Das Hôtel de la Dent Blanche wurde 1858 in Evolène als erstes Gasthaus im Val d’Hérens eröffnet. Das kleine Gasthaus mit 18 Betten war Pionierbetrieb in den südlichen Walliser Seitentälern, in denen das touristische Leben zu dieser Zeit erst Einzug hielt. 1862 erwähnte der Baedeker als damals bekanntester Reiseführer der Schweiz einen neuen Weg zwischen Sitten und der damals noch jungen alpinen Fremdenstation Zermatt vor: vom Kantonshauptort nach Evolène, dann über den Col de Torrent ins Val d’Anniviers nach St-Luc, weiter über den Pas de Bœuf nach Gruben ins Turtmanntal, am Zehntenhorn vorbei nach St. Niklaus im Mattertal zum eigentlichen Ziel, dem Hotel Riffelberg hoch über Zermatt.
Voraussetzung für diese anstrengende Wanderung, die gemäss Baedeker «über die verschiedenen Pässe nur mit Führer» absolviert werden sollte, waren Unterkunftsmöglichkeiten in den entsprechenden Orten, wie eben in Evolène das Hôtel de la Dent-Blanche. 1860 kam in St-Luc das Hôtel de la Bella Tola hinzu, ein Jahr später das Hotel Weisshorn im Turtmanntal und schliesslich 1863 das Grand Hôtel St. Nicolas im gleichnamigen Ort im Mattertal. Mit diesen Pionierbauten hatte der Hotelbau auch in den damals noch abgelegenen südlichen Walliser Seitentälern Einzug gehalten.
Der Hotelbetrieb in Evolène war sehr erfolgreich. Zwei bauliche Erweiterungen führten zu einer massiven Vergrösserung des erfolgreichen Gebäudes, so dass im Hôtel de la Dent Blanche kurz vor dem Ersten Weltkrieg über 100 Betten zur Verfügung standen.
Heute kann das ehemals erfolgreiche Hotel nicht mehr von Individualtouristen besucht werden, es dient den Schulen der Stadt Genf als Ferienlager.
Weitere Literatur zu den alpinen Hotels im Wallis:
FLÜCKIGER-SEILER ROLAND. Hotelträume zwischen Gletschern und Palmen. Schweizer Tourismus und Hotelbau 1830-1920. Baden 2001. Seiten 152-172.
FLÜCKIGER-SEILER ROLAND. Alpine Hotels zwischen Rhonequelle und Furkapass. [Schriften des Stockalperarchivs in Brig, Heft 44] Brig 2008.
Quellennachweis
Fotografie um 1920
Quelle: Hotelarchiv Schweiz: Sammlung Roland Flückiger-Seiler, Bern
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