Jakob Häberli, Präsident zu sein scheint Ihnen zu liegen. Was sind Ihre Stärken?
Ich bin ein Teamplayer und kann gut zuhören. Das hilft, um zwischen Schulleitung und Stiftungsrat zu vermitteln. Zu Direktor Christoph Rohn habe ich ein enges Verhältnis. Fachtechnisch ist er der Profi. Aber ich masse mir an, mit einfachen Fragen den Puls zu fühlen. Wenn die Schulleitung vor lauter Tannen den Wald nicht mehr sieht, bringe ich die Helikoptersicht.
Warum ist gerade die Schule der richtige Ort für Sie?
Am Anfang bin ich einfach so reingerutscht. Heute denke ich, in einer Schule voller Akademiker darf der Präsident ruhig die Sicht des Praktikers einbringen - das mindert die Gefahr, sich in die falsche Richtung zu bewegen. Und ich kann den Geist der hervorragenden Schweizer Gastfreundschaft einbringen.
Wie viel Zeit investieren Sie in die Tätigkeit?
Seit die Schule in ruhigen Gewässern läuft, etwa einen halben Tag pro Woche. Es gab aber auch Zeiten, wo ich als Präsident mehr gefordert war und bis zu zwei Tage investierte.
Was sprechen Sie an?
Das Bild der reinen Gastronomiefachschule aus den Köpfen der Leute zu bringen, war hart. Das hat uns allen viel abverlangt. Aber wir sind erwachsen geworden und haben die Kinderkrankheiten überwunden. Darauf bin ich stolz.
Sind die Anforderungen an einen Präsidenten anders?
Nein, man kann die Funktion ja nicht neu erfinden. Es ist wichtig, eine Linie zu haben, um glaubwürdig zu sein. Wenn es kriselt, muss der Präsident seine Verantwortung wahrnehmen. Wenn es gut läuft, ist die Leitung mehr gefordert. Dann muss der Präsident nur begleiten.
Hat sich das Ansehen verändert?
Nein. Das Ansehen ist auch nicht wichtig. Am Ende ist es eine Funktion wie jede andere auch. Das Team garantiert den Erfolg. Der Präsident kann höchstens dafür sorgen, dass die richtigen Leute mit dabei sind.
Gibt es berühmte Präsidenten, welche Sie bewundern?
Gute Präsidenten stellen sich selten ins Rampenlicht. Sie nehmen einfach ihre Rolle wahr. Am meisten Achtung habe ich vor Präsidenten, die ihre Zeit gratis für Wohltätiges opfern. Sie engagieren sich nicht, weil Präsident auf ihrer Visitenkarte steht, sondern aus Dankbarkeit, weil es ihnen gut geht. Das sind die wahren guten Geister.
Wie geht es weiter mit Ihnen als Präsident?
Es geht zu Ende. Es war eine meiner Aufgaben, das Reglement dahingehend anzupassen, dass Präsidenten in Zukunft nur noch höchstens neun Jahre im Amt bleiben. Meine Amtszeit läuft 2013 aus.
Stimmt Sie das etwas wehmütig?
Es war eine lange, spannende Zeit und ich wurde mit viel Freude und Erfahrungen entschädigt. Aber wehmütig bin ich nicht.
Können Sie sich vorstellen, eine andere Präsidentenrolle einzunehmen?
Im Moment weniger. Wenn, dann etwas Gemeinnütziges. Vielleicht rutsche ich irgendwo rein. Sonst wirte ich einfach weiter. Geniesse, was ist, ein gutes Gespräch, ein Glas Wein. Etwas Musse.
Jakob Häberli kümmert sich im Restaurant «Häberli’s Schützenhaus» in Münchenbuchsee um seine Gäste. Vor 25 Jahren übernahm er den elterlichen Betrieb zusammen mit seinem jüngeren Bruder.
Präsidenten: Neun Persönlichkeiten stellen sich vor
Den Präsidenten eines Unternehmens, einer Organisation oder eines
Verbandes kommt eine wichtige Aufgabe zu. Sie bestimmen, wo's langgeht,
wann Vorwärtsstrategie und wann eher Zurückhaltung angebracht ist. Je
nach Persönlichkeit beeinflusst der Präsident den Erfolg eines
Unternehmens positiv oder negativ. Einige Präsidenten agieren mehr im
Hintergrund, andere werden von der Öffentlichkeit stark wahrgenommen -
und zwar nicht nur dann, wenn in ihrem Unternehmen etwas schief läuft.
Im Fokus dieser Ausgabe haben wir neun Präsidenten von touristischen Unternehmen auf den Zahn gefühlt. Sie sagen, was ihnen in ihrem Amt besonders wichtig ist, wo sie ihre Stärken und wo sie ihre Schwächen haben.
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