fokus
01.07.2010
Nachgefragt: Roland Conrady
(© zvg)
Funktionen: Professor für Touristik/Verkehrswesen an der FH Worms, Gesellschafter der MyPassion Tours GmbH & Co. KG

1.Reist man alleine anders?

Alleinreisende wollen überdurchschnittlich häufig neue Leute kennenlernen, sind kommunikativer, offener. Das sieht man auch daran, dass sie mehr telefonieren und häufiger ins Internet gehen. Zudem sind sie mehr an Themenreisen interessiert. Da sie alleine sind, können sie sich ganz darauf konzentrieren.

2.Welches Potenzial hat der Single-Reisemarkt?

Er ist heute ein klar unterschätztes Marktsegment. In Deutschland geht man von 10 Mio. Singles aus. Man kann nicht feststellen, dass es entsprechend viele Reiseangebote gibt, die auf den Single-Markt zugeschnitten sind. Findet ein Single nicht jemanden, der mitreist, bleibt er oft lieber zu Hause. Diese Lücke müssten Anbieter füllen. Und es werden immer mehr Singles.

3.Warum tut sich der Tourismus so schwer mit dem Thema Alleinreisende?

Die Anbieter denken noch zu wenig konsequent vom Kunden her. Sie gestalten ihr Marketing nach Regionen und Angeboten, nicht nach Zielgruppen und deren Bedürfnissen. Zudem ist der Begriff Alleinreisende negativ besetzt und eine Single-Reise hat schnell den Anstrich von Verkuppeln.

4.Wird die Hotellerie den Ansprüchen der Singles gerecht?

Nicht so sehr. Weder beim Preis noch beim Angebot. Hoteliers sind zu wenig sensibilisiert für die unterschiedlichen Zielgruppen. Das neue Kreuzfahrtschiff Norwegian Epic macht vor, wie ein Single-Produkt aussehen kann: Erstmals hat man hier Zimmer für Alleinreisende entwickelt, 128 an der Zahl, ergänzt mit einem Lounge-Bereich. gsg

  
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