Die ausgebliebenen Touristen aus dem Ausland (-25'000 Logiernächte) konnten nicht durch die zusätzlichen Schweizer Hotelgäste (+15'000 Logiernächte) kompensiert werden. Insgesamt verbuchte die Schweizer Hotellerie im August 2012 3,9 Mio. Logiernächte, was gegenüber dem Vorjahr einer Abnahme von 11'000 Logiernächten entspricht, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag mitteilte.
Die Zahlen bestätigen einen längerfristigen Trend: Touristen aus Europa wählen immer seltener die Schweiz als Reisedestination. Die Branche verweist als Hauptgrund für die kalten Hotelbetten auf den starken Franken.
Insbesondere deutsche Urlauber verzichteten auf eine Reise in die Schweiz – es waren 12,3 Prozent respektive 74'000 Logiernächte weniger. Umgekehrt die Situation bei asiatischen Reisenden mit einem Zuwachs um 100'000 Logiernächten (+30 Prozent). Zu diesem Anstieg steuerten insbesondere die Golfstaatenbewohner bei (+259 Prozent respektive 56'000 Logiernächte).
Graubünden mit starkem Minus
Je nach Region stellte das BFS sehr unterschiedliche Entwicklungen fest:
Grösster Verlierer war der Kanton Graubünden mit einem Rückgang von 51'000 Logiernächten (-8,3 Prozent). Auch das Genferseegebiet und das Berner Oberland verzeichneten tiefere Zahlen (-22'000 beziehungsweise -12'000 Logiernächte). Das grösste absolute Plus gab es hingegen in der Region Zürich (+38'000 Logiernächte) und im Wallis (+19'000 Logiernächte).
Der Gesamtrückgang der Hotelübernachtungen war mit 0,3 Prozent um einiges geringer als im Sommer. In den beiden Vormonaten war das Minus mit 7,2 beziehungsweise 5,5 Prozent noch deutlich höher. Doch die Augustzahlen sind mit Vorsicht zu betrachten: Hier spielt ein Basiseffekt mit, da bereits 2011 ein starker Rückgang der Übernachtungen festgestellt worden war.
Keine Abstriche bei der Dienstleistungs- und Servicequalität
Der von der Tourismusbranche erhoffte Goldene Herbst, der die Einbussen der Sommermonate wettmacht, bleibt damit voraussichtlich aus.
Für Christoph Juen, CEO von hotelleriesuisse, ist es zentral gerade unter schwierigen Bedingungen, keine Abstriche bei der Dienstleistungs- und Servicequalität zu machen. «Die hohen Ansprüche der Gäste sind trotz des gesteigerten Preisbewusstseins hoch», betonte Juen bereits im August nach Bekanntgabe der Semesterzahlen.
Eine weitere Herausforderung für die Hoteliers bestehe ausserdem im kurzfristigen Buchungsverhalten und einer damit verbundenen anspruchsvollen Personalplanung. «Viele Betriebe beweisen Unternehmergeist und meistern diese Herausforderungen trotz erschwerten Umständen gut», so Juen.
Für Juen sind zudem gute Rahmenbedingungen für die Schweizer Hotellerie gerade in der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage entscheidend. In Bezug auf den Wechselkurs sei die Nationalbank weiterhin in der Verteidigung der Untergrenze von 1.20 Franken pro Euro zu unterstützen. (npa/sda)





