In der Schweizer Hotellerie nimmt nicht die Zahl der Betriebe zu, sondern ihre Grösse. In den vergangenen 20 Jahren verringerte sich die Zahl der Hotel- und Kurbetriebe um rund 15 Prozent: 2010 zählte man mit 5477 Häusern 1000 weniger als 1992. Das Weniger an Betrieben bietet dafür insgesamt ein - wenn auch kleines - Mehr an Betten (plus 2,5%). Waren es 1992 noch 41,4 Betten pro Betrieb im Durchschnitt, so sind es heute 50,2 (2010). Dies entspricht einer Zunahme der durchschnittlichen Betriebsgrösse von 21,3 Prozent. Bis 2008 hat sich die Anzahl der Logiernächte parallel entwickelt. Mit der Wirtschaftskrise kam der Einbruch, im 2009 um 4,7 Prozent, und die Zahl der Logiernächte sank auch danach weiter.
Prognose: Wachstum bei den Logiernächten wieder ab 2013
Ein Ende der negativen Entwicklung erhoffen sich Prognostiker ab kommendem Jahr. «Gegen Ende des Jahres sollte die Hotellerie wieder auf den Wachstumspfad gelangen», schätzt Christian Hunziker vom BAK Basel. Nicht zuletzt dank neuer Resorts wie in Andermatt oder auf dem Bürgenstock erwartet Hunziker in den kommenden Jahren eine erneute Zunahme bei den Logiernächten. «Wir gehen davon aus, dass das Niveau von 2008 wieder erreicht wird.» 2008 war mit gut 37 Millionen Logiernächten ein Spitzenjahr für die Schweizer Hotellerie.
In den vergangenen Jahren lagen die Investitionen im Gastgewerbe pro Jahr zwischen einer halben und einer ganzen Milliarde Franken. Gleichzeitig seien die Ausleihungen zurückgegangen, konstatiert Peter Gloor, Leiter Finanzierung bei der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit SGH. Und damit die Verschuldung der Hotellerie: «Vor allem im Bereich der Neuinvestitionen muss davon ausgegangen werden, dass diese mehrheitlich über Eigenkapital erfolgt sind», meint Gloor. Doch auch wenn sowohl das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco als das BAK Basel in ihren «Prognosen für den Schweizer Tourismus» ein mittelfristig weiterhin hohes Investitionsniveau voraussagen, eine Zunahme bei der Anzahl Betten erwartet Hunziker nicht. Dafür eine weitere Abnahme bei der Betriebszahl. «Der Strukturwandel wird sich fortsetzen», so Hunziker. Im Klartext: Immer grössere Betriebe werden künftig die Schweizer Hotellandschaft prägen. «Das ist eine gute Ausgangslage für mehr Wertschöpfung», ergänzt Hunziker.
Zimmermoyenne im Sinkflug - zumindest bei den 4-Sterne-Hotels
Wohl nicht zuletzt der Preisdruck drängt die Berherbergungsbranche zu mehr Grösse. Denn die Zimmermoyenne, also der Beherbergungsertrag pro verkaufte Zimmernacht, ist gemäss Bundesamt für Statistik und Berechnungen von hotelleriesuisse in den letzten 15 Jahren, bei gleichzeitig einigen Aufs und Abs, insgesamt leicht gesunken (zwischen 1994 und 2010 um minus 2,6%). Besonders betroffen ist gemäss Statistik die 4-Sterne-Hotellerie, hier sank die Zimmermoyenne um 18 Prozent auf 208 Franken. Das zweitgrösste Minus mussten die 3-Sterne-Hotels hinnehmen (um minus 11% auf 149 Franken). Den Umsatz pro Nacht und Zimmer steigern konnten dagegen die beiden Extreme: Die 1-Stern-Hotels um 4,7 Prozent auf 110 Franken liegen damit nur noch knapp hinter den 2-Sterne-Hotels (115 Franken im 2010). Besonders positiv entwickelte sich bis 2010 das Preisniveau in der Luxus-Hotellerie: Um fast 20 Prozent legte hier seit 1994 die Zimmermoyenne zu (2010: 499 Franken). Die entsprechenden BFS-Zahlen für das letzte Jahr liegen noch nicht vor. Gemäss dem Landesindex der Konsumentenpreise war für die Hotellerie das Vorzeichen im letzten Jahr negativ. Die Minusteuerung lag bei 0,3 Prozent.
Zweitwohnungen: ein Plus von 60 Prozent innert 20 Jahren
Während die Bettenzahl in der Hotellerie seit 20 Jahren mehr oder weniger stagniert, verzeichneten die Zweitwohnungen in diesem Zeitraum ein Wachstum von fast 60 Prozent auf eine halbe Million Zweitwohnungen im 2010, zeigen Schätzungen. Geht man davon aus, dass eine Zweitwohnung im Durchschnitt über vier Betten verfügt, wären das zwei Millionen Zweitwohnungsbetten oder achtmal so viele Betten wie in Schweizer Hotel- und Kurbetrieben. Die stärkste Zunahme zeitweise bewohnter Wohnungen erfuhren zwischen 1980 und 2000 jedoch urbane Agglomerationen, allen voran Zürich und Zug.
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