es sich, die Denkmalpflege einzuschalten, bevor auch nur ein einziger Planungsstrich auf das Papier kommt. «Man sollte von Anfang an das direkte Gespräch mit Vertretern der Denkmalpflege suchen», sagt Urs Baur, der Leiter der Praktischen Denkmalpflege Zürich. Denn grundsätzlich gilt: «Schützenswerte Baudenkmäler dürfen nicht abgebrochen werden. Innere Bauteile, Raumstrukturen und feste Ausstattungen sind ihrer Bedeutung entsprechend zu erhalten», so oder ähnlich steht es in den gesetzlichen Grundlagen jedes Kantons. Wer ohne Bewilligung ein denkmalgeschütztes Gebäude zerstört, beschädigt oder verändert, muss mit hohen Bussen rechnen und zudem die Wiederherstellungskosten berappen.

Bund und Kanton beteiligen sich an Investitionen
Andererseits kann man ein Gesuch an die Denkmalpflege stellen, um Beiträge an die Mehrkosten zu bekommen. Die Fachleute prüfen, was berechtigt ist und machen Kanton und Bund entsprechende Empfehlungen. Zum Beispiel: An die Umbaukosten des Hotels Pax Montana in Flüeli Ranft, das aktuell für rund 26 Millionen Franken renoviert wird, bezahlt der Kanton knapp eine halbe Million Franken, der Betrag ist bereits gesprochen. Vom Bund erhofft Hoteldirektor Diego Bazzocco «etwas mehr, ideal wären vom Bund und Kanton zusammen etwa 1,3 Millionen Franken». Denn bei der Renovation des Jugendstilhotels von 1896, die von der Denkmalpflege eng begleitet wird, gibt es Mehrkosten, weil man beispielsweise die alten Steingutplatten ausbauen und wieder verwenden muss. Man könnte auch das historische Vordach günstiger durch ein neues ersetzen, aber es wird, wie die Stukkaturen und das Parkett, erneuert.

Bazzocco rät allen Hoteliers, die denkmalgeschützte Häuser renovieren, mit einer Teilsanierung zu beginnen. «Wir haben vor zwei Jahren sechs Musterzimmer eingerichtet, das hat sich sehr gelohnt. Die alten Pläne sind teilweise nicht mehr so verlässlich, wenn man mit wenigen Zimmern beginnt, sieht man nicht nur, was sich alles versteckt hat und wie teuer der Umbau eines Zimmers ist, man findet auch heraus, was sich bewährt und was nicht.» Wertvoll findet Diego Bazzocco, wenn die Gäste einbezogen werden. Sie können die neuen Zimmer testen und ihre Meinung dazu äussern. Das Dreisternehaus in der Innerschweiz soll im Dezember 2011 wieder eröffnet werden.

Aufwendiger Wiederaufbau des Zunfthauses bald abgeschlossen
Bereits am 2. Oktober 2010 öffnen sich die Türen zu den Restaurants und Sälen des Zunfthauses zur Zimmerleuten in Zürich wieder, nach dem fast dreijährigen Wiederaufbau. Am 14. November 2007 war im historischen Gebäude ein Brand ausgebrochen. «Wir haben vom ersten Tag an mit der Denkmalpflege zusammengearbeitet», sagt Philippe Blangey, «das Vorgehen war jederzeit sehr kooperativ. Wir haben gegenseitig Wünsche geäussert und Lösungen gemeinsam gefunden.» Der Zünfter erklärt, die Planungsphase habe sehr lange gedauert, aber beim Umbau sei man dann dafür zügig vorangekommen. Und die geplanten Kosten von 17,5 Millionen Franken könnten eingehalten werden.

«Natürlich war der Wiederaufbau aufwendiger als ein Neubau, teilweise wurden alte Techniken angewendet oder Handmischungen gemacht, etwa bei den Stukkaturen.» Auch bei gewissen Materialien setzte man auf Historisches, so kamen Holznägel zum Einsatz, und auf dem Dach liegen jetzt originale Zürcher Ziegel. Die seien zwar etwas gelber als die üblichen, meint Blangey, aber man werde sich schon daran gewöhnen: «In hundert Jahren sind sie nachgedunkelt.»

  
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