hotelarchiv
22.06.2010
Hotel Ofenhorn, Binn (VS)
Ansichtskarte des Hotels vor der Erweiterung, zwischen 1883 und 1896.
Ansichtskarte des Hotels vor der Erweiterung, zwischen 1883 und 1896. (© zvg/Andreas Weissen, Brig)

Die Region Ernen und das Binntal gehören nicht zu den frühen Fremdenverkehrsgebieten des Wallis. Der 1844 erstmals erschienene Reiseführer von Karl Baedeker bezeichnete Ernen und das Binntal nicht als touristische Orte, erst vier Jahre nach der Erstbesteigung des Ofenhorns im Jahre 1864 fand das Binntal Aufnahme in den damals bekanntesten deutschsprachigen Reiseführer: man kann dort «beim Geistlichen übernachten».

1880 erhielt der Fiescher Hotelier Josef Speckly die Konzession zum Bau eines Gasthauses in Schmidigehischere, dem Hauptort des Binntals. Zusammen mit Elias Walpen aus Binn und Josef Schmid aus Ernen wollte er diesen neuen Hotelbau verwirklichen. Bei Baubeginn 1881 war Josef Schmid aus Ernen aber der einzige Bauherr, der das Hotel erstellte. Gemäss mündlicher Überlieferung wurde das Hotel nach der Eröffnung 1883 vor allem von Maria Schmid-Kräig aus Ernen, der Gattin des Erbauers, mit sicherer Hand geführt.

In seinen ersten Jahren gedieh das Hotel Ofenhorn offenbar prächtig. Bereits 1897 konnte eine Erweiterung gegen Norden mit dem neuen Speisesaal eröffnet werden. Damit hatte das einfache Berghotel bereits seine heutige Erscheinung erhalten. 1911 traten Maria und Josef Schmid-Kräig den Betrieb an ihre drei Söhne Eduard, Guillaume und Max ab. Zu neuem Leben erwachte das Haus nach dem Ersten Weltkrieg in den 1920er-Jahren, denn 1923 entschloss man sich zum Einbau des elektrischen Lichtes. Während dem Zweiten Weltkrieg war das Haus eine Truppenunterkunft, anschliessend wurde es vollständig erneuert.

1968 verabschiedete sich die Familie Schmid nach drei Generationen vom Hotelbetrieb. Drei Jahre blieb das Haus geschlossen, danach wurde es von der «Pro Unter- und Mittelgoms AG» renoviert und 1972 wieder in Betrieb genommen. Nach einer erneuten Schliessung 1885 entstand im Dorf die Idee einer Selbsthilfe. 1987 wurde die Genossenschaft Pro Binntal gegründet, die sich in den folgenden Jahren an eine Sanierung der Aussenfassaden wagte.

Nach einer Konsolidierung und einer grossen Sponsoringaktion wagte man 2007-2008 eine erste Restaurierungsetappe im Innern, zusammen mit der Totalerneuerung der Heizungsanlage. Die von der kantonalen Denkmalpflege begleiteten und unterstützten Arbeiten führten dazu, dass das Hotel seit 2008 das begehrte Label «Swiss Historic Hotel» führen darf.


Zur Geschichte des Hotels:
Weissen Andreas. 125 Jahre Hotel Ofenhorn Binn. Binn 2008.

Weitere Literatur zu den Hotels im Wallis:

Flückiger-Seiler Roland. Hotelträume zwischen Gletschern und Palmen. Schweizer Tourismus und Hotelbau 1830-1920. Baden 2001. Seiten 154-171.

Flückiger-Seiler Roland. Alpine Hotels zwischen Rhonequelle und Furkapass. [Schriften des Stockalperarchivs in Brig, Heft 44] Brig 2008.

  
Werbung
Weitere Bilder zum Artikel
Ansichtskarte des Hotels nach der Erweiterung, um 1900. <nobr>   (© zvg/Andreas Weissen, Brig)</nobr>
Aktuelle Themen