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08.12.2009
Hotel St. Gotthard, Zürich
Zeichnung vom Hotel St. Gotthard (um 1920).
Zeichnung vom Hotel St. Gotthard (um 1920). (© zvg/Manz Privacy Hotels)
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Da wird der eine oder andere gedacht haben «Wenn das nur gut geht…»: Als 1889 Caspar Manz, der Urgrossvater der Zwillinge Alexander und Michael Manz, welche heute die Geschicke der Hotelgruppe lenken, das Hotel St. Gotthard kaufte, befand sich das Haus in einem ziemlich unbedeutenden Stadtteil Zürichs, weit ausserhalb des damaligen Zentrums. Doch mit dem raschen Aufstieg der Bahnhofstrasse zur weltberühmten Geschäfts- und Shopping-Meile brachen auch für das St. Gotthard goldene Zeiten an. Die zentrale Lage in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof und zum neuen Geschäftszentrum erwies sich als unschlagbarer Vorteil. Bereits 1890 wurde das Hotel «St. Gotthard» durch den Kauf des rückseitig gelegenen Nachbaranwesens an der Schützengasse 15 vergrössert. 1898 stiess das «Hotel de L’Europe» an der Schützengasse 17 dazu. 1907 bildeten so bereits fünf Häuser einen grossen Komplex.

Entscheidend für die rasche Etablierung des «St. Gotthard» waren die ausserordentliche Tatkraft und der offene Geist des Gründers Caspar Manz und seiner Frau Elise Manz-Kaegi. Der Hotelier reiste bald nach der Übernahme des «St. Gotthard» nach Amerika, um für sein Hotel zu werben und kam mit vielen wertvollen Erkenntnissen zurück (der kleine Koffer, der ihn auf dieser Reise begleitet hat, ist heute im 3. Stock des Hotels zu besichtigen). Das Motto lautete fortan: «Immer einen Schritt nach vorn müssen wir tun!». Ab 1910 übernahm der Sohn Ernst Manz das Ruder und nahm im «St. Gotthard» zahlreiche Erneuerungen vor. Bereits ab 1913 stand den Gästen in einigen Zimmern fliessendes Warmwasser zur Verfügung (damals die Krönung aller denkbaren Annehmlichkeiten), 1920 wurden Zimmertelefone und Etagen-Badezimmer eingeführt, und 1935 folgte im «St. Gotthard» mit der «Austernbar» auch noch eine gastronomische Pionierleistung. Diese wurde vorerst freilich nur mit bescheidenem Erfolg honoriert – die meisten Zürcher misstrauten der allzu fremdländischen Speise. Wohl umso mehr geschätzt wurde die eigene Weinkellerei, welche seit 1914 die Gaumen der Feinschmecker im «St. Gotthard» erfreute.

In den 1930er Jahren kam es in der Folge der Weltwirtschaftskrise auch in der Schweiz zu einer Rezession. Trotz dieser schwierigen Situation ging der Ausbau des «St. Gotthard» weiter. Im Rahmen eines Wettbewerbs gewann der Architekt Otto Honegger den ersten Preis – ihm ist es zu verdanken, dass das Haus heute einen einheitlichen Charakter hat. Daneben genoss die fortlaufende Modernisierung weiterhin höchste Priorität. Anekdoten wie diejenige von der Filmdiva Zarah Leander, welche aus Anlass einer Filmpremière im «St. Gotthard» abstieg und sich bei ihrer Abreise für die vorzügliche Betreuung mit den Worten bedankte, dass sich hier «sicherlich schon Königin Viktoria sehr behaglich gefühlt hätte» sind rar. Das «St. Gotthard» blieb seiner Zeit in Sachen Komfort und Kulinarik immer einen Schritt voraus: Ab 1959 verfügten alle Zimmer über ein eigenes Bad. Legendär wurde die «Hummer- und Austernbar», deren Ruf sich ab den 1940er Jahren unter Gourmets in ganz Europa verbreitete.

Damals wie heute zählt das «St. Gotthard» – seit 120 Jahren in Familienbesitz – zu einem der führenden Stadthotels mit pulsierendem Leben. Die Namen berühmter Gäste lesen sich wie ein «Who’s who» des 20. Jahrhunderts: Maria Callas, José Carreras, Udo Jürgens, Walter Scheel, Arnold Schwarzenegger, Sergio Leone, Orson Welles, Alexander Solschenyzin, der Dalai Lama, Lili Palmer, Maurice Chevalier, um nur einige zu nennen. Der österreichische Schauspieler, Regisseur und Autor Fritz Eckhardt signierte 1988 sein Porträt mit der Widmung «Nicht daheim – und doch zuhaus».

 

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Zeichnung vom Hotel St. Gotthard (Ende 19. Jahrhundert). <nobr>   (© zvg/Manz Privacy Hotels)</nobr>
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