Der Tag beginnt erst einmal mit einem Frühstück. Zumindest an den Tagen, an denen Johanna Bartholdi nicht von ihrem Wohnort Egerkingen nach Zürich in die Geschäftsstelle von Cafetier Suisse, dem Arbeitgeberverband für die kaffeelastige Gastronomie, pendelt. Das war nicht immer so. Früher ging es für die diplomierte Hôtelière immer gleich an die Arbeit. Doch seit ihr Mann Diabetes hat, musste das Paar die Ernährungsgewohnheiten etwas umstellen.
Direkt mit der Präsidentin verbunden: Das mache Eindruck
Dienstag und Donnerstag sind ihre Zürich-Tage. Allerdings vordringlich nicht als Präsidentin des Verbandes: Johanna Bartholdi ist noch für zwei Tage in der Woche als «normale» Sachbearbeiterin angestellt. Eine ungewöhnliche Konstellation, doch für die Cafetier-Suisse-Präsidentin mit vielen Vorteilen verbunden. Einen hebt sie besonders hervor: «Der grösste Vorteil entsteht dann, wenn potenzielle Neumitglieder anrufen.» Diese hätten oft spezifische Fragen. «Dann kann man sie direkt mit mir als Präsidentin verbinden. Das macht Eindruck.»
Die Doppelaufgabe bei Cafetier Suisse habe sich daraus ergeben, dass sie 14 Jahre lang Geschäftsführerin des Verbandes war. Aufgrund ihres grossen Know-hows überliess man ihr noch weiterhin Aufgaben zur Betreuung, wie die Rechtsberatung und das Mandat der Zusammenarbeit zwischen Cafetier Suisse und Zürich Beck. Gibt es nicht Abgrenzungsprobleme zwischen dem operativen Geschäft und jenem der Präsidentin? Bartholdi sieht keine, denn die ihr übertragenen Aufgaben als Sachbearbeiterin seien klar abgesteckt und hätten mit der operativen Führung nichts zu tun.
So beginnt Bartholdi nicht selten ihren Arbeitstag in Zürich als Sachbearbeiterin und schliesst ihn als Präsidentin ab. Bereits um 7.30 Uhr steht sie in Zürich auf der Matte. Dann werden als Erstes die Mails gecheckt. Und dann komme die erste Kaffee-Pause. «Diese ist mir sehr wichtig», so die Präsidentin von Cafetier Suisse. Anschliessend gehe es weiter mit ihrer «normalen Arbeit als Sachbearbeiterin». Einmal die Woche folgt um 10 Uhr eine Sitzung mit dem Geschäftsführer. Während rund anderthalb Stunden werden die laufenden Geschäfte und aktuellen Vorhaben besprochen und neue Pläne geschmiedet.
Für die Vorstandssitzungen schreibt sie ein Drehbuch
Die Mittagspause läutet sie für sich selbst erst spät ein, so um 13.30 Uhr. Das sei eine Gewohnheit aus ihrer Hôtelière-Zeit: Bartholdi war rund 20 Jahre operativ in der Hotellerie tätig, die meiste Zeit als Hoteldirektorin, bevor sie dann 1995 zum damaligen Schweizer Cafetier-Verband stiess. Und, so muss sie zugeben, den Lunch verbringe sie oft am Arbeitsplatz, Fachzeitung lesend, viel mehr als 30 Minuten Pause gönnt sie sich selten. Je nachdem folgt dann um 14 Uhr am Nachmittag eine Vorstandssitzung. Diese bereitet sie jeweils akribisch vor. «Ich schreibe ein richtiges Drehbuch», lässt sich Bartholdi in die Karten blicken. «Ich überlege mir bereits vorher, wie die Diskussion ungefähr verlaufen wird.» Damit nicht unnötig Zeit vergeudet wird, sammelt sie viel Hintergrundinformation, trägt die Pros und Contras zu den Geschäften zusammen, und auch, was in ähnlicher Angelegenheit der Vorstand schon einmal entschieden hat. In der Regel enden die Vorstandssitzungen 17.30 Uhr. Kurz vor 20 Uhr ist sie zu Hause. Dann wird als Erstes gegessen. «Ich hab den grossen Vorteil, dass mein Mann Koch ist.» Anschliessend ist Entspannung vor dem Fernseher angesagt. Wenn sie nicht noch als Gemeindepräsidentin von Egerkingen Verpflichtungen hat. Hier liegt das Arbeitspensum bei 40 Prozent, das Cafetier-Suisse-Präsidium erfordert rund 10 Prozent. Die Wochenenden sind der Weiterbildung vorbehalten: Johanna Bartholdi studiert an der Fernuni Schweiz Jura. Im siebten Semester.


Den Präsidenten eines Unternehmens, einer Organisation oder eines Verbandes kommt eine wichtige Aufgabe zu. Sie bestimmen, wo's langgeht, wann Vorwärtsstrategie und wann eher Zurückhaltung angebracht ist.



