Das Grand Hotel Thunerhof wurde als grösstes Hotel in Thun 1875 eröffnet. Es entstand auf Empfehlung eines Gutachtens von Kantonsbaumeister Friedrich Salvisberg und dem Thuner Baumeister Eduard Hopf. Aus einem Wettbewerb unter vier Architekten im Jahr 1872 erhielt schliesslich Paul-Adolphe Tièche (1838-1912) den Auftrag zum Bau. (Zum Wettbewerb siehe: Flückiger-Seiler Roland. Hotelpaläste zwischen Traum und Wirklichkeit. Baden 2003. S. 51f und Abb. 65, 66). Der an der École des Beaux-Arts und am Eidgenössischen Polytechnikum ausgebildete Architekt Paul-Adolphe Tièche erstellte mit dem Grand Hotel Thunerhof einen mächtigen, klar gegliederten Putzbau in den vornehmen Formen der französischen Neorenaissance als Vierflügelanlage unter Mansartdach mit zahlreichen Lukarnen mit einem dominanten Turm in der Westecke. Ecklisenen, Gurtgesimse und zahlreiche Balkone bilden eine reich verzierte Fassade. Die gusseiserne Loggia auf der Aareseite markiert in der strengen, beinahe abweisenden Fassadengestaltung eine angenehme Auflockerung. Durch die Aufnahme in die Publikation über Hotelbauten von Eduard Guyer 1874 fand der Thunerhof eine grosse Beachtung in der Fachwelt.
Das Grand Hotel Thunerhof war das erste Hotel dieser Grösse in Thun und blieb auch das einzige, nachdem die Touristenzahlen dort mit dem Bau der Eisenbahn nach Interlaken stark zurückgingen. Wegen einer Kostenüberschreitung beim Bau um mehr als 50 Prozent und der sich abzeichnenden grossen Wirtschaftskrise geriet das Unternehmen bereits im Eröffnungsjahr in grosse finanzielle Schwierigkeiten, im folgenden Jahr war der Konkurs nicht mehr abzuwenden. 1878 ging das Burgergut mit dem Thunerhof an die Einwohnergemeinde Thun, die das Hotel bis 1895 selbst führte. In diesem Jahr wurde die «Aktiengesellschaft Hotels Thunerhof & Bellevue» gegründet, welche den Betrieb des Thunerhofs zusammen mit dem nebenan gelegenen Hotel Bellevue bis in die Zwischenkriegszeit erfolgreich weiterführte. 1942 kamen die Liegenschaften erneut an die Stadt, die im Thunerhof Teile der Verwaltung unterbrachte und im ehemaligen Speisesaal das Kunstmuseum einrichtete.
Weitere Literatur zu den Hotels in Thun und am Thunersee:
Flückiger-Seiler Roland. Hotelträume zwischen Gletschern und Palmen. Schweizer Tourismus und Hotelbau 1830-1920. Baden 2001. Seiten 110-133.
Flückiger-Seiler Roland. Die Bauten der Fremdenindustrie. In: Riviera am Thunersee im 19. Jahrhundert. Herausgegeben von Georg Germann und der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 2002, S. 177-192.
Quellennachweis
Werbekarte von 1905
Quelle: Hotelarchiv Schweiz: Sammlung Roland Flückiger-Seiler, Bern
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