hotelarchiv
03.08.2011
Hotel Kurhaus Lenzerheide (GR)
(© Hotelarchiv Schweiz/zvg)

Die grösste online Enzyklopädie der Welt beschreibt den Kontext so: Ein Kursaal, auch Kurhaus genannt, ist ein typisches architektonisches Element der Kurarchitektur des 19. Jahrhunderts. Nach seiner Funktion ist er ein Mehrzweckgebäude. Das Gebäude enthält in der Regel eine repräsentative Eingangshalle, dazu Ballsaal, Theater- und Konzertsaal, Spielsaal und Restaurationsbetriebe. In den Badestädten ist der Kursaal häufig das am meisten auffallende und repräsentative Gebäude, mit dem das städtebauliche und gesellschaftliche Zentrum des Kurortes markiert wird. Der Name Kursaal wurde für Gebäude mit vergleichbarer Ausstattung und Funktion in europäischen Seebädern übernommen, denen häufig Spielkasinos angegliedert sind.

Die ersten Kurorte entstanden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert in den Badestädten Englands. Der heilende Einfluss des Meerwassers war Ursprung der Thalassotherapien. Auf dem Festland hingegen waren es die Quellen, deren Wasser alle Arten von Krankheiten heilte. So bauten die Hoteliers grosszügige Häuser in Kurorten und zogen die Gäste mit Trinkhallen und Bäder an.

1882 entdeckte Robert Koch die Tuberkulose. Es wurde höchste Zeit, die kranken Gäste an Orte zu schicken, wo sie an der frischen Luft und in luftigen Höhen genesen konnten. Damit sie nicht alleine kuren mussten, zog man die neusten Therapien zur Hand: Die Kneippkur wurde 1886 mit dem Buch des Pfarrers Sebastian Kneipp «Meine Wasserkur» geboren. Im September waren es die Traubenkuren, die für die Darmgesundheit sorgten, im Sommer die Ziegenmilchkuren oder le «petit lait», die Laktose – noch heute ein typisches Schweizer Produkt (vgl. z.B. Rivella)!

Das Kurhaus wurde zum non plus ultra einer touristischen Destination. In der Schweiz passte sich die Architektur der Berglandschaft an: die meisten Kurhäuser wurden im Heimatstil gebaut, bevorzugten Holz-, Riegel- und Balkenbau, sollten dennoch einem Kursaal gleichen und den Gast mit einem weitläufigem, ja fast pompösen Garten zum Verweilen einladen.

Das Kurhaus Lenzerheide musste sich in vier Monaten seine Saison abverdienen, weshalb es wichtig war, dass es im Verkehrsnetz gut positioniert war, da die Kurgäste selten länger als drei Wochen am selben Ort blieben. Deshalb betont der Prospekt die sehr genauen Streckenangaben dieser «Uebergangsstation vor und nach dem Engadin», noch hervorgehoben durch den «Omnibus» Pferdewagen, der vor dem Kurhaus für den Transport der Gäste bereitsteht. Auch Kurzaufenthalter waren willkommen.

  
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