Themenwege können Destinationen zum Thema machen. «Als kleinere oder mittelgrosse Destination kann man sich durchaus mit einzigartigen Produkten wie dem Witzwanderweg Gehör verschaffen», konstatiert Urs Berger von Appenzellerland Tourismus. 40000 Wanderer zählt man pro Jahr auf dem Weg. Ein aussergewöhnlicher Themenweg verhalf auch dem Toggenburg in die Medien und so zu neuer Reputation. «Wir sind durch den Klangweg stark ins Gespräch gekommen», freut sich Christine Bolt, Direktorin von Toggenburg Tourismus.
Es sind vor allem die Soft-Faktoren, welche Themenwege für eine Region wichtig werden lassen: «Der Gast hat was zu erzählen zu Hause», meint Simon Bumann, Direktor Saas-Fee/Saastal Tourismus. Das sei gut für die Mund-zu-Mund-Propaganda. Abgeschaut habe man sich das bei den Erlebnisparks. Mit Themenwegen lasse sich das Sommerprodukt Wandern bestens inszenieren. Und neue Märkte akquirieren. «Themenwege wie der Flower-Trail sind besonders bei den japanischen Gästen sehr beliebt», erzählt Patricia Haari, Leiterin Marketing bei der Schilthornbahn. Deshalb seien die Tafeln sowohl auf Englisch als auch auf Japanisch.
«80 Prozent unserer Sommergäste wandern den einen oder anderen Themenweg ab», schätzt Simon Bumann. Themenwege lockten vor allem Tagestouristen an. Aber auch für die Wahl einer Feriendestination könne ein entsprechendes Angebot ausschlaggebend sein. Ein Dutzend hat Saas-Fee zur Auswahl, viele richten sich an Familien. «Lukrativ ist alles, was ein breites Publikum und besonders Kinder anspricht sowie interaktiv ist», so Heinz Keller von Schweiz Tourismus.
Ein Weg kann schnell amortisiert sein
Dass mit einem Themenweg aber auch handfeste Wertschöpfung generiert werden kann, zeigt der Klangweg im Toggenburg. Das eigens für den Weg kreierte Bahn-Postbus-Ticket wird pro Jahr 40000 Mal verkauft. Regulär kostet das Ticket 24 Franken, mit Halbtax 12 Franken. Geht man mal von einem Durchschnittserlös pro Gast von 15 Franken aus, wären die Anfangsinvestitionskosten für den Themenweg von 600000 Franken bereits in einem Jahr amortisiert. Die jährlichen Ersatzinvestitionen liegen gemäss Bolt je nach Instrument zwischen 10000 und 30000 Franken. Mehreinnahmen winken auch der Restauration am Weg, insbesondere den Betrieben in der Mitte und am Schluss eines Weges, stellt Christine Bolt fest.
Das Interesse am Erlebnis-Wandern ist ein steigendes: Auf verschiedenen Themenwanderwegen des Schweizerischen Nationalparks in Graubünden konnte man im vergangenen Jahr zwischen 10 und 14 Prozent mehr Besucher als im Vorjahr zählen. Auf fünf der insgesamt sechs Themenwegen des Nationalparks wird der Wanderer digital via Smartphone geführt. Die tausend zur Verfügung stehenden Phones seien Juli und August regelmässig ausgebucht, erzählt Ruedi Haller vom Nationalpark. Wer sein eigenes iPhone benützen will, kann das Ganze als App mit auf den Weg nehmen. Im Nationalpark hat man bewusst auf die digitale Form gesetzt: zum einen, um möglichst wenig in die Natur einzugreifen (Stichwort Tafeln). Zum anderen wolle man so ein Publikum ansprechen, das sonst einen Nationalpark «eher als verstaubt» empfindet. Allerdings würden die meisten Parkbesucher abseits der Themenwege wandern.
Den Apps fehlt das Sinnliche
Dass Digitalität die Zukunft für Themenwanderwege ist, schätzt Bumann von Saas-Fee allerdings nicht: «Mit Apps schafft man keine Interaktivität und kann nicht alle Sinne ansprechen.» Nur 1 Prozent aller Sommergäste würde in Saas-Fee ein GPS-Gerät für eine Themenwanderung verlangen. Zudem würden digitale Wegführungen mehr ins Geld gehen. Saas-Fee plant welche im und ums Dorf und rechnet dafür mit einer Investition von 100000 Franken. Teuer seien vor allem die professionellen Sprecher und der hinterlegte Tonteppich. Klassische Themenwege mit Tafeln sind mit Investitionskosten zwischen 25000 und 40000 Franken deutlich günstiger, die Unterhaltskosten pro Jahr lägen bei 1000 bis 2000 Franken. Den Lebenszyklus eines Themenweges schätzt Bumann auf 10 bis 15 Jahre. Wege via digitale Applikationen sind für ihn vor allem eine Frage des Image: «So bleibt man im Gespräch.»
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