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19.08.2010
Südtirol macht’s vor
«Urlaub auf dem  Bauernhof» wird im Südtirol einheitlich über die Organisation «Roter Hahn» vermarktet. Erfolgreich.
«Urlaub auf dem Bauernhof» wird im Südtirol einheitlich über die Organisation «Roter Hahn» vermarktet. Erfolgreich. (© Frieder Blickle/zvg)
Das Südtirol setzt erfolgreich auf Agrotourismus. Was in der Schweiz erst geplant ist, funktioniert dort seit zehn Jahren: eine zentrale Vermarktungsorganisation.
Christine Künzler

Hans J. Kienzl, Sie sind Geschäftsführer der Vermarktungsorganisation «Roter Hahn». Was macht sie besser als die Agrotourismus-Vermarkter anderer Länder?

Wir haben vor zehn Jahren die Marke Roter Hahn lanciert, ein klares Konzept aufgestellt und uns auf unser Produkt und dessen Vermarktung konzentriert. Wir haben die Marke «Urlaub auf dem Bauernhof» entstaubt und ihr mit strengeren Kriterien ein neues Ansehen verliehen. Wir hatten Glück, dass nur eine einzige Organisation bestand, die sich mit Urlaub auf dem Bauernhof beschäftigte. Das ist im übrigen Italien anders. Auch spielt das Marketing gegen innen für uns eine zentrale Rolle: Die Mischung von Weiterbildungsangeboten und Produkteentwicklung bewährt sich. Wir sorgen dafür, dass sich unsere Mitglieder ständig weiterbilden.

Wie haben Sie es geschafft, Ihre Mitglieder von den strengen Kriterien zu überzeugen?

Mit zahlreichen Vorträgen, die wir vor Ort gehalten haben. Es war ein steiniger Weg. Gegen die Einstufung der Höfe gab es anfangs viel Widerstand. Heute haben wir eine Fremdeinstufung: Zwei Personen gehen vor Ort und stufen den Betrieb nach 96 Kriterien ein.

Wie gelingt es Ihnen, aus Landwirten Gastgeber zu machen?

Nicht jeder Landwirt ist ein guter Gastgeber. Wir hoffen, dass nur Bauern Gäste aufnehmen, die Freude an deren Betreuung haben. Denn die Freude ist das Wichtigste. Die finanzielle Unterstützung von der öffentlichen Hand ist nicht so hoch, dass jemand nur deswegen Agrotourismus anbietet.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Anbietern?

Wir pflegen E-Mail-Kontakt mit unseren Mitgliedern. Zweimal jährlich verschicken wir eine Broschüre, die sie über Neuheiten informiert. Im Oktoberjeweils findet eine Impuls-Tagung statt zu der rund 800 Bauern kommen. Zudem halten wir Vorträge.

Wie stellt Ihre Organisation die Qualität sicher?

Wichtig ist für uns der richtige Umgang mit den Gäste-Reklamationen. Jede Beschwerde wird ernst genommen, der betroffene Bauernhof wird besucht. Ist eine Situation zu Recht beanstandet, muss sie verbessert werden. Bei zweimaliger, schwerwiegender Reklamation wird der Betrieb ausgeschlossen.

Wie vielen Höfe verweigern Sie den Beitritt wegen mangelnder Qualität?

Bei Höfen mit Qualitätsprodukten liegt die Durchfallquote bei über 40 Prozent.Von neun Schankbetrieben wurden heuer zwei aufgenommen. Die interessierten Bauern, die Gäste beherbergen, nehmen wir grundsätzlich alle auf. Die Qualität der Höfe zeigt sich an der Anzahl Blumen, die er bei der Einstufung erhalten hat. Bei Reklamationen werden die Höfe wie gesagt wieder ausgeschlossen.

Wie kooperieren Sie mit Südtirol Marketing?

Wir kooperieren gut mit der Marketinggesellschaft, sie honoriert unsere Arbeit. Wir sind dort wie jede Tourismusorganisation eingebunden.

Wer unterstützt Ihre Organisation finanziell?

Wir bekommen einen Beitrag vom Land Südtirol. Und unsere Mitglieder bezahlen jährlich einen Marketingbeitrag um 400 Euro plus Mehrwertsteuer.

  
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