das blaue wunder
26.07.2010
Burgäschisee, Aeschi (SO)
Anita Luterbacher ist fasziniert davon, dass sich der Burgäschisee in jeder Jahrezeit von einer anderen Seite zeigt.
Anita Luterbacher ist fasziniert davon, dass sich der Burgäschisee in jeder Jahrezeit von einer anderen Seite zeigt. (© Melanie Roth)
Um den grössten See des Kantons Solothurn kursieren viele Geschichten. Anita Luterbacher, welche in Familientradition Boote am See vermietet, räumt damit auf.
Melanie Roth

«Alles nur Märli», sagt Anita Luterbacher. Sie führt seit dieser Saison die Bootsvermietung am Burgäschisee. Es sei oft zu hören, dass im See schon viele Schwimmer aus unerklärlichen Gründen ertrunken seien. «Es wird sogar erzählt, man habe hier schon Wasserleichen von Schwimmern gefunden, welche im bernischen Moossee gebadet haben.» Das sei aber nicht möglich, denn der See habe keine unterirdischen Zu- oder Abflüsse. 

Die wahren Geschichten werden niedergeschrieben
Auch Wirbel habe es auf dem Burgäschisee keine, widerlegt Luterbacher eine viel verbreitete Annahme. Wer hier ertrunken sei, habe einfach nicht schwimmen können. «Das Gelände ist halt unberechenbar, weil es plötzlich steil nach unten gehen kann», erklärt die 36-Jährige. 32 Meter tief ist der See an seiner tiefsten Stelle. Auch wegen diesen unwahren Geschichten ist Luterbachers 72-jähriger Schwiegervater daran, altes Wissen über den See niederzuschreiben. 

Die Bootsvermietung am Burgäschisee hat Familientradition. Schon die Grossmutter des Schwiegervaters habe hier Boote vermietet, so Anita Luterbacher. Der See ist ein Überbleibsel des Rhonegletschers und der einzige Privatsee im Kanton. Vor der Schweizer Eidgenossenschaft gehörte er einem deutschen Kloster, sieben Familien hatten das Fischrecht. 

Ein Leben mit dem See

Heute geniessen noch 12 Boote Gewohnheitsrecht im Naturschutzgebiet, der Burgseeverein sorgt dafür, dass sich nicht zu viele Leute einmischen. Fischen darf, wer ein Spezialpatent beanträgt. Es gebe sehr viele Fische im 500 auf 800 Meter grossen Natursee, weiss Luterbacher. Vor kurzem wurde ein 116 cm langer Hecht gefangen. Im Sommer besuchen nicht nur viele Leute aus der Region, sondern auch viele Baselländer und Aargauer den Burgäschisee. 

«Wir leben mit dem See», sagt Anita Luterbacher und ist besonders fasziniert davon, wie er sich während den verschiedenen Jahreszeiten verwandelt. «Das ist einfach Naherholung pur», findet sie. Am meisten genieße sie den Winter, wenn der Tourismus nicht ganz so heftig ist. Besonders schön sei es, wenn der See gefroren ist, dann könne man auch Schlittschuhlaufen. 

Mystisch und geschichtsträchtig
Neben den vielen Horror-Märchen existieren auch schöne Mythen rund um den Burgäschisee. Das meiste Wasser sickert durch den Boden und bildet eine Weiherquelle. In der Naturmythologie gelten solche Quellen als sehr kraftvoll, sie sollen von Wassergeistern bewohnt sein. Dazu meint Luterbacher: «Bei einem Spaziergang um den See oder einer Bootsfahrt kann man auf jeden Fall Kraft schöpfen.»

  
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