Der Klimawandel stellt für den alpinen Tourismus eine der grössten aktuellen Herausforderungen dar. Die Betroffenheit zeigt sich insbesondere durch Gletscherrückgänge, die Verschiebung der Schneesicherheitslinie, das Auftauen des Permafrosts oder die zunehmende Gefahr von Naturereignissen. In den vergangenen Dekaden war die Temperaturzunahme im Alpenraum gegenüber dem globalen Mittel doppelt so hoch. Wird dieser Trend fortgesetzt, werden unter Umständen Anpassungsmassnahmen jenseits der bisherigen Geschichte und Erfahrung nötig. Solche klima- und regionalspezifischen Anpassungen verursachen meist hohe Kosten. So wurde etwa 2009 für rund 15 Mio. Franken ein Stollen für die gezielte Entleerung des Gletschersees am Oberen Grindelwaldgletscher gebaut.
Diese Situation stellt hohe Anforderungen an die touristischen Akteure. Benötigte Investitionen lassen sich durch die Kleinstrukturiertheit der Tourismusbranche und die kurzen Investitionszyklen oft nicht so einfach aufbringen.
Der Tourismus muss auf Veränderungen reagieren
Therese Lehmann von der Forschungsstelle Tourismus an der Universität Bern erforscht in ihrem Dissertationsprojekt (siehe «Erhebungen mittels Delphi-Befragung» unten) die ökonomische Relevanz von Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel für den Tourismus im Alpenraum. Als nicht unwesentlicher Mitverursacher des Klimawandels ist der Tourismus gefordert, Verminderungsmassnahmen zu implementieren. Nichtsdestotrotz wird er auch auf veränderte Bedingungen reagieren müssen. Anpassungsmassnahmen haben ihrerseits Auswirkungen und Folgen für den Tourismus, indem beispielsweise hohe Investitionen anfallen oder die Landschaft durch bauliche Massnahmen verändert wird.
Viel Handlungsbedarf für die Bergbahnen
Die Resultate der Erhebung deuten auf grundlegende Veränderungen bis ins Jahr 2030 hin. Für den Winter gehen die Experten von einer Zunahme von rund 1,5°C aus, im Sommer von bis zu 2°C. Im Einklang mit den Klimamodellen fielen die Ergebnisse zur Niederschlagsveränderung heterogen aus. Sowohl eine Zu- als auch eine Abnahme sind möglich. Starkniederschläge und Trockenperioden im Sommer und Winter hingegen nehmen eher zu.
Entsprechend sind Veränderungen in der Verletzlichkeit des Tourismus zu erwarten, wobei die Meinungen über die Auswirkungen ökologischer Veränderungen auf einzelne Tourismusbereiche breit gestreut waren. Einig ist man sich darin, dass Veränderungen der Schneesicherheit, der Gletscher im Sommer und der Naturgefahrensituation hohen Handlungsbedarf bei den Bergbahnen und im Outdoorbereich auslösen. Nach Ansicht der Experten gehört der Tourismus allgemein - zusammen mit der Landwirtschaft, der Wasserwirtschaft und den Versicherungen - aufgrund des Klimawandels bis 2030 zu den verletzlichsten Sektoren. In Zukunft steigt nach Ansicht der Befragten allein der Investitionsbedarf für Anpassung im Winter bis 2030 um rund 15 Prozent, derjenige im Sommer um 10 Prozent.
59 Massnahmen in drei Handlungsfeldern
Die zusammengetragenen 59 Massnahmen können grob in die Handlungsfelder Angebotsentwicklung, Gefahrenminimierung und Kommunikation gegliedert werden. Sie beinhalten sechs Kernstrategien: 1. Förderung von Innovation und Diversifikation, 2. Sicherung und Weiterentwicklung des Schneesports, 3. Verstärkte Gefahrenabwehr, 4. Risikoverminderung durch organisato- rische Massnahmen, 5. Klare Positionierung und gezieltes Marketing und 6. Sensibilisierung der Bevölkerung und der Gäste.
11 von 59 Massnahmen sind solche mit hoher Klimaaffinität. Das heisst, dass sie hauptsächlich aufgrund der klimatischen Veränderung ergriffen werden müssen. Dies gilt vor allem für die Gefahrenminimierung. Allerdings werden die «Schaffung nachhaltiger/klimaverträglicher Angebote» und «Ängste der Bevölkerung aufgreifen/Sensibilisierung» als wichtigste Massnahmen eingestuft.
Viele der im Tourismus ergriffenen Massnahmen können jedoch nicht ausschliesslich auf die veränderten klimatischen Bedingungen zurückgeführt werden. 48 der 59 genannten Massnahmen sind solche mit moderater oder tiefer Klimaaffinität. Es ist also nicht erstaunlich, dass die Experten ein qualitativ hochstehendes und diversifiziertes Angebot als wichtigsten Aspekt zur Erhöhung der Anpassungsfähigkeit auf zukünftige Herausforderungen erachten.
Dissertation: Erhebungen mittels Delphi-Befragung
Um relevante zukünftige Anpassungsmassnahmen für den Tourismus
evaluieren und bewerten zu können, hat Therese Lehmann für ihr
Dissertationsprojekt eine dreistufige Delphi-Befragung mit Experten
durchgeführt. Zudem wurden mehrere Fallbeispiele analysiert. Die
Delphi-Methode präsentiert den Teilnehmern die Ergebnisse der vorherigen
Runde und ermöglicht somit Kommentare und Korrekturen mit dem Ziel,
zukünftige Ereignisse und Trends möglichst gut einschätzen zu können
Fabian Weber ist bei hotelleriesuisse zuständig für Forschung und Innovation.


Die Umsetzung der Nachhaltigkeits-Charta harzt. Es fehlt an Ressourcen. Zudem fühlt sich der Schweizer Tourismus-Verband von den Organisationen zu wenig unterstützt.



