Jacqueline Steffen Oberholzer, hat ein Mensch mit einem persönlichen USP auf dem Arbeitsmarkt die besseren Chancen?
Ja, absolut. Es gibt sehr viele positive Eigenschaften und Stärken, die einen Menschen ausmachen und ihn von anderen unterscheiden. Sein Markenzeichen, sein USP zu kennen, heisst, selbstbewusst und überzeugend das zu fordern, was einem zusteht. Wer seine Stärken gut kennt, tritt selbstbewusst und sicher auf, weiss was er will, was er kann und wird sich deshalb besser «verkaufen». Wichtig ist es, den eigenen Added Value - sein Unterscheidungsmerkmal - auch auszusprechen. Da kann jemand noch so begabt und fleissig sein, wenn seine Leistung nicht wahrgenommen wird, wird er nicht erfolgreich. Wie Henry Ford schon sagte: Enten legen ihre Eier in aller Stille. Hühner gackern dabei wie verrückt. Was ist die Folge? Alle Welt isst Hühnereier.
Welches ist Ihr persönliches USP?
Ich mag Menschen.
Welcher Promi lebt Ihrer Ansicht nach sein USP besonders gut?
Paris Hilton und ihr Chihuahua-Hund sind ein sofort erkennbares Markenzeichen. Ob hier das USP besonders gut gelebt wird, ist Ansichtssache. Ein anderes Beispiel: Auf der linken Schulter von Angelina Jolie sind die geografischen Koordinaten der Orte, an denen ihre Kinder geboren wurden, eintätowiert. Auch Michelle Hunziker hat ein Tattoo am Arm. Das kann gefallen oder nicht, ist aber ein unverwechselbares Markenzeichen. Die ehemalige Bundesrätin Micheline Calmy-Rey hat mit der hellen Mèche im dunklen Haar ein typisches USP. Oft wird das Markenzeichen einer Person durch ein Accessoire unterstützt. Bei Martin Ebner war es seine Fliege. Simon Ammanns Sonnenbrille wurde schon fast Kult. Und ich kenne eine Trainerin mit roten Highheels als Markenzeichen.
Wie erarbeiten Sie mit einer Person deren Alleinstellungsmerkmal?
Der USP einer Person liegt ganz klar in ihren vorhandenen Stärken, und diese findet man im Rahmen eines Coachings durch verschiedene Fragen heraus. Typische Fragen sind etwa «Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit, was machen Sie besonders gerne, was war Ihr grösstes Erfolgserlebnis?» und so weiter. Ich trainiere in meinen Workshops die Teilnehmenden, sich positiv darzustellen. Eine einfache Übung ist zum Beispiel, sich fünf Minuten lang mit seinen Stärken darzustellen. Das gelingt nicht allen Teilnehmenden.
Besteht die Gefahr, einem wenig selbstsicheren Menschen ein USP anzutrainieren, das ihm in der Realität gar nicht entspricht?
Mir ist kein solcher Fall bekannt. Wenn das Innere und Äussere eines Menschen nicht zusammenpassen, wirkt er nicht ehrlich und authentisch. Das sieht und spürt der Gesprächspartner oder Coach.
Welche Eigenschaften können angelernt und trainiert werden, und wo läuft ein Training der Wesensart einer Person zuwider?
Verschiedene Verhaltensmuster sind angelernt und schon in der Kindheit verankert worden, wie etwa, dass man eine Person durch Händeschütteln begrüsst. Wenn etwas für einen Menschen emotional nicht stimmig ist und wenn der Kopf den Bauch übersteuert, sind das meist Anzeichen dafür, dass etwas seiner Wesensart zuwiderläuft. Ich bin überzeugt, wenn ein Mensch von seiner Arbeit, von seinem Produkt oder seiner Dienstleistung begeistert ist, wird er immer authentisch wirken. Vorausgesetzt, seine Körpersprache und seine Worte sind kongruent und er ist mit einer grossen Portion Selbstsicherheit ausgestattet. Jeder Mensch, der sich selber ist, der seine Bedürfnisse lebt und Pilot über sein Leben ist, wirkt authentisch.
Wo liegen die Grenzen eines Coachings?
Wenn die Person nicht aus eigener Motivation an der Zusammenarbeit mit einem Coach interessiert ist, wird es schwierig. Wichtig ist auch, dass Chemie und Vertrauen zwischen beiden stimmen.
Wie kann das Unternehmen vom USP eines Mitarbeiters profitieren?
Wenn ein Mitarbeiter sein eigenes Markenzeichen kennt und dieses kommuniziert, profitiert das Unternehmen. Der Vorgesetzte kann den Mitarbeitenden am richtigen Ort einsetzen und ihn entsprechend fördern.
Jacqueline Steffen Oberholzer ist Betriebsökonomin HWV und seit 1999 Inhaberin der Firma Steffen Coaching, Marketing & Management im zürcherischen Erlenbach.


Das Matterhorn ist das bekannteste Alleinstellungsmerkmal der Schweiz. Es steht nicht nur für Zermatt, sondern für die Schweiz schlechthin. Anders die Kappellbrücke – ein USP, das die meisten Menschen mit Luzern verbinden.



