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04.02.2010
Tagen mit Bergsicht
Seminare mit Aussicht in eine Berglandschaft sind heute beliebt – gute Erreichbarkeit vorausgesetzt. Zurück zu Ursprünglichem, lautet die Devise.
Seminare mit Aussicht in eine Berglandschaft sind heute beliebt – gute Erreichbarkeit vorausgesetzt. Zurück zu Ursprünglichem, lautet die Devise. (© Swiss-Image)
«Zurück zur Natur» lautet der Trend bei den Seminar- und Kongressveranstaltern. Gute Erreichbarkeit vorausgesetzt, sind zunehmend Lagen an Seen und in den Bergen gefragt.
Daniel Stampfli

Firmen-Meetings werden extrem kurzfristig gebucht.» Dieser Trend habe sich in letzter Zeit noch verstärkt, sagt Barbra Albrecht vom Switzerland Convention & Incentive Bureau (SCIB), angesiedelt bei Schweiz Tourismus. Daher müssten die anbietenden Hotels sehr rasch auf Anfragen reagieren können. Barbra Albrecht führt das kurzfristige Buchungsverhalten auf die weiterhin angespannte Wirtschaftslage zurück. Nach wie vor sei beim Buchen der Preis entscheidend. Auch würden immer noch mehr 3- und 4-Sterne-Hotels als 5-Sterne-Häuser berücksichtigt. Dafür sei jedoch weniger der Preis als die Sorge um das eigene Image des Organisators verantwortlich.

Weg von den Ballungszentren an Seen und in die Berge
Etwas andere Erfahrungen hat Oliver Stoldt, CEO von Swiss Sales, gemacht: «Es ist, als hätte am 4. Januar jemand den Hebel umgelegt.» Die unter anderem in der Vermittlung von Seminarhotels und Eventlocations tätige Unternehmung mit Sitz in Horgen registriert seit Anfang Jahr mehr Anfragen, insbesondere für Buchungen mit grösseren Gruppen. «Es wird wieder mehr in Unternehmensschulungen und Kunden-Events investiert», so Stoldt. Der Januar sei der stärkste Anfragemonat seit vielen Jahren gewesen. Grössere Veranstaltungen würden wieder längerfristig gebucht, etwa bereits für den kommenden Herbst. Kleinere – mit 40 bis 50 Personen – seien noch kurzfristiger Natur.

«Raus aus den Ballungszentren» ist laut Oliver Stoldt ein weiterer Trend. «Man möchte die Natur erleben.» Golf und Wasser seien «in», und im Winter natürlich die Berge. Diese Nachfrageentwicklung gelte für Schweizer und ausländische Seminar- und Kongressgäste. Stoldt stellt ebenso fest, dass seit Anfang 2010 auch wieder vermehrt in 5-Sterne-Hotels gebucht werde.

Auch Barbra Albrecht spricht von der «Rückkehr zur Natur und zu Einfacherem». Im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise würden sich die Leute vermehrt auf einfachere Dinge besinnen, «weg von Glamour und Pompösem».

Bezüglich Lage sei immer noch die gute Erreichbarkeit eines der wichtigsten Kriterien, stellt Barbra Albrecht fest. Dies sei jedoch relativ, je nach Einzugsgebiet der Seminarteilnehmer, etwa ob aus der Deutschschweiz, der ganzen Schweiz oder gar aus dem Ausland. Eine Rolle spiele dabei auch die Aufenthaltsdauer. Laut Oliver Stoldt nimmt die Bedeutung der Erreichbarkeit bei der Buchungswahl ab. Letztes Jahr sei die Nähe zum Flughafen oder zum Bahnhof noch ganz entscheidend gewesen.«Heute ist man bereit, für eine schöne Lokalität auch eine bis zu zweistündige Anfahrt in Kauf zu nehmen.»

Regionale und lokale Spezialitäten statt Hummer
«Bei der Verpflegung ist man gegenüber Luxusprodukten noch sehr zurückhaltend», so Oliver Stoldt weiter. Lokale Produkte stünden im Vordergrund. Darauf hätten sich auch die Luxushotels eingestellt. Sie böten heute viel mehr Swissness und lokale Spezialitäten an.

Der Trend zurück zur Natur beeinflusst auch nach Ansicht von Barbra Albrecht vom Switzerland Convention & Incentive Bureau das Ernährungsverhalten von Seminargästen. Stärker nachgefragt seien lokale Produkte, «lieber eine Forelle aus dem Bergbach oder ein Fisch aus dem See als importierte Crevetten oder Hummer». Sonst sei leichtes Essen, unter anderem mit Früchten willkommen.

Wellness scheint bei Seminargästen nicht zum Trend zu werden. «Ein Wellnessangebot ist sicher ‹nice to have› und kann bei der Entscheidungsfindung eine gewisse Rolle spielen», sagt Barbra Albrecht. Zum Benutzen einer Anlage fehle den Seminar- und Kongressteilnehmern jedoch meist die dafür notwendige Zeit. Ausser man biete die Möglichkeit, privat zu verlängern und den Partner nachkommen zu lassen. Ähnlich beurteilt Oliver Stoldt von Swiss Sales dieses Thema: «Wellness ist eher kein Bedürfnis, da den Seminargästen die Zeit dafür fehlt.»

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Barbara Albrecht, SCIB. <nobr>   (© zvg)</nobr>
Oliver Stoldt, Swiss Sales. <nobr>   (© zvg)</nobr>
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