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12.07.2012
Mit gutem Beispiel voran
Der Pfynwald (Bild) ist einer der Naturpärke, welche die Lingua-Natura-Spracherlebniskurse anbieten.
Der Pfynwald (Bild) ist einer der Naturpärke, welche die Lingua-Natura-Spracherlebniskurse anbieten. (Bild: Swiss-Image)
Nachhaltigkeit im Tourismus: Das Bundesamt für Raumentwicklung publiziert in einer Broschüre gute Beispiele. Eines davon ist der grüne Pionier Saas-Fee.
Christine Künzler

Saas-Fee ist Pionier, wenn es um nachhaltige Entwicklung geht. Der Tourismusort ist eines der Beispiele, die das Bundesamt für Raumentwicklung ARE in der im Mai publizierten Broschüre «Tourismus und nachhaltige Entwicklung» vorstellt. Als Energiestadt und Mitglied des Gemeindenetzwerks «Allianz in den Alpen» spiele der Walliser Ort eine Vorreiterrolle. So führte Saas-Fee etwa im Bereich Zweitwohnungen eine Kontingentierung ein, wonach jährlich höchstens 1500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche für den Zeitwohnungsbau freigegeben sind. Und bei der Zuteilung der Kontingente bevorzugt die Gemeinde jene Baugesuche, die den höchsten Hauptwohnungsanteil aufweisen. Seit diesem Jahr verwendet die ganze Gemeinde neu nur Naturstrom wie Wasserkraft. Feinstaubfilter auf den Kaminen der Häuser sind weitere Schritte in Richtung Ökologie.

Hahnenwasser in wiederverwendbaren Glasflaschen

Projekte in den Bereichen Energie, Naturschutz, sanfte Mobilität folgten. «In diesem Sommer können die Gäste neben den Bergbahnen auch das Postauto kostenlos nutzen», erklärt Tourismusdirektor Pascal Schär. «Wenn wir Veranstaltungen durchführen, schauen wir darauf, dass die Orte mit ÖV erreichbar sind.» Es würden oft kleine Schritte wie diese unternommen, um die Nachhaltigkeits-Strategie zu unterstützen, erklärt er. So etwa auch, dass die Hoteliers und Gastronomen eine spezielle wiederverwendbare Glasflasche anfertigen liessen und ihren Gästen «Gletscherwasser» aus dem Hahnen servieren, statt PET-Flaschen von weit her anliefern zu lassen.

Das Hotel Ferienart Resort & Spa lebt Nachhaltigkeit beispielhaft vor. Hotelier Beat Anthamatten ist eine treibende Kraft im Ort, wenn es um «Enkeltauglichkeit» (Nachhaltigkeit) geht. Saas-Fee hat eine Gruppe mit Vertretern aus Tourismus, Ferienwohnungen und Gemeinde, die sich regelmässig trifft und die nächsten Nachhaltigkeitsschritte diskutiert.

Dass die Bevölkerung hinter dieser Umweltschutz-Strategie steht, hat, glaubt Schär, auch damit zu tun, dass sie das Schmelzen des Gletschers hautnah miterlebt. Die nachhaltige Entwicklung der Destination umfasst die drei Dimensionen Umweltverantwortung, Sozialverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit.

Der Ort habe es verstanden, diese Vorzüge touristisch zu nutzen, schreibt das ARE in seinem Bericht. Das sieht auch Tourismusdirektor Pascal Schär so. Die touristische Strategie steht auf den drei Standbeinen Gletscher/Schnee/Bergwelt, Ambiente/Genuss und alpine Ausflugsvielfalt/Adventure - dies alles nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit. Demnächst soll eine neue Image- und Info-Broschüre herauskommen, welche die Gäste über all diese Massnahmen informiert. Ob ein Gast eigens wegen der Nachhaltigkeitsstrategie Ferien in Saas-Fee bucht, weiss Schär nicht, da dies nie untersucht worden ist. «Irgendwann wird Nachhaltigkeit eine Grundvoraussetzung sein. Wer das nicht bietet, fällt ab.»

Auch weitere Destinationen handeln vorbildlich

Das Bundesamt für Raumentwicklung will mit seiner Broschüre Gemeinden, Kantonen und Tourismusorganisationen helfen, ihre Angebote nachhaltiger auszurichten. Einerseits mit zwölf guten Beispielen und andererseits mit den aufgezeigten Aktionsmöglichkeiten.

Die Zweitwohnungsstrategie des Kantons Graubünden gegen die kalten Betten ist ein weiteres Beispiel aus der Broschüre. Besonders hervorzuheben sei der partizipative Ansatz, den der Kanton bei der Änderung seines Richtplans verfolgte, schreibt das ARE. «Indem der Kanton die Gemeinden zur Umsetzung von Massnahmen verpflichtete, gab er indirekt auch einen Anstoss für eine zukünftig verstärkte Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Leistungsträgern Hotels, Bergbahnen, Handel und Gemeinden auf regionaler Ebene.» Der Bündner Werkzeugkasten könne auch in anderen Kantonen und Regionen der Schweiz eingesetzt werden.

Vorgestellt wird auch das Projekt Lingua Natura, das erste Natur- und Kulturerlebnisangebot, das sich über fünf Naturpärke und über die Landesgrenze hinaus nach Italien erstreckt. Der Naturpark als Schulzimmer sei innovativ und verringere die Sprachbarrieren zwischen den Schweizer Sprachgruppen, schreibt das ARE. Zudem verbessere das Angebot den Erfahrungsaustausch und die Vernetzung zwischen den Akteuren der beteiligten Pärke.

www.are.admin.ch/gutebeispiele

  
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