hotelarchiv
20.04.2011
Hotel Seeburg, Luzern (LU)
Hotel Seeburg Werbelithographie um 1850.
Hotel Seeburg Werbelithographie um 1850. (© zvg/Hotel Seeburg.)
zvg/Hotel Seeburg

Die Chronik der Seeburg lässt sich bis ins Jahr 1584 zurückverfolgen, als Hieronymus von Hertenstein den Hof Seeburg kaufte. Kurz darauf wurde das Anwesen den Jesuiten übergeben, die es als Sommerresidenz nutzten. Nach Aufhebung des Jesuitenordens 1774 geht die Seeburg an Martin Nigg, der darauf eine Florettspinnerei in Betrieb nimmt. 1835 ersteigert Lorenz Alprandi das Anwesen und führt es unter dem Namen «Hotel zur schönen Ansicht / Hotel Bellevue» als eine der ersten Gast- und Hotelleriestätten Luzerns seiner endgültigen Bestimmung zu.

Ende des 19. Jahrhunderts entflammt die Begeisterung beim englischen Geschäftsmann Quintin Hogg für das malerische Hotelanwesen «Seeburg» mit seinem «Rosengarten», dem romantischen Bootshaus und direkten Seeanstoss am Vierwaldstättersee. Gemeinsam mit Robert Mitchell erwirbt Hogg die Besitzung und vermietet sie dem Londoner Polytechnischen Institut. Unter dem Namen «The Polytechnic Chalets Lucerne» erlangte das heutige Hotel Seeburg als ausgewähltes Reiseziel im Herzen der Schweiz v.a. in einer vornehmeren englischen Gesellschaft Bekanntheit und Anerkennung.

Quintin Hogg wird ebenfalls das Erscheinungsbild des Hotels Seeburg nachhaltig prägen. Mit einer grossen Ausbauphase zwischen 1898 bis ca. 1913 werden diverse neue Gebäude errichtet, darunter als besondere Glanzpunkte das Jugendstilgebäude «Chalet Gardenia» mit dem seit 1999 unter Denkmalschutz stehenden «Panoramasaal» sowie im hinteren, nördlich gelegenen Teil des «Jesuitenhofs» der «Rigisaal», eine grosszügige Holzhalle (Quergiebeln im Schweizer Holzstil) mit drei Kuppeldächern und einem ansehnlichen Kamin.

Der repräsentative Eingang des «Rigisaals» mit vierflügliger Schwingtüre, reichem Holzdekor und Marmorstufen mit Holzbrüstung wurde aus dem «Polytechnic Institut» an der Regentstreet in London hierher versetzt. Der eindrückliche «Panoramasaal» im «Chalet Gardenia» zählt zu den schönsten Festsälen der Schweiz.

Seinen Namen verdankt der Saal einem monumentalen Wandgemälde von 15 mal 6 Metern mit dem Panorama von Männlichengipfel auf Jungfraumassiv und Lauterbrunnen. Gemalt wurde das Bild vom Schweizer Künstler Ernst Hodel in Öl auf Leinwand für die Gewerbeausstellung in Genf von 1896. Heute besitzt das Gemälde noch einen Drittel seiner ursprünglichen Ausstellungsgrösse und ist in hervorragendem Zustand erhalten. Die 8 Deckengemälde mit Engelsfiguren sind Originalwerke der weltberühmten Künstlerin Angelika Kauffmann und waren – gemeinsam mit den 7 Kronleuchtern, den Spiegeln und Holzsäulen, welche die Basisstützen des «Chalets Gardenia» verkleiden – Originalteile des alten Festsaals im Hotel Ritz in London. Quintin Hogg rettete kurz vor dessen Abbruch diese historischen Teile, indem er sie erwarb und in das Hotel Seeburg nach Luzern überführen liess.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurden an der Hotelanlage immer wieder kleinere und grössere bauliche Anpassungen vorgenommen. Eine einschneidende Veränderung erfuhr das Hotel Seeburg allerdings erst wieder 1965-67 mit dem Bau des Hotelgebäudes «Seeburg 61». Das in der charakteristischen Bauweise der 1960-er Jahre entstandene Hotelgebäude entsprach dem Geist und den Bedürfnissen jener Zeit und erweiterte nicht nur das Zimmer- und Restaurantangebot des Hotels, sondern erhöhte auch dessen Qualitätsstandard (Vierstern-Hotel).

Während fünf Generationen (1898–1997) blieb das Anwesen und spätere Hotel Seeburg Besitz der Familie Hogg und wurde vom Londoner Polytechnischen Institut geführt. 1997 erwarb die Luzerner Familie Alex Schärer-Reinhard die Hotelanlage von den Gebrüdern Hogg und führte in den kommenden Jahren verschiedene Renovationen und Erweiterungsbauten aus.

  
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