Iwan Köppel, Sie leiten die Arbeitsgemeinschaft Gallusjubiläum 2012, die den Ideenwettbewerb für das Gallusjahr gewonnenen hat. Was zeichnet Ihr Konzept aus?
Der Erfolgsfaktor unseres Konzepts ist dessen Leitfaden «Aufbrechen, Ausstrahlen, Vernetzen», angelehnt an Gallus. Der Mönch war in Irland oder den Vogesen, das ist nicht ganz klar, auf die Wanderung aufgebrochen und liess sich dann in der Wildnis nieder, dem heutigen St. Gallen, um sich und Gott näher zu sein. Gallus war eine Persönlichkeit mit Ausstrahlung und hat vernetzend gewirkt.
Was war die grösste Herausforderung dieses Projektes?
Das Ganze war ein Experiment. Es sind über 300 Anlässe und Angebote, die von mehr als 50 Projektträgern mit viel Eigeninitiative durchgeführt werden oder worden sind. Die Koordination war, bei so vielen Beteiligten, nicht einfach. Eine weitere Herausforderung war, mit dem Jubiläum Breitenwirkung zu erzielen. Denn vorgegeben war, dass das Jubiläum die drei Bereiche Bildung, Spiritualität und Kultur abdeckt. Diese Themen sprechen nicht unbedingt eine Mehrheit der Bevölkerung an. Eine weitere Knacknuss war, mit knappen Mitteln möglichst viel zu erreichen.
Wie haben Sie diese Herausforderungen gemeistert?
Indem wir die Projekte immer wieder auf Breitenwirkung hinterfragt und grundsätzlich sehr proaktiv kommuniziert haben. Und wir haben es geschafft, Begeisterung zu wecken. Das Ganze wurde geradezu zum Selbstläufer. Doch hinter der Koordination stehen viel Zeit, Aufwand und Engagement. Mir persönlich hat geholfen, dass ich weiss, wie die Mechanismen in Politik und Verwaltung funktionieren.
Wie sind Sie bei der Ideenfindung vorgegangen?
Erst haben wir gezielt Leute aus den Regionen zu Workshops eingeladen: Lehrer, Historiker, Künstler und so weiter. Später dann haben wir die Ideen-Suche über die Medien breit ausgeschrieben. Da kamen Vorschläge aus der ganzen Bevölkerung. Zudem haben wir auch eigene Ideen eingebracht. Entstanden sind Projektprozesse, die dann in Angebote gemündet haben.
Welches Ziel möchten Sie mit Ihrem Projekt erreichen?
Die Auftraggeber haben die Ziele definiert. Das Hauptziel ist, unsere Identität zur Diskussion zu stellen, um gewisse Werte wieder aktivieren und nachhaltig etwas bewirken zu können. Breitenwirkung ist wie gesagt eine weitere wichtige Zielvorgabe.
Punkto Nachhaltigkeit: Welche Projekte werden auch nach dem Jubiläumsjahr weitergeführt?
Das Besucherzentrum zum Stiftsbezirk und die Kunstinstallationen in der Mülenenschlucht. Aber auch unsere neu kreierten Wandervorschläge können weiterhin genutzt werden. Es zeichnet sich zudem ab, dass das neu kreierte Strassenmusikfestival «Aufgetischt» einen festen Platz im St. Galler Kulturleben erhalten wird. Wir sind daran, ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten.
Wie schätzen Sie die touristische Wirkung des Gallusjahrs ein?
Das Medienecho war enorm! Ich bin richtig überwältigt.
Welches ist für Sie das grösste Gallus-Highlight?
Es gibt für mich nicht nur ein einziges Highlight, sondern mehrere. Das grösste ist, dass das Jubiläums-Experiment so gut gelungen ist. Zum Auftakt des Jubiläums im April hatten wir von überall her sehr gute Rückmeldungen. Ich persönlich trinke gerne Bier. Das «Gallus 612», das die Brauerei Schützengarten auf das Jubiläum hin gebraut hat, finde ich sensationell.
Würden Sie nochmals ein solches Grossprojekt anpacken?
(Spontan) Ja!
Haben Sie weitere Projektideen?
Ich bin immer noch daran abzuklären, was sich tun lässt, damit ich in 1400 Jahren wieder da bin. Denn dann soll die von der Künstlerin Maria Eichhorn im Wasserfall der Steinach vergrabene Zeitkapsel wieder zum Vorschein kommen. (Anmerkung der Redaktion: Vor 1400 Jahren war der Heilige Gallus bei der Steinach angekommen). Ich muss doch kontrollieren, ob das mit der Zeitkapsel funktioniert…
Gallusjahr St.Gallen von April bis Oktober 2012
Vor 1400 Jahren hatte sich der Mönch Gallus in den Steinachwald
zurückgezogen. Aus der kleinen Zellen-Siedlung entwickelte sich die
heutige Stadt St. Gallen. Dieses Jubiläum wird nun zwischen April und
Oktober 2012 mit attraktiven Anlässen im ganzen Kanton gefeiert.
Involviert sind unter anderem Museen und andere touristische
Leistungsträger. Eine der Leitideen des Events ist, die Bevölkerung des
ganzen Kantons zu vernetzen.
Mehr über die Stadt St. Gallen lesen Sie unten:












In loser Folge stellt die hotel revue Schweizer Städte vor und begibt sich dabei auf deren touristische, gastronomische und kulturelle Spuren. Hier finden Sie alle bisher erschienenen Städte-Schwerpunkte.



