Wir haben in den ersten sechs Monaten des Gallusjahrs bereits 20 Prozent mehr Stadtführungen verkauft», sagt Boris Tschirky, Tourismusdirektor von St. Gallen Bodensee Tou- rismus. Die Stadt hat denn auch im Jubiläumsjahr ein verdichtetes Angebot an öffentlichen Führungen zu einem vergünstigten Tarif auf die Beine gestellt.
St. Gallen Bodensee Tourismus hofft, dass der aufmüpfige Mönch Gallus der Stadt ein Logiernächte-Plus von rund 3 Prozent beschert. Das Medienecho sei riesig, sagt Astrid Nakhostin, die Marketingverantwortliche der Tourismusorganisation. «Wir haben den Anlass stark medial vermarktet. So war etwa die Deutsche Depeschenagentur auf Gallus' Spuren. Ihr Bericht erschien in den verschiedensten deutschen Zeitungen.» Viele Schweizer Zeitschriften und Zeitungen, auch aus kirchlichen Kreisen, haben das Thema ebenfalls aufgegriffen. Die Schattenseite dieses Erfolgs: «Dieser Anlass wird schwierig zu toppen sein.»
St. Gallen Bodensee Tourismus hat auch die Gemeinden eingeladen, deren Ersterwähnungsurkunden im St. Galler Stiftsarchiv aufbewahrt sind. «Bis anhin sind einige der Einladung gefolgt», so Astrid Nakhostin.
Da der Mönch Gallus vermutlich - abgesichert ist das nicht - von Irland her kam, hat ein irischer Tour Operator das Thema aufgegriffen und organisiert nun Pilgerreisen nach St. Gallen. «Dieses Projekt wollen wir mittelfristig weiterentwickeln», erklärt Tschirky.
Textil - zurück zu den Wurzeln
St. Gallen hat auch sonst viele Highlights zu bieten. Etwa das Projekt «Textilland» mit dem Textilmuseum, den Textilzimmern in den Hotels, den passenden Stadtführungen und den speziellen Textilprodukten, die ab August verkauft werden. Das Textil-Projekt soll weiter ausgebaut werden, es sollen auch mehr Textilzimmer entstehen. Geplant ist weiter ein Textil-Weg und in Schulen soll das Thema vermehrt behandelt werden. «Wir wollen bewusst nicht nur die textile Vergangenheit beleuchten sondern auch deren Zukunft», erklärt Tschirky. «Wir wollen auf eine authentische Art die alten Werte wieder beleben.»
Im Event- und Kulturtourismus will die Stadt zu den Top 7 der Schweiz gehören und sowohl national als auch international ausstrahlen. «Die Zusammenarbeit mit Unesco Destination Schweiz lässt sich gut an», sagt Astrid Nakhostin. Und kulturell ist in der Stadt enorm viel los - sowohl im klassischen als auch im alternativen Bereich (siehe auch Artikel «Orte des Erlebens»). Die Tourismusorganisation setzt sich zum Ziel, drei neue grosse Events an Land zu ziehen. Ein weiteres Projekt ist die Entwicklung zur «Sternenstadt». St. Gallen wurde im Rahmen einer schweizweiten online-Befragung 2011 zur Stadt mit der schönsten Weihnachtsbeleuchtung der Schweiz gewählt.
Kongresse und Ausflugstourismus
Nebst dem Kultur- und Eventtourismus gehört der Kongress- und Seminartourismus zu den strategischen Geschäftsfeldern. Hier hat die Stadt mit ihren Meetingmöglichkeiten, der Hochschule und Fachhochschule ein grosses Potenzial. St. Gallen will sich zur führenden Kongress- und Tagesdestination im 4-Länder-Eck entwickeln und zu den Top 5 der Schweizer Kongressstädte gehören. Mit St. Gallen Bodensee Convention besitze die Region eine kompetente und effiziente Verkaufsorganisation. Ein Handicap sind indes die fehlenden Hotelbetten. Ab einer Gruppengrösse von 150 Personen sei es schwierig, passende Unterkünfte zu finden.
Als drittes Standbein wird der Tagestourismus gefördert. Von den 32 Millionen Tagesgästen, die sich jährlich im Dreiländereck aufhalten, besuchen nur 5 Millionen die Schweizer Seite. Nach Deutschland indes fahren 25 Millionen Tagesgäste.
St. Gallen Bodensee Tourismus will zwischen 2010 bis 2015 die Zahl der Tagesgäste um mindestens 5 Prozent und jene der Logiernächte generell um 10 Prozent steigern. Im letzten Jahr erzielte die Destination rund 322000 Logiernächte. Das sind knapp 1 Prozent weniger als im Vorjahr. Die zwei wichtigsten Herkunftsländer sind die Schweiz und Deutschland. Die Tourismusorganisation verfügt über ein jährliches Budget von rund 3 Franken, davon stammen rund 750000 aus den Casino-Einnahmen. Ab diesem Monat tritt ein neues Gasttaxenreglement für die Stadt St. Gallen in Kraft: Die Hotellerie erhebt neu 2.50 Franken pro Nacht und Gast.
In der Tourismusorganisation St. Gallen Bodensee könnte Ende Jahr ein Wechsel anstehen: Denn der Tourismusdirektor und CVP-Politiker Boris Tschirky stellt sich am 23. September der Wahl als Gemeindepräsident von Gaiserwald.


St. Gallen feiert den Mönch Gallus, der 612 in die Stadt kam. Das Gallusjahr ist gespickt mit originellen Angeboten. Iwan Köppel leitet die Arbeitsgemeinschaft Gallusjahr.



