Sparen im Personalbereich ist für den Hotelier ungleich schwieriger als beim Stromverbrauch oder im Einkauf. Dafür sorgen gesetzliche Vorgaben zum Schutz der Mitarbeiter, aber auch die Tatsache, dass es der Gast schnell merkt, wenn überlastet ist, wer sich um sein Wohl kümmern sollte. Beim Personalsparen heisst es meist, den Rotstift vor den Kulissen anzusetzen - das kann ins Auge gehen. Was kann ein Hotelier dennoch tun, um seine Mitarbeiter möglichst effizient einzusetzen?
Kettenbetrieben bietet sich die Möglichkeit, ihr Personal rotieren zu lassen, es in den Häusern jener Mitglieder einzusetzen, die es gerade brauchen - und es dort, wo Flaute herrscht, abzuziehen. «Wir haben Mitgliederhäuser im Süden und in den Bergen», sagt Beat Hess, Geschäftsführer der Sunstar-Hotels. «Da bietet sich ein saisonaler Personaltausch an.» So arbeite derzeit ein Teil des Teams vom Hotel Villa Caesar in Brissago während dessen Winterpause im Sunstar Style Hotel Zermatt. Die Hoteliers vermieteten einander das Personal zum Selbstkostenpreis, sagt Hess. «Das bringt jenem, der ausleiht, zusätzlichen Umsatz - und der andere muss nicht auf teure Personalvermittler zurückgreifen.»
Austausch bringt nicht viel Ersparnis
Darf man vom Mitarbeiter so viel Flexibilität verlangen? Ja, findet Hess. «Bei Flaute andernorts im Einsatz zu sein, ist besser als keine Arbeit zu haben.» Stellt sich die Frage, ob der Tausch die Hauskasse auch wirklich erleichtert. Das sei schwer zu sagen, sagt Hess. Der Hotelier spare sicher insofern, als er das Austausch-Personal kaum einschulen müsse, weil es die Standards der Gruppe bereits kenne. Dadurch gehe man ein vergleichsweise geringes Risiko ein. «Aber für die Endrechnung ist der Mitarbeitertausch sicher nicht matchentscheidend.»
Ein Austausch als Möglichkeit, nicht als Muss
Dass Tauschen keine echte Sparmassnahme darstellt, glaubt auch Esther Dysli, Geschäftsführerin der Private Selection Hotels. Die Mitglieder der Gruppe, Vier- und Fünfsternehäuser in der Schweiz und im übrigen Europa, leihen sich mitunter aber auch Personal aus. Dysli findet solche Einsätze sinnvoll, empfiehlt aber, sie auf Notsituationen zu beschränken. «Gefälligkeiten sollen nicht darin enden, dass sich die Hoteliers gegenseitig die Leute abwerben.» Vom Mitarbeiter erwarten dürfe man sie erst recht nicht. «Ein Austausch soll kein Muss sein, sondern eine Möglichkeit» ergänzt Esther Dysli.
Einsatz an allen Fronten: Allrounder sind gefragt
Kleinbetriebe profitieren nicht vom grossen Pool an Ressourcen, wie sie Ketten ihren Mitgliedern bieten. «Allrounder», lautet das Zauberwort darum in diesen Hotels. Beatrice Reinhardt betreibt das 4-Sterne-Haus Kreuz in Sachseln. Den 24-Stunden-Betrieb mit 26 Zimmern halten 12 Mitarbeiter am Laufen. Dass sie möglichst vielseitig einsetzbar sind, ist für die Hôtelière überlebenswichtig. «Ich kann mir niemanden leisten, der nur an der Réception steht», sagt sie. Darum hilft die Réceptionistin, wenn zehn Gäste oder weniger im Haus sind, auch im Service mit und bringt den Seminarraum in Ordnung. Der Nachtdienst checkt Gäste ein, die spät ankommen, erledigt Putzarbeiten, wäscht Frottiertücher und muss, wenn es gewünscht wird, auch einmal ein kaltes Plättli anrichten. Vor Schichtende baut er das Frühstücksbuffet auf. «Der Nachtmitarbeiter ist ein Luxus, den ich mir leiste», sagt Reinhardt, «denn ich will nicht auch noch im Hotel übernachten.»
Allrounder sind aber nicht unbedingt eine Eigenheit der Kleinen - mittlerweile werden sie auch von viele Kettenbetrieben vermehrt geschätzt. «Wenn man die Leute gut schult, ist die vielseitige Einsetzbarkeit eine tolle Sache», sagt Esther Dysli. Skeptisch ist Elena Ratano von der Giardino Hotel Group. «Es braucht die Spezialisierung in einer Disziplin», sagt sie, «sonst könnte die Qualität leiden.» Beat Hess von Sunstar sieht das anders: «Es ist eine Frage der Ausbildung und der Motivation.»
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