Wer auf Franchise setzt, sollte sich ums Konzept keine Sorgen mehr machen müssen. Die Idee ist erprobt und am Markt geprüft, die Standards sitzen. So der Idealfall. Mit einem fixfertigen Konzept spart sich der Unternehmer zudem einiges an Entwicklungsarbeit. Auf rund eine Million Franken schätzt Peter Herzog, HC Hospitality Consulting AG, die Kosten, welche anfallen, wenn man eine neue Marke aus dem Boden stampfen muss – ohne Investitionskosten. Ganz zu schweigen vom Zeitaufwand. Bis zur Marktreife kalkuliert Herzog mit einem Jahr Vorarbeit, im Minimum sechs Monate. Und der Franchisenehmer muss nicht unbedingt vom Fach sein. «Franchising ist ideal für Quereinsteiger», erklärt Peter Herzog.
Allerdings muss der anfängliche Vorsprung später teuer bezahlt werden: Zählt der Franchisenehmer nach zehn Jahren zehn Betriebe mit angenommen je 2 Mio. Franken Umsatz, so müsste er bei einer Franchise-Fee von 8 Prozent dem Franchisegeber jährlich 1,5 Mio. Franken abgeben. «So gesehen ist Franchise für den Franchisenehmer ein schlechtes Konzept», meint Herzog. Andererseits schätzt der Consulter, dass ein Konzept mit bekannter Marke rund zwei- bis dreimal mehr Umsatz beschert. Genau hier liegt aber gerade für den Schweizer Markt der Hund begraben. Der Markt ist zu klein, um einer Marke zu echter Grösse zu verhelfen. Franchisekonzepte kommen deshalb oft aus dem Ausland. Ein amerikanisches Food-Konzept muss aber für den Schweizer Konsumenten noch lange kein Begriff sein. Für Herzog führt der Weg in die Schweiz über Deutschland: Dort erreiche ein Konzept schneller die kritische Grösse und die nötige Strahlkraft, nicht zuletzt via TV-Werbung bis in die Schweiz. Nordsee und Tchibo sind Beispiele.
Die kritische Grösse sieht der Geschäftsführer des Schweizer Franchiseverbandes, Christoph Wildhaber, auf einem definierten Ländermarkt bei 10 bis 20 Betrieben. Erst dann ist die für den Franchisenehmer nötige Betreuungsstruktur finanzierbar. Diese Zahl ist aber in der Schweiz nur schwierig zu erreichen. «Kann sich das Konzept nur in grösseren Städten behaupten, sollte man sich eine Expansion in die Schweiz gut überlegen», warnt Christoph Wildhaber. Beraterin Liliane Rentsch aus Bern ortet in der Schweiz gerade mal sechs Standorte für einen Franchisesystem: Neben grösseren Städten noch bekannte Kurorte und Resorts.
Aber nicht nur der Standort, bei einem Hotel muss auch das Haus Grösse bieten: Ab 100 Zimmern und einem Jahresumsatz zwischen 7,5 und 10 Mio. Franken könne ein Franchisemodell in Betracht gezogen werden, so Rentsch. Auch die Schweizer Struktur mit den unterschiedlichen Sprach- und Kulturregionen erschwere eine Multiplikation, ergänzt Herzog: «Die Schweiz ist für mich kein Franchiseland.» Das Alpenland lasse sich auch gut anders entwickeln, stellt selbst der Geschäftsführer des Schweizer Franchiseverbandes fest: Zum Beispiel über Filialisierung.
Eine andere Alternative ist der Lizenzvertrag, wie ihn Migros mit dem aus Deutschland stammenden Restaurant-Konzept Cha-Cha hat. Eine Lizenz schränkt den Unternehmer weniger stark ein, die unternehmerische Freiheit ist grösser und die Kosten kleiner im Vergleich zum Franchise: Herzog beziffert die laufende Lizenzgebühr als halb so hoch. Und wer sich auf ein Franchisekonzept einlässt, sollte dieses vorab gut prüfen: Es sollte sich bereits mindestens fünf Jahre an verschiedenen Standorten erfolgreich behauptet haben. «80 Prozent der Franchisekonzepte verdienen diese Bezeichnung nicht», resümiert Peter Herzog.
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