das blaue wunder
06.07.2010
Jazzfestival Montreux und Region (VD)
(© Melanie Roth)
Montreux befindet sich im Ausnahmezustand: Das Jazz Festival lässt die Stadt vibrieren und bietet der Region beste Gelegenheit, sich zu präsentieren. Harry John, Direktor Montreux Vevey Tourisme, über das Festival, die Region und seine Einstellung zum Projekt von Ernst Bromeis.

Was 1967 als kleines Flowerpower-Festival mit 1‘200 Besucher begann, hat sich zum Highlight einer ganzen Region gemausert: Das Montreux Jazz Festival wird auch in diesem Jahr  vom 2. bis 17. Juli wieder um die 250‘000 Besucher anziehen. Während den zwei Wochen werden 55‘000 Logiernächte generiert, das sind bis zu 10 Prozent des ganzen Jahres.

Genügend Kapazität für das «Premium»-Festival
Profiteren kann davon nicht nur Montreux alleine, das ganze Gebiet der Destination Montreux-Riviera wird von den Massen der Musikliebhaber überschwemmt. Hat die Region überhaupt Kapazität für soviele Besucher? Harry John, Direktor Montreux Vevey Tourisme und Milestone-Gewinner 2009, weiss: «Für Gruppen wird’s schwierig, aber einzelne Personen haben immer noch gute Chancen, ein Hotelbett zu finden. Die Hälfte der Festivalbesucher kommen aus der Genferseeregion, die gehen am gleichen Tag wieder nach Hause.» Neben 30 Prozent Besuchern aus der Deutschen Schweiz kämen 20 Prozent aus der ganzen Welt nach Montreux, erzählt John weiter.

«Nein, weiter wachsen wird das Festival nicht mehr», ist John überzeugt. Einerseits weil in es in der Schweiz immer neue Mitbewerber gebe, andererseits, weil die Gagen für Künstler in den letzten Jahren explodiert und bis zu 50 Prozent teurer geworden seien. Einem Festival bleibe deshalb gar nichts anderes übrig, als sich qualitativ weiterzuentwickeln und sich klar zu positionieren, ist John überzeugt. «Das Jazzfestival war nie günstig und wird sich im Premium-Segment weiterentwickeln. Was am Ende den Unterschied macht ist das Renomé, das Spirit, das Prestige.»

Es ist vieles am Laufen
«Der Event ist aus dieser Stadt nicht mehr wegzudenken», erzählt John weiter. Er selber ist an 14 der 16 Abenden direkt vor Ort. Das Festival ist die ideale Plattform, um Medien einzubinden und Kunden einzuladen. «Du kannst deine Destination im besten Licht präsentieren. Ein angenehmes Schaffen, mit vielen Nachtessen und ein paar Konzertbesuchen. Die 14 Tage sind sozusagen die Kür», erklärt er.

Die Destination Montreux-Riviera lebt von den Events, und so wird es bald nach dem Jazz-Festival mit den nächsten weitergehen. Allgemein sei  in der Region vieles am Laufen, so John. «Von 2008 bis 2011 investiert die Hotellerie um die 250 Millionen». Alleine die Investitionen ins Montreux Palace in den letzten Jahren gehe in die Dutzenden von Millionen. Insgesamt hätten um die 20 Betriebe Geld in eine Erfrischungskur gesteckt. 

Bringt das Schicksal ein Umdenken?
Zum Projekt von Ernst Bromeis meint Harry John: «Ich finde es sehr interessant und gut dass man mit einer einzigartigen Leistung, sei es sportlich oder wissenschaftlich, via Medien aufmerksam macht auf Sachen wie die Endlichkeit von Wasser.» Als Präsident von «Swiss Cities» sei ihm auch schon aufgefallen: Was jede Stadt der Schweiz verbindet, ist das Wasser. «In der Schweiz kannst du überall schwimmen gehen, im Ausland kannst du das oftmals vergessen. Das ist schon einzigartig und das müssten wir uns mehr bewusst machen…» Die momentane Wirkung sei dem Projekt von Bromeis sicher, er wünsche ihm aber, dass auch längerfristige etwas von seiner Reise durch die Schweiz hängen bleibt. Vielleicht habe die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko irgendetwas mit Schicksal zu tun, und jetzt finde endlich ein Umdenken statt.

  
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