hotelarchiv
24.06.2009
Hotel Jungfrau, Fiesch (VS)
Wettbewerb: Jürg Krattiger aus Visp hat gewonnen. Er wusste, welches Hotel auf diesem Bild zu sehen ist – so wie elf andere Einsender; er wurde als Gewinner ausgelost.
Wettbewerb: Jürg Krattiger aus Visp hat gewonnen. Er wusste, welches Hotel auf diesem Bild zu sehen ist – so wie elf andere Einsender; er wurde als Gewinner ausgelost. (© Hotelarchiv Schweiz/zvg)

Das Hotel Jungfrau am Eggishorn wurde 1856 von den Gebrüdern Wellig aus Fiesch mit finanzieller Unterstützung aus England erbaut. Nach seiner ersten bekannten Besteigung durch den Engländer Malkin 1840 war das Eggishorn zum bekanntesten Aussichtsberg in der Region am Aletschgletscher. Unterstützt wurde dessen Bekanntheit durch das Panorama des Alpenforschers Gottlieb Studer, das dieser 1842 vom Gipfel aus zeichnete und veröffentlichte. Bereits nach fünf Jahren erhielt das Gasthaus einen Anbau, so gross wurde der Ansturm vor allem aus englischen Kreisen.

1871 übernahm Emil Cathrein, dessen Vorfahren aus dem Tirol ins Wallis eingewandert waren, den Hotelbetrieb. In mehreren Etappen vergrösserte er das einfache Gasthaus zu einem Grossbetrieb, der vor dem Ersten Weltkrieg über 100 Betten umfasste und in völliger Einsamkeit am Eggishorn seinen Gästen alle Annehmlichkeiten der mondänen Grandhotels anbot. Im Kellerinventar des Hotels von 1901 findet man zehn verschiedene Champagnermarken, Sardinen, Spargeln, Artischoken oder Safran.

Der initiative Hotelier, dem bald alle Gasthäuser auf dem Aletschplateau gehörten, und der beste Beziehungen zur englischen Finanzaristokratie unterhielt, inszenierte auf 2‘200 Metern über Meer eine eigene, autonome Hotelwelt. Zur stattlichen Ausstattung gehörten zahlreiche exklusive Aufenthaltsorte, wie Fumoir, Salon, Hotelhalle, Speisesaal und Gaststube. In weiteren Gebäuden fanden sich ein Postbureau, zwei Kapellen sowie ein Verkaufsbazar. Nebst den Annehmlichkeiten im Innern des Hauses gehörten die grosszügige Aussichtsterrasse, ein eigener Tennisplatz sowie ein perfekt unterhaltener Reitweg von Fiesch aufs Eggishorn und zum Märjelensee zu den Exklusivitäten in der Umgebung.

Bald einmal entstanden erste Projekte zur Erschliessung der Gegend mit der Schiene. Cathrein entwickelte zusammen mit weiteren Initianten das Projekt zum Bau einer Schmalspurbahn von Brig über Bitsch und die Riederalp zum Hotel Jungfrau am Eggishorn und zum Märjelensee. Nach der Diskussion weiterer Projekte erteilten die eidgenössischen Räte einer Zahnradbahn von Brig über Naters und die Riederalp zum Eggishorn eine Konzession.

Wie bei zahlreichen anderen Projekten bedeutete der Ausbruch des Ersten Weltkriegs das endgültige Aus für die Bahnträume am Eggishorn. Erst in den 1960er-Jahren, massgebend initiiert für den aufkommenden Skisport, kam die Gegend in den Genuss einer Bahnerschliessung. Die 1966 eröffnete Luftseilbahn zum Eggishorn liess aber das alte Hotel Jungfrau am Eggishorn «links» liegen, was die damaligen Besitzer 1972 zur Liquidierung ihres alten Hotelbaus mit Hilfe von Zündschnur und Feuer inspirierte. Eine Generation später wäre das alte Hotel wohl wieder zum beliebten Treffpunkt einer an der historischen Hotelkultur interessierten Gästeschaft geworden...

Weitere Literatur zu den alpinen Hotels im Wallis:

Flückiger-Seiler, Roland: Hotelträume zwischen Gletschern und Palmen. Schweizer Tourismus und Hotelbau 1830-1920. Baden 2001. Seiten 152-172.

Flückiger-Seiler, Roland: Alpine Hotels zwischen Rhonequelle und Furkapass. [Schriften des Stockalperarchivs in Brig, Heft 44] Brig 2008.

 

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