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19.08.2010
Keine einheitliche Qualität
Die bäuerlichen Unterkünfte sind unterschiedlich komfortabel.
Die bäuerlichen Unterkünfte sind unterschiedlich komfortabel. (© zvg)
In Sachen Qualität haben die Schweizer Anbieter von Agrotourismus unterschiedliche Kriterien. Nicht alle haben eine Klassifizierung.
Robert Wildi

Für Rita Barth, Präsidentin des Anbieters «Ferien auf dem Bauernhof» (Feba) ist klar, dass punkto Qualitätsstandards das Rad nicht neu erfunden werden muss. Sie spricht damit die geplante schweizweite Vermarktungsplattform an (siehe Seite 9). «Unser aktuelles Qualitätssystem hat sich bestens bewährt», sagt sie selbstbewusst. Feba ist zurzeit der wichtigste Schweizer Anbieter von Bauernhofferien und erzielte mit seinen 230 angeschlossenen Betrieben im letzten Jahr 102300 Gästelogiernächte sowie einen Umsatz von rund 2 Millionen Franken. Analog zur Hotellerie klassifiziert Feba seine Betriebe mit Sternen. Höfe mit besonderen Qualitäten erhalten zudem ein weiteres Gütesiegel (Kuh mit Blume) zugesprochen. Das sind in der Regel gepflegte Höfe mit «heimeligen» Wohnungen und Zimmern und einer Vielfalt an Tieren. Diese Landwirte offerieren Produkte direkt vom Bauernhof und werden von erfahrenen Gastgebern geführt, die sich Zeit für die Besucher nehmen. «Mit diesen Kriterien fahren wir sehr gut und ich glaube nicht, dass man daran etwas verändern sollte», hält Barth fest.

«Schlaf im Stroh!» mit einfachen Qualitätskriterien
Anders definiert wird der Qualitätsbegriff bei der Organisation «Schlaf im Stroh!» (SIS). Mit 182 angeschlossenen Betrieben hat sie im letzten Jahr 41800 Übernachtungen und einen Umsatz von rund 900000 Franken erzielt. Bei SIS gibt es im Gegensatz zu Feba jedoch keine Klassifizierung. Die Qualität der Betriebe werde aber anhand einer strengen Checkliste mit diversen Kriterien regelmässig überprüft. Vorausgesetzt für eine Mitgliedschaft bei SIS sind unter anderem saubere, zweckmässige Unterkünfte mit intakten sanitären Anlagen, eine funktionierende Gästebewirtung, die Einhaltung diverser Hygienevorschriften und eine Schlafmöglichkeit im Stroh.

Bezüglich der Sicherheit für die mit dem bäuerlichen Alltag nicht vertrauten Gäste berufen sich Feba und SIS auf die Vorschriften der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft. Themen wie Brandschutz und Lebensmittelhygiene werden ebenfalls sehr genau genommen. Beide Organisationen machen bei der entsprechenden Kontrolle der Mitglieder keine Kompromisse.

Die welsche Organisation Tourisme rural hat keine Qualitätsstandards
Über keine definierten Qualitätsstandards verfügt hingegen die Westschweizer Organisation tourisme-rural.ch, die heute – vorwiegend in der Romandie und im Tessin – 250 Mitglieder zählt. Zu dieser Organisation gehören nicht nur Bauernhöfe, sondern auch Restaurationsbetriebe und Anbieter von ländlichen Freizeitaktivitäten.

Wer bei tourisme-rural.ch beitreten möchte, muss eine Charta unterschreiben und «alles unternehmen, um qualitativ hochstehende Dienstleistungen anzubieten», wie es am Hauptsitz in Lausanne heisst. Im Gegensatz zu den beiden Deutschschweizer Mitbewerbern «Ferien auf dem Bauernhof» und «Schlaf im Stroh!» werden bei der welschen tourisme-rural.ch auch die Logiernächte nicht statistisch erfasst, wie eine Anfrage beim Lausanner Hauptsitz zeigt.

Die Auslegeordnung zeigt: Es wird für die neue nationale Plattform «Agrotourismus Schweiz» eine enorm schwierige Aufgabe sein, einheitliche Qualitätsstandards zu definieren, die der Ausrichtung aller drei doch so unterschiedlichen Partnerorganisationen für Agritourismus gerecht werden.

  
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