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05.08.2010
Viele Themen. Viele Wege.
Der Schellenursli-Weg ist mit der bekannten Kindergeschichte aus Guarda im Unterengadin gut in einen Gesamtkontext eingebunden.
Der Schellenursli-Weg ist mit der bekannten Kindergeschichte aus Guarda im Unterengadin gut in einen Gesamtkontext eingebunden. (© zvg)
Die Vielfalt an Themen für die Ausgestaltung und Lancierung von Themenwegen ist grenzenlos. Doch nicht alle Angebote sind erfolgversprechend.
Daniel Stampfli

Themenwege sind eindeutig im Trend und ein Ende ist nicht absehbar», stellt Heinz Keller von Schweiz Tourismus (ST) fest, der die aktuelle Zahl in der Schweiz auf über 500 schätzt. Die Qualität sei in den vergangenen fünf Jahren erfreulicherweise stets besser geworden. Hansruedi Müller, Leiter des Forschungsinstituts für Freizeit und Tourismus (FIF) an der Uni Bern, sieht dies etwas differenzierter: «Von hervorragend bis miserabel.» In den letzten Jahren sei viel Wildwuchs entstanden: Themenwege, die ohne genügend Sachverstand entstanden seien und die vor allem schlecht gewartet würden. Müller sieht den Trend bei den Themenwegen insbesondere auf Anbieterseite, während das Interesse an den vermittelten Themen bei den Touristen konstant sei.

Während früher das Angebot eher auf private Initiative und Amateurclubs zurückging, habe inzwischen Professionalität Einzug gehalten, so Heinz Keller. «Früher stand ganz klar die Wissensvermittlung an allererster Stelle und sonst nichts.» Es sei kein touristisches Produkt gewesen und der Marketinggedanke habe gefehlt. «Heute geht es ganz klar in Richtung Infotainment. Es geht darum, mit Lust Neues zu erlaufen oder zu erwandern», so Keller weiter.

Laut Heinz Keller entstehen jährlich 15 bis 30 neue Themenwege. Eine Gefahr, dass dereinst die ganze Schweiz mit Themenwegen überzogen sei, sieht der ST-Vertreter nicht. «Denn funktioniert ein Weg nicht, wird er meist still und leise beerdigt.» Hansruedi Müller dazu: «Sicher ist, dass es nicht noch mehr physisch gestaltete Themenwege braucht. Vielmehr sollten die bestehenden erneuert, ersetzt oder ganz entrümpelt werden.» Heute gebe es moderne Techniken, mit denen landschafts- und umweltschonend Themen spannend aufbereitet werden können. Auch würden sie helfen, das Sprachproblem zu lösen und unterschiedliche Interessen abzudecken.

Pädagogisch klug und ästhetisch einfühlsam aufbereiten
Mit den Spitzenprodukten wie dem Klangweg im Toggenburg oder dem Champlönch im Nationalpark sei die Schweiz gegenüber den angrenzenden Nachbarländern in Sachen Themenweg absolut konkurrenzfähig. Hansruedi Müller fällt es zwar schwer, einen umfassenden Vergleich anzustellen, doch finde er auch im Ausland immer wieder Themenwege, die veraltet oder ohne genügend Sachverstand gestaltet worden sind.

Ein guter Themenweg muss für den Besucher Mehrwert bieten. Es soll laut Keller möglich sein, «spannendes Mehrwissen in grossartiger Landschaft zu erlaufen». Für Müller werde die Qualität eines Themenweges aus Sicht der Besucher durch die ortsspezifische Themenwahl, die pädagogische, kluge Aufbereitung und die ästhetisch einfühlsame Gestaltung bestimmt. Insbesondere wenn die Zielgruppe Familien respektive Kinder sind, brauche es mehr als nur wissenschaftliche Fakten.

Gezielte Vermarktung und Einbindung von Partnern
Beim Erarbeiten eines Themenweges braucht es als Erstes ein spannendes Thema, das es im weiteren Umfeld nicht schon gibt, so Heinz Keller. Es müsse eine gewisse Einmaligkeit vorhanden sein. Am idealsten sei, wenn ein Themenweg in einen Gesamtkontext eingebunden werden könne. Ein Musterbeispiel dafür sei der Schellenursli-Weg in Guarda im Unterengadin.

Ein Potenzial sieht Keller für die Suonen im Wallis. Er empfiehlt die Schaffung eines kinderfreundlichen Themenwegs mit Tafeln, auf denen interessante Informationen zu den Suonen geboten werden.

«Der Erfolg von Themenwegen ist daran zu messen, wie häufig und wie intensiv sie beachtet werden», sagt Hansruedi Müller. Und sie würden umso intensiver beachtet, je spielerischer oder je fesselnder sie aufgemacht sind. Zudem sollten Themenwege nicht einfach nur zufällige Abwechslung bieten, sondern gezielt beworben werden. Gute Themenwege benötigten eine zusätzliche Vermarktung. Das könne durch die Tourismusvereine, die Bergbahnen oder die Leistungsträger selbst geschehen.

Für Keller ist klar: «Ein Schnellschuss hat keinen Erfolg.» Es brauche ein ausgereiftes Konzept mit Einbindung von Partnern. Werde zum Erreichen des Weges zuerst eine Bergbahn benützt, könne dies der Bergbahn Zusatzfrequenzen generieren.

Möglich sind laut Heinz Keller auch Partnerschaften mit Firmen aus der Konsum- und Dienstleistungsbranche. Als Beispiel erwähnt Keller den Knorrli-Erlebnisweg rund um den Trübsee in Engelberg-Titlis zum Thema Ernährung, gesponsert von Knorr. Ein weiteres Beispiel: der Ravensburger Spielweg in Grächen.

 

 

  
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Hansruedi Müller, Leiter FIF, Uni Bern. <nobr>   (© Alain D. Boillat)</nobr>
Heinz Keller, Schweiz Tourismus. <nobr>   (© zvg/htr)</nobr>
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