Rolf Hübner, wird das Hotel im Stilli Park für Intercontinental zum Flaggschiff?
Eigentlich sollen alle unsere Häuser an ihren Standorten Flagships sein. Im Resort-Bereich sind wir in Europa nicht sehr stark aufgestellt. Zurzeit haben wir vier Resorts in Europa, davon ein Mountain Resort in Berchtesgaden. Das Haus in Davos wird das zweite sein und ganz spektakulär. Schon allein durch sein Äusseres.
Sie sprechen die Architektur an. Die futuristische Erscheinung, auch schon goldenes Ei oder Ufo genannt, wirkt doch in der Alpenwelt eher wie ein Fremdkörper?
In meinen Augen ist es überhaupt kein Fremdkörper. Vom Design und Konzept her betrachtet, ist das neue Hotel ein sehr harmonisches Gebilde, das in dieser Berglandschaft sehr dynamisch wirkt. Es ist von Grün umgeben und wird in der Sonne glänzen. Die verwendeten Materialien stammen grösstenteils aus der Region. Intercontinental will bewusst nicht ein typisches Chalet-Style-Hotel in den Bergen bauen, sondern Architektur schaffen, die Zeichen setzt und bereichert.
War das World Economic Forum, welches nächstens wieder stattfindet, ein gewichtiges Argument für Ihren Einstieg beim Stilli Park?
Das Hotel wird nicht nur, aber auch gebaut, weil das WEF in Davos aus allen Nähten platzt und mehr Übernachtungskapazitäten braucht. Für uns ist es selbstverständlich toll, wenn man innerhalb von 14 Tagen einen sehr grossen Umsatz erzielen kann. Und dies in einer Jahreszeit, in welcher Davos ohne WEF nicht ausgebucht wäre. Dieser Fakt ist sicher willkommen, war aber nicht der ausschlaggebende Grund, weshalb wir in Davos eingestiegen sind.
Weshalb, denken Sie, hat Intercontinental den Zuschlag für den Betrieb des Hotels erhalten?
Intercontinental steht nicht für ein austauschbares Produkt, das überall gleich aussieht. Es ist vielmehr ein Produkt, welches für Erlebnis in Verbindung mit der Destination steht. Wo auch immer unsere Häuser stehen, sind sie eine Reflexion ihrer Destination und ihrer Umgebung. In einer Destination wie Davos ist es unglaublich wichtig, dass man kein austauschbares Hotel hinstellt, das irgendwo stehen könnte. Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass die Marke Intercontinental in Europa im Bereich Meetings führend ist. Dies ist für Davos ein sehr wichtiger Markt. Wir wollen in Davos nicht den anderen Hotels Geschäftsvolumen wegnehmen, sondern Zusatzgeschäfte nach Davos bringen. Dies war sicher einer der ausschlaggebenden Punkte für den Investor.
Welche Rolle spielt das neue Davoser Konferenz- und Kongresszentrum?
Das Zusammenspiel mit dem Konferenz- und Kongresszentrum ist sehr wichtig. Einerseits können in Davos stattfindende Veranstaltungen teilweise auch in unserem Hotel stattfinden. Wir werden über eine Konferenzfläche von 1500 m² verfügen. Parallel dazu sind in der Destination Möglichkeiten vorhanden, um ganz grosse Veranstaltungen durchführen zu können. Dies ergänzt sich sehr gut.
Die künftigen Eigentümer der unterhalb des Hotels gelegenen Residenzen können dereinst den Hotelservice in Anspruch nehmen. Nur sind bis heute noch keine Residenzen verkauft. Ein Problem für Intercontinental?
Wir befassen uns selbst nicht mit dem Vertrieb und Verkauf der Residenzen. Wir gehen davon aus, dass diese bestimmt verkauft werden. Es ist aber durchaus üblich, dass zwei Jahre vor Eröffnung noch keine Kaufverträge unterschrieben sind, sondern nur Reservationsverträge.
Aber das in Aussicht stehende Zusatzgeschäft könnte gefährdet sein.
Für uns ist es zwar ein Bestandteil, für welchen wir Serviceleistungen anbieten. Doch für unsere Gewinnerwartungen sind die Residenzen aus Betreibersicht nicht massgeblich. Wir leben nicht von den Residenzen.
Haben Sie in der Schweiz weitere Hotelpläne?
Wir konzentrieren uns mit der Marke Intercontinental auf grosse Städte und grosse Agglomerationen oder auf Resort-Destinationen. Darum sind wir in der Schweiz bisher in Genf und Davos vertreten. Zürich ist für uns jedoch absolut ein Thema. Wir suchen in der Limmatstadt ein Hotel. Sonst gibt es für die Marke Intercontinental in der Schweiz keine Pläne. Für Crowne Plaza wäre sicherlich Basel interessant, allerdings gibt es zurzeit keine Projekte. Für die Marken Holiday Inn und Holiday Inn Express ist der Markt nach wie vor offen, und es gibt noch weiteres Potenzial.
Wo treibt IHG ausserhalb der Schweiz die Expansion am stärksten voran?
Weltweit heissen für uns die Hauptfokusdestinationen China, Indien, Deutschland und Grossbritannien. In Europa kommen noch Russland und die Türkei hinzu.
Davos Intercontinental öffnet im Winter 2013
Seit 2009 ist der gebürtige Schweizer Rolf Hübner (53) Vice
President Operations für die Region Zentraleuropa von IHG
(Intercontinental Hotels Group). Im Juli 2010 übernahm er zusätzlich die
Verantwortung für die Region Deutschland mit Sitz in Wien. In Hübners
Zuständigkeitsbereich fallen 14 im Management geführte IHG Hotels der
Marken Intercontinental Hotels & Resorts, Crowne Plaza Hotels &
Resorts und Holiday Inn bzw. Holiday Inn Express sowie zahlreiche
Neueröffnungen.
Anfang Dezember 2013 soll innerhalb des Stilli Parks das Intercontinental Davos Resort & Spa eröffnet werden. Es wird über 216 Zimmer inklusive 25 Suiten verfügen. Der Spa mit Innen- und Aussenpool sowie Fitnessstudio belegt 1200 m². Für bis zu 500 Personen steht eine 1500 m² grosse Konferenzfläche zur Verfügung. Neben dem Hotel werden 38 Residenzen gebaut. Die Käufer können den Hotelservice in Anspruch nehmen. Investor ist ein Credit-Suisse-Fonds.
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