Mit der neuen Erlebniswelt wollen wir in der Region Gruyère touristisch einiges bewegen», sagt Thomas Tschuor, Manager der Maison Cailler in Broc. Es soll zu einer touristischen Attraktion werden. 180000 Besucher erwartet er jährlich. Das 7 Mio. Franken teure Besucherzentrum ist ganzjährig geöffnet. Zurzeit entwickelt Tschuor mit Touristikern und Leistungsträgern der Region wie der Greyerzer Schaukäserei Packages, in denen die Maison Cailler integriert ist. Gruyère Tourisme und einige Hoteliers bieten schon buchbare Angebote. Geplant sind auch Kooperationen mit Buspartnern und Tour-Operators. Auch bezüglich ÖV ist einiges im Gang. Hauptpartner sind Rail Away sowie Golden Pass, der die Gäste mit dem Schokoladenzug von Montreux über Gruyères nach Broc fährt. Letztes Jahr brachte er rund 7000 Besucher nach Broc, wo im Cailler-Haus ein Rundgang mit Degustation gebucht werden konnte.
Ein traditioneller Ort auch für Einheimische
«Wir wollen die Maison Cailler lokal und regional gut verankern. Es soll ein Ort sein, der den Einheimischen gehört und auf den sie stolz sind», sagt Tschuor. «Wir leben hier eine fast 200-jährige Tradition.» Im Besucherzentrum der Maison Cailler, wo nach wie vor die Schokolade produziert wird, gibt es denn auch Bilder der 56 Greyerzer Bauern zu sehen, deren 1775 Kühe die Milch für die Schoggi liefern.
Auf seinem Rundgang durch die Erlebniswelt taucht der Gast ein in die Geschichte der Schokolade. Die moderne Inszenierung mit Bild, Licht und Ton vermittelt ein sinnliches Erlebnis. Und auch ein kulinarisches: An der Produktionslinie gibt es nach Herzenslust Branchli zu degustieren. «Die Bauchschmerzen melden sich erst auf der Heimreise», witzelt Otto Steiner, der das Besucherzentrum inszeniert. Der Besucher erfährt, wie die Kakaobohne an den spanischen Hof und später in die Schweiz gekommen war. Und wie die Schokolade den Weg vom Adel in die Arbeiterschicht und in die heutige Zeit geschafft hat. Im «Atelier du chocolat» kann sich der Besucher zudem in Seminaren in die Kunst des Chocolatiers einführen lassen.
«Zückt ein Besucher am Ausgang sein Handy und ruft seine Freunde an, um ihnen zu erzählen, dass ihn die Ausstellung begeistert, dann ist ein Besucherzentrum erfolgreich», so Steiner. Er konzipierte unter anderen auch die Attraktionen der Glasi in Hergiswil, die seit über 20 Jahren jährlich 200000 Gäste anziehen. Zum Vergleich: Die Erlebnisausstellung in der Jura World of Coffee in Niederbuchsiten besuchten letztes Jahr gerade mal «gut 30000 Personen», heisst es auf Anfrage.
Was braucht es, um ein Besucherzentrum nachhaltig attraktiv zu gestalten? «Wichtig», sagt Steiner, «sind der Start und der Schluss: Der Besucher muss abgeholt werden. Und nach dem Staunen muss er seine Beine vertreten können.» Das kann er in der Maison Cailler auf dem Kinderspielplatz, der das Thema Milch, Gruyères und Schokolade aufnimmt oder in der Schoggiküche: Dort lädt ein Koch Kinder und Erwachsene zum Experimentieren ein. Von da gelangt der Besucher in den Fabrikladen im Eingangsbereich, wo auch die Cafeteria steht. «Ein gutes Restaurant und eine schöne Umgebung helfen, Kundenbindung aufzubauen, Emotionen und langfristig Wertschöpfung zu schaffen», so Steiner.
Wie wird richtig inszeniert?
Fünf Kriterien braucht es für eine erfolgreiche Inszenierung, sagt Steiner. Als Erstes muss der Standort stimmen. Das Thema, das umgesetzt wird, soll interessieren und bewegen. «Man kann zwar aus jedem Thema eine Ausstellung gestalten, doch nicht alle lassen sich so einfach inszenieren wie Schokolade.» Ausschlaggebend für den Erfolg sei auch die Haltung des Unternehmers: «Er muss eine Leidenschaft für Besucher haben und ehrlich und authentisch sein.» Werbesprüche findet Steiner im Besucherzentrum kontraproduktiv. «Der Unternehmer darf den Besuchern ruhig auch Insiderwissen erzählen, das für seine Firma weniger angenehm ist.»
Die thematischen Grundlagen für die Ausstellung müssen gut aufgearbeitet «und in einer poetischen Form erzählt werden». Geschichten also, die Kinder und Erwachsene fesseln, zum Nachdenken anregen, Begeisterung und Staunen auslösen, kurz: die Gefühlsebene ansprechen. Der letzte, nicht unwichtige Punkt für das Gelingen eines Besucherzentrums sind die finanziellen Mittel, die der Unternehmer zu investieren bereit ist. «Wir rechnen mit 100 Franken pro anvisierten Besucher. Wer also 200000 Besucher jährlich anpeilt, muss 20 Mio. Franken investieren.»
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