Um diesen unterirdischen See von St. Leonhard kursieren mythische Geschichten. So wird den Besuchern während der Bootsfahrt durch die Grotte etwa von jungen, heiratsfähigen Mädchen erzählt, die in längst vergangenen Zeiten auf dem dunklen Wasserspiegel der Grotte das Bild ihres zukünftigen Gatten sehen konnten. Von diesen Mythen dürfte sich der verheiratete Ernst Bromeis kaum beindrucken lassen, als er sich für das Schwimmen im 11 ° C kalten Wasser bereit machte. Etwas mythisch war die Stimmung aber trotzdem, zumal es plötzlich ganz still wurde, als die Journalisten von «Schweiz aktuell» zu filmen begannen.
Der erste Schwimmer im unterirdischen See
«Ja, soviel ich weiss, ist Ernst Bromeis der Erste, der durch den 300 Meter langen See schwimmt», erzählt Cédric Savioz, seit 1. Juli neuer Direktor vom «Lac souterrain St-Léonard». Ausserhalb der Saison, von Oktober bis Februar, gebe es öfters Anfragen von Taucher, denen man dann auch Eintritt gewähre. Während der Saison würden die Taucher aber zu viel Seegrund aufwirbeln, so dass die Besucher nicht mehr in den Genuss des glasklaren Wassers kommen würden.
Savioz ist in St. Leonhard aufgewachsen, studierte Tourismus in Siders und verbrachte dann einige Jahre in der Karibik. Seit zwei Jahren ist er wieder in der Schweiz. «Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein», sagt er. In dieser Saison geht es für den 30-Jährigen noch darum, praktische Details wie die Bootsführung oder die Texte für die Besucher zu lernen. Für nächstes Jahr aber habe er viele Pläne. Bereits in der Vergangenheit wurden in der Grotte Weindegustationen durchgeführt, oder man veranstaltete Lesungen in Zusammenarbeit mit dem Festival Rilke in Sierre. Bis zu 80‘000 Leute besuchen den See jährlich. An den besten Tagen werden bis zu 1‘800 Besucher in der Grotte herumgeführt.
Klassikkonzerte und Packages
Der Walliser möchte den unterirdischen See aber noch öfters für Events nutzen: «Ich kann mir vorstellen, dass Konzerte mit klassischer Musik interessant sein könnten, aber auch das Geschäft mit privaten Anlässen möchte ich weiter entwickeln», erklärt er. Ausserdem wolle er vermehrt mit anderen Leuten aus der Region zusammenarbeiten. Er möchte Packages schnüren, das Erlebnis in der Grotte mit Ausflügen in die Region und Hotelübernachtungen verbinden.
«Was Bromeis macht, ist wirklich eine gute Idee», ist Savioz überzeugt. Es sei wichtig, die Leute der Natur wieder näher zu bringen. «Wir kontrollieren hier jeden Tag den Wasserstand, da wird einem bewusst, dass in der Natur nichts von Bestand ist», fügt er an. Einmal habe man die Grotte schliessen müssen, weil sich die Höhle leicht bewegt hatte. «Es ist zwar nichts passiert, aber das zeigt doch: wir haben nicht immer alles so unter Kontrolle, wie wir meinen.»
Lieber auf als im Wasser
«Ich habe in der Karibik in einer Kitesurfschule gearbeitet, war also jeden Tag im Wasser», erzählt Savioz weiter. Natürlich habe er das Wasser gerne. Viel lieber als im Wasser sei er aber auf dem Wasser. So überlässt er das Durchschwimmen des unterirdischen Sees auch lieber einem Ernst Bromeis, und begnügt sich selbst damit, seine Besucher mit dem Boot übers Wasser zu führen.
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Wir begleiten Ernst Bromeis auf seiner Reise durch die Schweiz und berichten im Juli täglich. Zum einen schreiben wir über den Schwimm-Marathon des Churers, zum anderen über Spannendes aus den Regionen oder den Hotels, welche der 42-Jährige besucht.
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