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meinung
26.01.2012
«Ein Traum, der alle motiviert»
Horst Schulze, Gründer der Ritz-Carlton-Hotels, will jetzt mit seiner Capella-Gruppe Nummer 1 werden.
Gudrun SChlenczek

Horst Schulze, Sie haben mit der Ritz-Carlton Gruppe weltweit Dienstleistungsmassstäbe gesetzt und wollen das mit Ihrer Capella-Gruppe jetzt noch toppen. Was machen Sie anders als andere Hoteliers der Luxuskategorie?

Unsere Konkurrenz ist geldgetrieben, wir sind produktgetrieben. Wir kreieren Arbeitsprozesse für die Freundlichkeit. Ich will nicht, dass die Mitarbeiter bei uns zur Arbeit kommen, sondern, dass sie an einem Traum teilhaben.

Und was ist Ihr Traum?

Wir wollen in spätestens fünf Jahren die international führende Hotelgesellschaft im Luxussegment sein. Denn wir wissen, was heute wahrer Luxus ist: Sich auf den Einzelnen einstellen. Luxus ist nicht der Kronleuchter an der Decke. Unser Ziel ist ein Gast, der zurückkommen will, der nicht nur zufrieden, sondern so begeistert ist, dass er unser Hotel weiterempfiehlt. Dafür erfüllen wir ihm jeden Wunsch, solange er legal und moralisch vertretbar ist. Wir kontaktieren jeden Gast vor seiner Ankunft und fragen nach seinen spezifischen Wünschen. Unsere Mitarbeiter leben eine 24-Punkte-Charta der Freundlichkeit. Dazu gehört auch, dass sie pro Beschwerdefall über bis zu 2000 Dollar verfügen dürfen.

Warum kopiert man Ihren Führungsstil so wenig?

Ich suche schon lange nach einer Antwort auf diese Frage. Man muss eben unterscheiden zwischen Managern und echten Führungskräften. Vom Kader sind vielleicht 90 Prozent Manager und maximal 10 Prozent Führungskräfte. Solche schaffen Ziele, Werte, Träume für alle. Ich frage mich als CEO bei jeder Entscheidung, ob das gut für alle ist.

Beteiligen Sie Ihre Mitarbeiter auch finanziell am Unternehmen?

Nein, aber wenn das Unternehmen mehr Geld erwirtschaftet, verdienen sie auch mehr, ein Gast, der mehr zahlt, gibt mehr Trinkgeld. Aber nicht das Geld soll den Mitarbeiter motivieren, sondern unser Hotel-Traum.

Der personelle Aufwand ist hoch. Wie rechnet sich das für Sie als Hotelier?

Unser Ziel ist, dass unsere Häuser im jeweiligen Land die höchsten Room-Rates bei gleichzeitig höchster Auslastung erzielen. Wie unser Haus in Cabo in Mexiko. Über Weihnachten verkauften wir die Zimmer im Durchschnitt für 1870 Dollar pro Nacht. Und 60 Prozent der Gäste haben bereits wieder für kommende Weihnachten gebucht. Auch der Breidenbacher Hof in Düsseldorf gehört zu den drei Top-Hotels in Deutschland in Sachen Room-Rate und Auslastung.

Ist Kosten senken für Sie ein Thema?

Wir versuchen immer, günstiger zu arbeiten und die Leistung gleichzeitig zu erhalten oder sogar zu verbessern. Indem wir Fehler beseitigen, so besser für den Gast werden und gleichzeitig Kosten senken.

Sie haben Ihre West Paces Hotel Group Ende Jahr in Capella Hotel Group umgetauft. Warum?

Wir haben so viel Erfolg mit unserem Capella-Brand. Wir sind stolz darauf und wollen das mit der neuen Namensgebung auch zeigen.

Wollen Sie jetzt vor allem mit Ihrer Luxusmarke Capella expandieren?

Mit den Marken Capella und Solis. Beide Marken sind im 5-Sterne-Segment angesiedelt aber Capella ist deutlich höherwertig, selbst im Vergleich zu einem Ritz Carlton. Nicht mehr weiter verfolgen werden wir die Sparte ‹independent hotels›, die wir ja primär beraten, ausser es ist ein Einzelhotel, das auf dem Niveau unserer Marken ist, so dass wir es zusammen mit diesen bewerben können.

Wie sehen Ihre Expansionspläne aus?

Für Capella sehe ich in 70 Städten dieser Welt eine Möglichkeit. Das Problem ist die Lage, wir akzeptieren nur Top-Lagen und Top-Häuser. Für Solis gibt es international vielleicht 2000 Standorte.

Hat der Luxusmarkt so viel Potenzial?

Der Markt für Luxusgäste wird in den nächsten zehn Jahren um 50 Prozent wachsen. Vor allem mit Indern, Russen, Chinesen. Innert zwei Jahren möchten wir deshalb die Grösse unseres Unternehmens verdoppeln.

Sie betreiben Ihre Häuser alle im Management. Trotzdem sind Sie eine Partnerschaft mit Stoneleigh Capital eingegangen. Warum?

In 29 von 30 Hotelbetreibungen verlangt der Besitzer vom Betreiber, dass er selber Geld investiert. Auch die Banken fordern das oft. Man möchte eben, dass der Betreiber sich wirklich verpflichtet. Ohne eine Equity-Firma im Rücken konnten wir bis anhin aber nicht investieren. Das bremste unsere Expansion. Stoneleigh Capital ist die erste Firma, die Geld gibt, ohne die Mehrheit an unserer Firma zu wollen.

Sie führen seit 2007 ein Hotel in der Schweiz, in Adelboden. Anfänglich lief es unter der Marke Solis, nun nicht mehr. Was ist da los?

Das ist eine lange Geschichte, das kann ich Ihnen nicht in fünf Minuten erklären. Wir führen das Haus nicht mehr, es läuft inzwischen unter unseren ‹independent hotels›.

Möchten Sie wieder auf den Schweizer Hotelmarkt?

Sehr gerne, wenn wir das geeignete Objekt finden.

 

Zur Person  Erst Ritz-Carlton, jetzt Capella-Gruppe
Horst Schulze (73) war 1983 Gründungsmitglied von Ritz-Carlton. 1988 wurde er Präsident und Chief Operating Officer (COO) der Hotelgruppe und erzielte zum Schluss 2 Mia. Dollar Umsatz. Heute gehört ihm die Capella-Hotelgruppe mit 6 Luxushotels der Marke Capella, 3 der Marke Solis und 7 unabhängigen Betrieben.

  
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