meinung
05.08.2010
Bindeglied zwischen Hotelier und Medien
Sabine van Ommen lebt und arbeitet in Berlin. Von hier aus betreut sie für ihre Hotelkunden die deutschsprachigen Medienmärkte.
Sabine van Ommen lebt und arbeitet in Berlin. Von hier aus betreut sie für ihre Hotelkunden die deutschsprachigen Medienmärkte. (© zvg)
Sabine van Ommen hat sich mit ihrer PR-Agentur auf die internationale Luxushotellerie spezialisiert. Sie sieht die Medien als Partner.
Elsbeth Hobmeier

Sabine van Ommen, Sie haben ein grosses Portfolio auch mit Schweizer Kunden. Lassen sich die Schweizer Angebote gut vermarkten?

Ja, absolut. Ich arbeite sehr gerne mit Schweizer Kunden zusammen. Gerade in der Hotellerie gilt die Schweizer Qualität als wegweisend für die ganze Branche. Und die Schweizer Gastronomie ist top für alles, was Trends und Gastlichkeit, Ausstattung und Qualität betrifft.

Sie betreuen sowohl Mandate im Tourismus- als auch im Beautybereich. Sehen Sie da Synergien?

Ganz gewaltige. Viele Hotels bieten heute sehr grosse und schöne Spa-Bereiche auf neustem Wissensstand. Und diese Fakten wollen wir sowohl bei den Publikums- als auch bei den Fachjournalisten gut rüberbringen. Wir sind in der glücklichen Position, dass unsere Kunden weltweit tätig und international aufgestellt sind. Dadurch sind wir zu einer Art Informationspool für die an News interessierten Beautymedien geworden. Das ist das Schöne an unserem Beruf, nicht nur auf einer Schiene zu fahren, sondern den ganzen Lifestyle-Kosmos abzudecken. Es gibt kaum ein anderes Thema in der Pressearbeit, das so viel bietet wie Reisen und Hotellerie.

Sie widmen sich also mit Überzeugung den schönen Seiten des Lebens

Ja genau. Wir sind der Satellit für unsere Kunden in Asien, Amerika, Europa. Wir sehen uns als Partner der Medien und unserer Kunden, wir sind ein Bindeglied. Und wir bemühen uns zu recherchieren, Themen zu erspüren, um die Welt der Hotellerie den Menschen näherzubringen. Das ist spannend.

Wie bringen Sie Ihre Hotels «an den Mann»? Vor allem mit Pressereisen?

Wir versuchen nicht nur das Hotel zu vermarkten, die Destination ist genauso wichtig. Auf der Suche nach einem prägenden USP zergliedern wir jedes Produkt in Einzelteile: Das Personal ist das Herz eines Hotels, die Zimmer sind die Beine, das Spa das Zentrum des Wohlbefindens. Wir gehen selektiv vor und berücksichtigen die Bedürfnisse der Medien, von Print über Online und TV. Luxusprodukte kann man nicht breit vermarkten. Imagegerecht sprechen wir die passenden Journalisten an und laden sie zu Pressereisen ein. Wir sind fast jeden Monat mit Medien unterwegs. Wichtig ist die Exklusivität, die Individualität, denn Exklusives eignet sich schlecht für eine Gruppe. Die Zeit der Journalisten darf nicht mit Unnötigem belastet werden, in der heutigen Schnelllebigkeit geht ein Produkt schnell vergessen. Die Agenturarbeit hat sich stark geändert, man muss immer noch früher aktuelle Themen vorbereiten. Ich komme selber aus der Hotellerie und spreche die Sprache der Hoteliers, das macht vieles einfacher.

Wie attraktiv ist die Schweiz für deutsche Journalisten? Können Sie die Medien auswählen?

Die deutschen Journalisten lieben die Schweiz. Wir zeigen ihnen gerne besondere Konzepte, zum Beispiel mit Schweizer Produkten und Weinen. Auch Nachhaltigkeit ist ein gefragtes Thema, zum Beispiel im Widder Hotel, wo sich der Küchenchef sehr viele Gedanken dazu macht. Das finden die Medien faszinierend, die lieben die Echtheit der Schweizer Produkte. Die Schweiz hat nicht nur die besten Hoteliers, sondern auch die höchste Qualität.

Was gehört zu einer guten Pressereise? Genügt ein schönes Hotelzimmer?

Im Hotel soll man sich wohlfühlen, es kann auch ein schönes Programm bieten. Aber das ist nur ein klitzekleiner Teil. Das Haus ist immer eingebettet in eine Destination, und diese wollen wir dem Journalisten innert kürzester Zeit nahe bringen. Er soll die richtigen Leute treffen, das richtige Thema finden, das ist unsere Aufgabe. Zum Beispiel Wandern in Hongkong. Oder das Zürcher Sechseläuten oder Ayurveda im Monsum.

Wie viele Reisetage sind ideal? Und wie viel kann man einbeziehen?

Ideal sind drei Tage pro Destination. Es muss sich für den Journalisten thematisch lohnen. Im höchsten Fall will er sieben Tage unterwegs sein samt Hin- und Rückreise, alles andere ist zu viel.

Medien-Relations sind nicht messbar, das wissen Sie. Wissen das auch Ihre Kunden? Oder sind Sie unter Druck?

Wir sehen uns als Partner, die Medien sind für uns nicht Mittel zum Zweck. Klar, manchmal muss man einem Kunden etwas mehr erklären und Verständnis für die Anliegen der Medien wecken. Aber wir rapportieren ja auch sehr genau und werten zudem das Clipping mit einer Punkteskala aus. Ein tolles Thema und ein grosses Medium punkten.

Wo setzen Sie die Grenzen, wenn ein Journalist allzu anspruchsvoll wird?

Das gibt es, aber es sind wirklich Ausnahmen. Die Journalisten kennen die Grenzen, und wir laden auch nur Leute mit Arbeitsauftrag ein. Natürlich gibt’s eine Blacklist, aber die ist sehr vertraulich.

Bringen grosse Messen, wie etwa die ITB, neben viel Aufwand auch wirklich Erfolg?

Die Präsenz an der ITB ist eindeutig ein Image-Auftritt für den Kunden, die Stände werden ja auch immer schöner und grösser. Für uns ist das Zusammentreffen mit Kunden und Medien sehr wichtig, man sieht sich und trifft sich hier. Ich persönlich bin sehr gerne an der ITB und treffe immer sehr viele Hoteliers. Für unsere persönliche Arbeit ist dies jedoch nur ein Aspekt, die grosse Arbeit passiert vor und nach der Messe.

Sabine van Ommen führt seit 1992 ihre eigene Agentur für PR und Pressearbeit in Berlin und hat sich auf die internationale Luxushotellerie und Spa-Destinationen spezialisiert. Zu ihren Kunden zählen oder zählten The Peninsula Hotels,Tanjung Rhu Resort auf Langkawi, die Amanresorts, The Leela Palaces, die Small Luxury Hotels of the World, das Widder Hotel Zürich, Adlon Berlin, aber auch Brands wie Montblanc, Rochas, Marc O’Polo, Dunhill, Bogner, Gucci, Chiemsee und Anna Sui. eho

  
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