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12.07.2012
Von Theorie und Praxis
Die Via Francigena zu Fuss erleben: Langsamkeit wird zunehmend zum touristischen Verkaufsargument. Ein Via-Storia-Projekt.
Die Via Francigena zu Fuss erleben: Langsamkeit wird zunehmend zum touristischen Verkaufsargument. Ein Via-Storia-Projekt. (Bild: Via Storia/zvg)
Ein Brettspiel soll die Kreativität fördern, ein anderes Projekt Handlungsmöglichkeiten aufzeigen: An der Hochschule Luzern wird in Sachen Nachhaltigkeit umfassend geforscht.
gudrun Schlenczek

Am Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern (HSLU) ist Nachhaltigkeit ein Thema. Ein grosses sogar. Über 20 Projekte hat man in der Pipeline (siehe rechts «Hochschule Luzern: Projekte zur Nachhaltigkeit»), fünf davon, deren Finanzierung gesichert ist, sind am Laufen, vier weitere wurden bereits abgeschlossen.

So gelangen Praktiker spielerisch zu mehr Nachhaltigkeit

Eines davon ist ein Projekt für Spielernaturen: Das Brettspiel «Nachhaltigkeit im Tourismus» soll dem gemeinsamen Know-how-Aufbau und der Simulation einer nachhaltiger Entwicklung in Destinationen dienen. «Das Spiel soll Lust am Thema Nachhaltigkeit wecken und das vernetzte Denken fördern», erklärt Projektleiter Andreas Liebrich. Das Spiel berücksichtige alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Während mindestens sieben Stunden simuliert man spielerisch den Unternehmensverlauf während drei Jahren, zum Beispiel denjenigen eines Resorts. Spielleiter sind Mitarbeiter der Hochschule, welche auch die Voraussetzungen und Einflussfaktoren im Spielverlauf bekannt geben. Pro zehn Teilnehmer brauche es einen Spielleiter, so Liebrich. Zielgruppe sind das Kader und die Mitarbeiter von touristischen Unternehmen. Die Mitspieler übernehmen jeweils eine Funktion im Betrieb: CFO, Leiter Hotellerie, Leiter Spa und so weiter. Jedes Spieljahr wird evaluiert, und neue Massnahmen werden beschlossen. Die Ziele, so Liebrich, seien vielfältig: Neben einer Sensibilisierung für das Thema Nachhaltigkeit soll das Brettspiel auch den Zusammenhang zwischen Geldfluss und Nachhaltigkeit aufzeigen. Ein Nebeneffekt kann die Förderung der Teambildung sein. «Gespielt wird mit echten 1-Franken-Münzen», betont Liebrich. Das interdisziplinäre Projekt, das im Mai abgeschlossen wurde, hat eine hohe fünfstellige Summe verschlungen. Letzte Woche wurde erstmals mit neun Personen aus dem touristischen Umfeld probegespielt.

Noch ein Vorprojekt ist das Nachhaltigkeitsmanagement für Tourismusdestinationen. Pilotdestinationen sind Scuol, Arosa, Interlaken und Entlebuch. Das Projekt mit einem Gesamtbudget von 220000 Franken (90000 Fr. von Innotour) läuft seit letztem November, der Schlussbericht soll in rund zwei Wochen stehen. Ziel sei eine Bestandesaufnahme und ein Abklären der Bedürfnisse der Destinationen und der Verbände in Sachen Nachhaltigkeitsmanagement einer Destination, verdeutlicht der HSLU-Projektleiter Roger Wehrli. Gespräche mit den Tourismusdirektoren und den Leistungsträgern in den jeweiligen Tourismusregionen hätten gezeigt, dass der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit klar vorhanden sei. «Man möchte was machen, weiss aber oft nicht, wo ansetzen. Denn Nachhaltigkeit ist ein sehr komplexes Thema», resümiert Wehrli. Das Ziel des noch einzureichenden Hauptprojekts sei nun ein entsprechendes Instrumentarium für Destinationen zu entwickeln.

Motivation der Freiwilligen für die Zukunft sichern

Ebenfalls von Innotour unterstützt ist das HSLU-Projekt «Ehrenamtlichkeit im Rahmen touristischer Organisationen und touristisch relevanter Events». Wie wichtig das freiwillige Engagement ist, verdeutlicht Barbara Taufer, wissenschaftliche Mitarbeiterin der HSLU: «Gerade kleine Tourismusorganisationen und Events könnten ohne die freiwilligen Helfer gar nicht überleben.» Mit dem Projekt wird eine breite Bestandesaufnahme bei Schweizer Tourismusdestinationen angestrebt. Gleichzeitig sollen Massnahmen entwickelt werden, welche die Motivation der Volunteers auch in Zukunft sicherstellt.

  
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