«Das Spezielle an unserem Hotel ist, dass es nichts Spezielles gibt», sagt Peter Uffer. Er besitzt und führt das Hotel Mirto al Lago zusammen mit seiner Frau Maggi, und hat, wie er erzählt, noch keine 1000 Franken für Werbung ausgegeben. Die Lage am See bringt Vorteile: Durch den Tag bringen die Schiffe, welche direkt vor dem Hotel anlegen, Betrieb ins Haus. In der Nacht ist es ruhig. Das schätzen die Gäste.
Alles ist schneller, alles ist anders
Das Hotel lebt aber vor allem von seinen Stammgästen. Uffer hat das Hotel von seinen Eltern übernommen, welche 1952 vom Puschlav nach Brissago kamen. «Noch heute kommen Gäste vorbei, welche mich schon als Kind kannten», erzählt Uffer schmunzelnd. Dass Gäste aus verschiedenen Generationen einer Familie immer wieder ins Hotel kommen, das sei aber seltener geworden, meint er. Überhaupt, es habe sich viel verändert seit damals. Alles sei viel schneller und hektischer geworden.
Zum Beispiel im Restaurant. Gekocht wird bei Uffer traditionell, mit frischen Zutaten aus der Region. «Das braucht seine Zeit, und von der haben die Gäste leider immer weniger», bedauert er und erzählt eine Anekdote: Eine Frau sei ins Restaurant gekommen und wollte essen, meinte aber, sie müsse gleich aufs Schiff. «Ich habe die Frau gepackt, in die Küche gestellt und gesagt, sie solle selber kochen, und bin gegangen», erzählt Uffer. «Ein paar Minuten später stand sie vor mir und sagte: Sie haben Recht. Ich nehme das nächste Schiff.»
Eine Saison ohne das Hotel
Das Hotel seiner Eltern zu übernehmen, gehörte nicht wirklich zu den Plänen von Peter Uffer. Denn eigentlich wollte er Anwalt werden. Bis er sich eines Tages einen Prozess ansah. «Ich sah wie die Anwälte aufeinander losgingen, und dachte mir: Ich habe keine Lust darauf, mein Leben lang für andere zu streiten», erzählt er. So fand er nach einiger Zeit wieder zurück ins Elternhaus und übernahm den Betrieb.
Seither öffnet seine Frau Maggi jeden Morgen die Türe, am Abend schliesst Uffer ab. Einmal, 2003, «hatte ich die Nase voll davon». Weil seine Frau an der Diskushernie operiert werden musste, entschloss er sich, das Hotel zu vermieten. Eine Saison dauerte es, und die beiden waren wieder zurück. «Ich war zu Hause und meine Frau sagte: Du wirst unausstehlich, raus mit dir», erzählt er. Dann habe er das Glück oder Pech - er wisse nicht genau, wie er dem sagen solle - gehabt, dass der Betrieb unter den Pächtern nicht gut lief. Die Stammgäste waren unzufrieden, die Mitarbeitenden wollten gehen. «Ich sagte: Haltet durch, nächstes Jahr bin ich wieder da.
Das Generationenproblem
«Und hier ist er immer noch», sagt Uffer. Hier möchte er in zehn Jahren aber nicht mehr sein. «Nicht etwa, weil ich nicht gerne da bin, sondern einfach, um wieder einmal ohne Zwang Dinge tun zu können», erklärt er. Wie zum Beispiel noch einmal mit dem Motorrad auf die Route 66 zu gehen, oder in den Norden fahren, um zu fischen. Leider gebe es wie bei vielen anderen auch in seiner Familie ein Generationenproblem.
Nicht viel hat gefehlt, und eine seiner beiden Töchter wäre Schwimmprofi geworden. Mit der Junior-Nationalmannschaft habe sie um die 20 Goldmedaille gewonnen, erzählt Uffer. Irgendwann sei sie aber vor der Entscheidung gestanden, voll auf die Schwimmkarriere zu setzen, oder einen Beruf zu erlenen. Sie entschied sich für Letzeres. Nun arbeitet sie als PR-Verantwortliche in einem Hotel. Genau wie die andere Tochter auch. «Leider kann sich aber keine von beiden vorstellen, den Betrieb zu übernehmen», so Uffer. Aber eben, das gehe vielen so.
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