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05.07.2012
Mit Spargelgnocchi ab ins Festzelt
Vreni Giger vom Restaurant und Hotel Jägerhof.
Vreni Giger vom Restaurant und Hotel Jägerhof. (Bild: zvg)
Vreni Giger und ihr Restaurant und Hotel Jägerhof sind aus St. Gallen nicht wegzudenken. Die Spitzenköchin erzählt, wie sie in ihrem Betrieb arbeitet - und welches Projekt sie reizen würde.
Sabrina Glanzmann

«Ja, wir spüren die Krise auch. Der Hotelbereich etwa ist für viele Deutsche zu teuer geworden, was früher nicht der Fall war. Aber ich muss auch deutlich sagen: Wir klagen hier auf hohem Niveau, die Auslastung des Boutiquehotels betrug im Juni 70 Prozent. Generell ist der Juni neben dem Olma-Monat Oktober jährlich der beste Monat für uns. Im Restaurant spüren wir wirtschaftlich schwierigere Zeiten generell weniger - wenn die Gäste aus dem Ausland kommen, kommen sie sehr gezielt, um bei uns einen schönen Abend zu geniessen. Und bezahlen dafür gerne etwas mehr.

In St. Gallen bin ich seit Langem angekommen, ich arbeite und wirke sehr gerne hier. Womit das zu tun hat? Ganz wichtig sind sicher die langjährigen Partnerschaften, die wir mit lokalen und regionalen Produzenten pflegen. Weil der ‹Jägerhof› biologisch zertifiziert ist, ist es manchmal ein ganz schöner Knackpunkt, die gewünschten Produkte zu bekommen. Deshalb pflegen wir die Partner, die wir haben, mit grösster Sorgfalt.

Wovon ich mich inspirieren lasse? Nun, ich laufe mit offenen Augen durch die Welt. Eine Artischocke etwa, für viele ein ‹Angst-Produkt›, zeigt von selbst, was sie alles hergeben kann. Man muss sie nur genau anschauen. Und dass sich mit Eierschwämmli weit mehr machen lässt als ein Ragout mit Nudeln, ist ungemein spannend.

Unsere Fisch-, Fleisch- und Vegimenüs wechseln wöchentlich. Das ist für Küche und Service natürlich eine Herausforderung. Andererseits gehört es zu meiner Linie: Ich bin absolut leistungsorientiert und sehr intolerant, was Abweichungen in diesem Bereich betrifft. Mit meinem Mann und mir sind wir ein Team von insgesamt 14 Mitarbeitenden, das klassisch hierarchisch gegliedert ist. Das braucht es, um unser erklärtes Ziel, nämlich den Erhalt der 17 Gault-Millau-Punkte, zu erreichen.

Was mich sonst noch reizen würde? Da muss ich nich tlange überlegen: Eine Festwirtschaft auf hohem Niveau zum Beispiel. Aber kein Gourmetzelt. Darauf gekommen bin ich Anfang Mai dieses Jahres: Am Gallusfest waren wir mit dem ‹Jägerhof› mit einer Festwirtschaft vertreten - jemand ist ausgefallen, und wir sind eingesprungen. Das war ziemlich cool. Wir haben innert fünf Stunden zwölf Kilogramm Spargelgnocchi verkauft, mit zwölf Franken pro Portion das Teuerste an unserem Stand. Eigentlich hatte ich ja gedacht, den Rest der Gnocchi könnten wir am Montag dann für unser Menü 1 verwenden.

Wir hatten zwar Plastikgeschirr, aber waren die Einzigen mit weissen Tischtüchern, und das kam gut an. Diese Reaktion hat mich ‹gwundrig› gemacht, und es würde mich nochmals reizen herauszufinden, was man aus einem solchen Festbetrieb alles rausholen kann und wo die Grenzen in diesem Bereich sind. Wer weiss, vielleicht ergibt sich nochmals die Gelegenheit.»

  
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