hotelarchiv
02.06.2009
Hotel Waldhaus, Sils-Maria (GR)
Kofferkleber aus den späten 1920er Jahren.
Kofferkleber aus den späten 1920er Jahren. (© Hotelarchiv Schweiz/zvg)

Das Hotel Waldhaus in Sils Maria wurde 1908 als Hotelburg im Wald über dem Dorf eröffnet. Das Haus entstand in enger Zusammenarbeit zwischen dem erfahrenen Hotelierehepaar Josef und Amalie Giger-Nigg und dem jungen, dynamischen Architekten Karl Koller. Das Besondere an diesem Hotel lag zur Bauzeit nicht an seiner Grösse (im Oberengadin gab es damals bereits grössere Hotels), sondern an seiner imposanten Erscheinung sowie an seiner präzisen Planung und Ausführung. Mit akribischer Sorgfalt und enormer Fachkenntnis wurde alles bis ins letzte Detail festgelegt, von der extravaganten Hügellage über die betrieblich optimale Raumanordnung bis zur Grösse und zur Form des Essbestecks. Aus der dreijährigen, fruchtbaren Zusammenarbeit ist kein Bauwerk entstanden, das mit den Schaufassaden der eleganten Hotelpaläste in St. Moritz wetteiferte, sondern eine «Burg» als Kontrast zu deren Prunk und Luxus.

Das Waldhaus ist eines der wenigen Schweizer Hotels, die in ihrer Konzeption bis heute dem Geist der seinerzeitigen Gründer verpflichtet blieben. Es ist auch als eines der ganz wenigen Fünfsternhäuser seit der Eröffnung stets im gleichen Familienbesitz. Waren es früher zum Teil einfach die fehlenden Finanzen, so ist es in neuerer Zeit die überzeugte Anerkennung der ursprünglichen Werte durch die Eigentümerschaft, die das Haus im Wald zu einem aussergewöhnlichen Original machen.

Nicht nur das Äussere entspricht vorwiegend dem historischen Bestand (der Südflügel im Zustand von 1927), auch im Innern finden wir eine erstaunlich originalgetreue Ausstattung: von der mehrheitlich erhaltenen Zimmereinteilung über das originale Treppenhaus sowie die ursprünglichen Korridore und Säle im Eingangsgeschoss bis zu den mit Originalmobiliar wieder hergestellten Gästezimmern. Sogar die Umbauten aus dem dritten Viertel des 20. Jahrhunderts, andernorts oft rücksichtslos im Umgang mit der historischen Architektur, integrieren sich im Waldhaus ohne massive Störung ins Gesamtwerk. Die neusten architektonischen Zutaten bilden eine eigenständige, aber diskrete Bereicherung in der Gestaltung. Die Auszeichnung zum «Historischen Hotel des Jahres 2005» durch die Jury von Icomos, dem internationalen Rat für Denkmalpflege, bedeutet deshalb die verdiente Anerkennung für dieses aussergewöhnliche Engagement.

Kunstführer zum Hotel Waldhaus:

Flückiger-Seiler Roland. Hotel Waldhaus, Sils-Maria. [Schweizerische Kunstführer GSK, Serie 78, Nr. 779-780]. Bern 2005.

 

Weitere Literatur zu den Hotels im Engadin:

Flückiger-Seiler Roland. Hotelpaläste zwischen Traum und Wirklichkeit. Schweizer Tourismus und Hotelbau 1830-1920. Baden 2003. Seiten 172-191.

 

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Erster Hotelprospekt von 1908. <nobr>   (© Hotelarchiv Schweiz/zvg)</nobr>
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