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1.03.2012
Neues Gesetz ist fürs NDS eine Gefahr
Nachdiplomstudiengänge wie das NDS zum Hotelmanager sind im Berufsbil- dungsgesetz verankert. Nun will dies der Bundesrat mit dem Weiterbildungsgesetz aufheben.
Gudrun SChlenczek

Lebenslanges Lernen ist in der heutigen Arbeitswelt ein Muss. Immer wieder neue Techniken und Standards fordern Flexibilität vom Arbeitnehmer und nicht zuletzt die Bereitschaft, sich das nötige Wissen für neue Anforderungen anzueignen - on the Job oder eben mit einer passenden Weiterbildung. Entsprechend gross ist das Angebot: Das Gesamtvolumen des Weiterbildungsmarktes wird auf 5,3 Milliarden Franken geschätzt.

Mit dem neuen Weiterbildungsgesetz leistet der Bundesrat dem Artikel 64a der Bundesverfassung Folge. Dieser gibt dem Bund den Auftrag, Grundsätze der Weiterbildung festzulegen. Dabei geht es unter anderem um Verantwortung, Qualität und die Anrechnung informeller Bildungsleistung an die formale.

Nachdiplomstudiengänge sollen ihre Anerkennung verlieren

Denn als Weiterbildung gelten all jene Angebote, die zur nicht-formalen Bildung gehören, also solche, die staatlich nicht geregelt sind, wie etwa Kurse oder Seminare. Bis zum 12. April befindet sich das Weiterbildungsgesetz nun in der Vernehmlassung.

In den Grundzügen befürwortet hotelleriesuisse das neue Weiterbildungsgesetz. Was dem Verband jedoch sauer aufstösst, ist der Umstand, dass der Bundesrat die Nachdiplomstudiengänge der Höheren Fachschule (NDS HF) auch in den Weiterbildungsbereich einordnen will. Im Klartext heisst das, dass die Nachdiplomstudiengänge ihre eidgenössische Anerkennung verlieren. Dabei seien die NDS im neuen Berufsbildungsgesetz als Teil der Höheren Berufsbildung verankert worden (Artikel 29), betont Anna Gerber, Leiterin Berufsbildungspolitik bei hotelleriesuisse. Die ersten eidgenössisch anerkannten NDS wurden im Jahre 2005 verliehen.

Thomas Baumeler, Ressortleiter Recht beim Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT, begründet den Entscheid folgendermassen: «Ein NDS muss sich am Markt orientieren, er muss inhaltlich flexibel sein. Ein NDS muss keine grundlegenden beruflichen Kompetenzen vermitteln.» Dagegen müssten vom Bund anerkannte formale Ausbildungen eine gewisse Zeitlosigkeit implizieren, nicht zuletzt um auch für den Staat überprüfbar zu sein. Warum hat man den NDS dann erst vor wenigen Jahren die eidgenössische Anerkennung verliehen, um sie jetzt wieder entziehen zu wollen? Baumeler gibt zu, dass man mit der eidgenössischen Anerkennung der NDS «wohl zu weit gegangen war». Neben Forschung und Lehre wurden Fachhochschulen auch mit der Weiterbildung beauftragt, doch die müsse der Bund nicht auch noch definieren, wie Baumeler heute meint. «Weiterbildung liegt primär in der Verantwortung des Einzelnen. Sie war bis anhin Privatsache. Das soll auch weiterhin so sein.» Nachdiplomstudiengänge seien wichtig. «NDS soll es auch weiterhin geben. Der Anbieter soll und muss selbst entscheiden, was der Markt will und sich entsprechend ausrichten».

NDS HF sind bis anhin eine Erfolgsgeschichte

Betroffen von der Änderung wären auch 134 NDS der Höheren Fachschule aus 29 verschiedenen Richtungen, eines ist der Diplomierte Hotelmanager NDS HF. Claudia Zürcher, Präsidentin von Edu-Suisse, befürchtet, dass die NDS bei einer eidgenössischen Aberkennung sukzessive vom Markt verschwinden werden. Denn im Gegensatz zu den Fachhochschulen sind die Institutionen der Höheren Berufsbildung an sich nicht beim Bund akkreditiert. «Brechen die NDS HF weg, besteht die Gefahr, dass ein anerkannter Bildungsweg in der höheren Berufsbildung mit vielen Vertiefungsrichtungen zum Erhalt der Branchenkompetenz verloren geht.» Dabei sind die NDS von 2004 bis heute eine Erfolgsgeschichte: 2010 zählte man bei den 134 NDS HF bereits 884 Absolventen, ein Jahr zuvor waren es 532.

  
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