Was Philipp Genner motiviert, Mitglied bei Private Selection Hotels zu sein, ist «die gewissenhafte Dienstleistung, die gute Zusammenarbeit mit dem Private-Selection-Team und der Austausch mit anderen Schweizer Hotelierskollegen». Sein Hotel L'Estelle en Camargue in Saintes-Maries-de-la-Mer gehört der Hotelkooperation seit 2005 an. Zudem kooperiert Genner seit zwölf Jahren mit der Châteaux & Hotels Collection.
Mit seinen Schweizer Hotelierskollegen tauscht er auch ab und an Mitarbeitende aus, «allerdings darf der Anteil an Schweizer oder deutschen Mitarbeitenden nicht zu gross sein. Denn deren Arbeitsweise unterscheidet sich sehr von jener der französischen Mitarbeitenden.» In der Zwischensaison beschäftigt Genner 18 bis 20 Mitarbeitende, in der Hochsaison 32.
Der Hotelier erhofft sich auch mehr Schweizer Gäste von der Kooperation mit Private Selection. «Denn diese Gäste schätzen es, wenn sie in Frankreich mit Schweizer Qualität verwöhnt werden.» Er beherbergt heute in seinen 20 Hotelzimmern 30 bis 40 Prozent Schweizer Gäste und etwa gleich viel französische. Rund 25 Prozent der Schweizer kommen durch Private Selection. Viele durch Packages, welche die Hotelgruppe schnürt. Heute ist sein Hotel, das jährlich acht Monate geöffnet ist, zu durchschnittlich 70 Prozent ausgelastet, damit liegt er im oberen Durchschnitt der regionalen Hotels. «Mit zusätzlichen Schweizer Gästen lässt sich die Auslastung steigern.» Genner verkauft das «L'Estelle» auch noch über verschiedene Buchungsplattformen, wie booking.com und Venere. Letztes Jahr hat das Haus den fünften Stern erhalten, vorher war das Hotel mit vier Sternen klassiert. Damit ist das «L'Estelle» vorläufig das einzige 5-Sterne-Hotel der Camargue.
Der Start in der Provence war nicht ganz einfach
So ganz zufällig ist der Basler Philipp Genner nicht in der Camargue gelandet. Seine damalige Frau, die er im «Ermitage» in Schönried, wo er als Vizedirektor tätig war, kennengelernt hatte, ist Französin. Der Weg ins «L'Estelle» war allerdings ein steiniger, erinnert er sich. 1995 kam Genner in Saintes-Maries-de-la-Mer an, seit 2007 gehört ihm das Hotel. Drei Jahre lang war er auf der Suche nach einer Bank, die bereit war, ihm einen Kredit zu gewähren, um das Hotel zu kaufen.
Die ersten Jahre waren schwierig, erinnert sich Genner. Er habe den Betrieb nur dank der Hilfe seiner Schweizer Kollegen über die Runde gebracht. Denn die haben ihm mit Mitarbeitenden ausgeholfen. Auch in den nächsten sechs Jahren mussten er und seine Frau bescheiden leben. «Die Löhne und Steuern konnten wir bezahlen, der Rest musste ins Haus investiert werden.» Der deutsche Küchenchef, Sven Fuhrmann, stiess dann zum Team, heute ist er Geschäftspartner von Philipp Genner. «Weil wir ihm damals keinen angemessenen Lohn bezahlen konnten, entlöhnten wir ihn mit Aktien», erklärt der Hotelier.
Ein Familienbetrieb und ein Schloss in einem Park
Die Hotels Benvengudo in Les Baux de Provence und das Château de Montcaud in Sabran kooperieren seit letztem Jahr mit der Private-Selection-Hotelgruppe.Ersteres gehört einer französischen Familie, die in der Schweiz lebt, das zweite Rudy W. Baur, der sich mit dem wunderschönen Schloss in einem grossen Park einen Traum erfüllt hat. Das «Benvengudo» umfasst 27 Zimmer, das Château de Montcaud 28 Zimmer.
Carole Beaupied Puetzler, Besitzerin des «Benvengudo», erhofft sich von der Kooperation mehr Schweizer Gäste und Schweizer Dienstleistungsqualität. Das 3-Sterne-Haus, das ihren Eltern gehört hatte, ist in der Tradition von Arles eingerichtet. 50 Prozent der Gäste stammen aus Frankreich, 10 bis 15 Prozent aus der Schweiz, ausgelastet ist das Haus zu 70 Prozent. Geführt wird es von einem Schweizer Direktor. Carole Beaupied Puetzler stellt auch immer wieder Praktikantinnen und Praktikanten von Schweizer Hotelfachschulen ein. «Ich bin beeindruckt von der Qualität der Schweizer Hotellerie», zieht sie Bilanz. «Es ist uns sehr wichtig, in unserem Hotel Schweizer Servicequalität bieten zu können.»
Auch für Rudy W. Baur «ist der Schweizer Markt sehr wichtig». Auch er erhofft sich von Private Selection in erster Linie mehr Schweizer Gäste. Letztes Jahr hat er 27 Prozent beherbergt - aufgrund des starken Frankens -, sonst sind es rund 20 Prozent. «Mein Ziel ist, 35 Prozent Schweizer Gäste und 33 Prozent französische Gäste zu generieren», so Baur. Er will die Auslastung im Château Montcaud von 50 auf 60 Prozent steigern. Sein Konzept: «Le Luxe de la Simplicité» - wenn auch die hohen edlen Räume im Schloss mit Einfachheit wenig zu tun haben. «Ich möchte Gästen, die an gute Hotellerie gewöhnt sind, etwas bieten.» Unter seinen Gästen seien denn auch «prominente Leute, die es schätzen, dass man sie freundlich und normal behandelt».
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