Bernd Ackermann, Küchenchef des Hotel Suvretta House in St.Moritz, ist beeindruckt. Die 12 Lehrlinge, die am Wettbewerb «Young Engadine Talents» im Rahmen des 19. Gourmet Festivals teilnahmen, haben den Chef überrascht. «Ich hätte nicht gedacht, dass die Lehrlinge im dritten Ausbildungsjahr so variantenreich kochen und kreativ dekorieren.» Das Niveau aller Auszubildenden sei wirklich sehr gut gewesen, niemand sei abgefallen. «Am Schluss waren die ersten Plätze sogar eng beieinander», freut sich Ackermann. Nur ein einziger Wermutstropfen: Die Lehrlinge aus den Spitälern und Heimen nahmen am Wettbewerb nicht teil. Das hatte sich Ackermann sehr gewünscht. Doch zu gross war der Respekt vor den renommierten Ausbildungsplätzen.
Junge Talente motivieren
Die Förderung von jungen Kochtalenten in der Region liegt den Verantwortlichen des St.Moritz Gourmet Festivals am Herzen. Daher fand erstmals im Vorfeld des Events dieser Nachwuchswettbewerb statt. 18 Jungköche stehen kurz vor der Abschlussprüfung, 12 davon haben den Mut aufgebracht, sich für den Contest anzumelden. Unter der Leitung von Bernd Ackermann standen alle Teilnehmer während des «Young Engadine Talents» vor der gleichen Aufgabe - aus einem Warenkorb zwei Gourmetgerichte zu zaubern, ganz nach dem Motto: der Fantasie und Kreativität freien Lauf lassen. «Ohne Sponsoren hätten wir diesen Event aber nicht durchführen können», betont Ackermann. Für volle Warenkörbe sorgte die Firma Rageth Comestibles AG aus Landquart. Sie ist in der Region stark verankert, beliefert bereits seit Jahren die exklusiven Küchen des Engadins.
Hochkarätige Jury beurteilt die Jungköche
Bewertet wurden die Jungtalente von Bernd Ackermann, Martin Scherer, Direktor des Hotels Schweizerhof St.Moritz, und Spitzenkoch Roland Jöri (2 Michelin-Sterne, 18 Gault-Millau-Punkte). Die Kriterien der Jury orientierten sich an der kantonalen Abschlussprüfung. So war die Wettbewerbsteilnahme auch eine ideale Prüfungsvorbereitung für die Talente. Punkte gab es für die Auswahl und Zusammenstellung der Gerichte aus dem Warenkorb. «Dabei wurde auch die Kreativität bewertet», so Ackermann. Und dann beurteilte die Jury die Präsentation, die Portionengrösse, das Anrichten, die Wirtschaftlichkeit, die optimale Arbeitsvorbereitung und last but not least der Geschmack des Gerichtes. Der Wettbewerb sei für alle eine tolle Erfahrung gewesen, nervös waren die jungen Berufsleute nur zu Beginn. Um die Stimmung der Wettbewerbsteilnehmer zu entspannen, hatte Ackermannn vorgesorgt. Er zeigte zuerst einmal sein Reich im Suvretta House. «Dabei konzentrierten sich dann alle auf das was sie kannten: ihr Arbeitsumfeld in der Küche.»
Mit 17 Jahren kochte er sich an die Spitze
Siegen konnte allerdings nur einer: «Und der Gewinner ist: Claudio Grüger vom Hotel Waldhaus Sils», gab Vic Jacob, Direktor des Hotel Suvretta House am «Great Valser Gourmet Finale» auf Corviglia bekannt. Das Menü des 17-jährigen Talents kann sich sehen lassen: Claudio Grüger kochte zwei Gänge und reichte als warme Vorspeise ein Forellentörtchen mit Ricotta-Spinat-Ravioli, dazu Gebratenes von Forelle und Crevetten an kleinem Blattsalat. Auch der Hauptgang überzeugte die Jury: Dreierlei vom Perlhuhn (Lollipop, Schenkel und Brust). Dazu servierte der Jungmeister ein Parmesan-Petersilien-Risotto und Grillgemüsegarnitur. Tomas Gawlowski, General Manager Coca-Cola HBC und Repräsentant des Festival-Titelsponsors Valser, überreichte dem Gewinner Claudio Grüger die Diplomurkunde für den 1. Preis: Eine Woche Praktikum beim deutschen 3-Sterne-Koch Christian Bau.
Die Gewinner des «Young Engadine Talents»: 1. Platz, Claudio Grüger; 2. Platz, Simon Jenal; 3. Platz, Isabelle Nesseler.
Nachgefragt: Claudio Grüger
Der 17-jährige Claudio Grüger ist Lernender im 3. Ausbildungsjahr im Hotel Waldhaus in Sils.
1. Claudio Grüger, Sie wirken sehr überrascht, was geht in Ihnen vor? Ich hätte nie gedacht, dass ich den Wettbewerb gewinne. Obwohl ich es natürlich gehofft habe. In den letzten Tagen musste ich mir immer wieder sagen: Mach dir nicht zu grosse Hoffnungen, sonst ist die Enttäuschung zu gross. Und nun habe ich gewonnen, das ist echt cool.
2. Haben Sie Ihre Eltern schon informiert? Nein, ich bin noch nicht dazu gekommen. Aber das hole ich natürlich nach. Meine Mutter sagte mir auch immer wieder, ich solle ruhig und am Boden bleiben. Und mir auch nicht zu viel Hoffnung machen. Ich habe übrigens nicht gewusst, warum ich heute Abend hier auf Corviglia sein durfte. Mein Küchenchef Kurt Röösli vom Hotel Waldhaus in Flims hat mir nichts verraten.
3. Spornt Sie die Auszeichnung nun an, ein Spitzenkoch zu werden? Also zuerst mal mache ich meine Ausbildung fertig, da wünsche ich mir einen guten Abschluss. Ich bin in der Schule nicht etwa ein Spitzenschüler, aber gutes Mittelfeld. Ich finde die Arbeit in der Top-Gastronomie ziemlich anstrengend. Die Tage sind sehr lang. Ob das mein Leben sein wird, kann ich heute noch nicht sagen.
4. Nun haben Sie ein Praktikum bei einem der besten Köche Deutschlands gewonnen. Sind Sie aufgeregt? Klar. Aber ich freue mich auch. Das wird für mich eine äusserst spannende Erfahrung. Schon der heutige Abend hier oben bei Reto Mathis hat mich fasziniert. Mit all den grossen Küchchefs an einem Anlass sein zu dürfen, das hat mich beeindruckt.
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