Eine Stadt, zu der ein Stiftsbezirk mit Unesco-Weltkulturerbe-Status gehört, muss kulturell sein. Soweit die Erwarungshaltung, die das grosse historische Erbe St. Gallens inklusive ältester Bibliothek der Schweiz weckt. Schon nur ein Blick über die vielfältige Museenlandschaft der Kantonshauptstadt mit ihren knapp 73000 Einwohnern kann diese auch erfüllen: Sie reicht vom Kunst-, Natur-, Historischen und Völkerkundlichen Museum über die «Kunst Halle Sankt Gallen» - die sich als «lebendiges Labor für Gegenwartskunst» versteht und laut Insidern in der Kunstszene einen sehr guten Ruf geniesst - bis hin zum «Museum im Lagerhaus». Dort ist das Kompetenzzentrum für schweizerische Naive Kunst und Art Brut beheimatet. Und das sind nur einige Beispiele.
Ein prominenter Player auf dem lokalen Kulturplatz ist auch das Dreispartenhaus Theater St. Gallen - und ein erfolgreicher: Im Geschäftsjahr 2010/2011 besuchten total 159805 Besucher die Veranstaltungen im Konzert-, Theater- und Festspiele-Bereich - das sind über 3000 mehr als im Vorjahr. Die Auslastung der Sparten Konzert und Theater lagen beide bei über 70 Prozent. Bei den St. Galler Festspielen, der sechsten Durchführung, betrug sie sogar stolze 95 Prozent gegenüber 79 Prozent im Vorjahr. «Mit der Neugestaltung des Bühnen- wie des Zuschauerbereichs sind die noch jungen Festspiele bei den Besuchern auf ein äusserst positives Echo gestossen», steht im Geschäftsbericht.
Volk stimmte Ja zur Kultur im ehemaligen Lokomotiv-Ringdepot
Mit ein Grund für das gute Ergebnis vom Theater St. Gallen ist die Eröffnung der «Lokremise» im September 2010; das frühere Ringdepot liegt unmittelbar beim Hauptbahnhof. Die Stiftung Lokremise ist als Kulturzentrum positioniert, welches Theater, Tanz, Film, Kunst und Gastronomie vereint. Schon seit den 1980er-Jahren wurde das Gebäude kulturell zwischengenutzt, bevor der Kanton zusammen mit dem Theater St. Gallen und anderen Institutionen ein Konzept für eine dauerhafte Nutzung erarbeitet hat. Das Stimmvolk sagte 2008 in einer kantonalen Abstimmung Ja zum Kulturzentrum Lokremise. Heute hat das Theater St. Gallen im Haus eine feste zweite Spielstätte gefunden. Dass diese von Anfang an auf vermehrtes Publikumsinteresse stiess, zeige laut Theater-St.-Gallen-Geschäftsbericht die Besucherstatistik für die Sparte Theater: Sie ist 2010/2011 im Vergleich zum Vorjahr um fast vier Prozent gestiegen, was einem Zuwachs von 4600 Besuchern entspricht. Während die Zahlen der Theater- und Festspielbesucher stiegen, büsste die Sparte Konzert übrigens rund 3300 Besucher ein.
Lokremise ist täglich geöffnet und für ihren Sonntagsbrunch bekannt
Geschäftsführerin der Stiftung Lokremise ist Kati Michalk. Nicht nur die Anlässe in den Theatersälen, auch der Kunst-Ausstellungsraum oder das Programmkino «Kinok» sind laut der Medienwirtin aus Leipzig sehr gut ausgelastet. Deshalb antwortet sie auf die Frage nach einer vermehrten touristischen Vermarktung des Zentrums: «Es läuft seit der Eröffnung so gut, dass das Schnüren von Packages oder Ähnlichem bis jetzt ehrlich gesagt noch kein Thema war.» Sie sieht aber ein Potenzial für Gäste aus den Regionen Konstanz und Bregenz, «da werden wir künftig sicher eine vermehrte Zusammenarbeit suchen». Das Restaurant ist an die PSG Gastronomie verpachtet und bietet eine lokale Küche - schon jetzt ist der Sonntagsbrunch legendär. Und dass das Zentrum täglich geöffnet ist, ist auch touristisch interessant.


St. Gallen feiert den Mönch Gallus, der 612 in die Stadt kam. Das Gallusjahr ist gespickt mit originellen Angeboten. Iwan Köppel leitet die Arbeitsgemeinschaft Gallusjahr.



