hotelarchiv
16.06.2011
Hôtel Pension du Lac, Rapperswil (SG)
(© Hotelarchiv Schweiz/zvg)
Hotelarchiv

Der Name des Hotels spricht für sich: es geht hier um die Lage am See. Ursprünglich war ein Seeufer ein Waren-Umschlagplatz: Waren wurden von einem Ort an einen anderen verfrachtet. Die Docks waren gefährlich und schmutzig und der Raum zwischen den Häusern und dem Wasser war vollgestopft mit gestapelter Ware. Auch war das Land direkt am See gelegen billiger als Grundstücke an der Strasse, was Hoteliers schon früh erkannten und für sich nutzten, noch bevor es zum guten Ton gehörte, dem Gast einen Seeblick offerieren zu können.

Mit Aufkommen des Tourismus wird der See plötzlich zum Aussichtsziel. Die Stadtmauern fallen und das Seeufer wird zu einem gesellschaftlichen Begegnungsort. Plötzlich tauchten am Kanal oder am Seeufer «Guinguettes» auf, Schenken (Kneipen) nach Pariser Mode, die einheimischen (sauren) Wein servierten. Es war die Zeit der Impressionisten, die wie keine anderen diese Terrassen in ihren Gemälden überliefert haben.

Da die Hoteliers immer mit der Mode gehen, bauen sie gegen den See, um den See, auf den See. Es entstehen die Quais. Und damit die Gäste nicht nur spazieren gehen, sondern im Sommer auch im leichten Wind ein Glas Rosé oder eine Limonade trinken können, bauen sie Terrassen und Lauben. Der Hotelier sorgt für ein Naturerlebnis, indem er auf seiner Terrasse eine Reihe von Orangenbäumen in Töpfen stellte. Dadurch breitet er sich auch etwas auf dem öffentlichen Raum aus und gewinnt ein paar Tische dazu (pst, nicht weitersagen, das macht man heute auch noch so...).

Der Quai vor dem Hotel wurde zur Promenade. Damit die Mitteilung klar war, wurden auf dem Stich offene Pferdewagen und Fahrräder erwähnt. Auch das Dreirad, das uns heute seltsam anmutet, durfte nicht fehlen. Zu dieser Zeit wurde viel Werbung für das Fahrrad gemacht, und in den Grossstädten gab es zahlreiche Velodrome. In den Zeitungen konnte man lesen, dass auch die Damen Rad fahren können, es sei von vielen Ärzten gegen «Gemütsstörung» empfohlen. Dank der Engländerin Amelia Bloomer durften die tapfersten der jungen Damen sogar die ersten Hosen tragen, die sogenannten Bloomer. Auch Ausflüge mit kleinen Booten oder in grösseren Schiffen waren verbreitet.

Zum Abschluss noch ein scharfsinniges Detail: auf zwei der Schiffe sind Weinfässer zu sehen und im kleinen Ansichtsbild oben rechts sehr deutlich der Rebbau oberhalb der Stadt Rapperswil. Dem Wein wird hier eine grosse Bedeutung zugemessen.

  
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