meinung
02.09.2010
«Erst schauen und lernen»
(© zvg)
Sie sind jung. Aber bringen gemeinsam 30 Jahre Erfahrung mit. Yasmin und Urs Grimm leiten seit 100 Tagen das Hotel Waldhaus in Flims.
Elsbeth Hobmeier

Die ersten 100 Tage im neuen Amt haben Sie bestanden – welches war die schwierigste Situation?

Urs Grimm: Am schwierigsten war’s zum Voraus, als wir von Wechseln im Team hörten. Die schwierigste, aber auch schönste Herausforderung war für uns das Schaffen eines sich vertrauenden Teams. Wir sind auf Kurs. Yasmin Cachemaille Grimm: Wir hatten grossen Respekt vor diesem Haus. Die Herausforderung war, sich möglichst schnell einzuarbeiten – die Gäste sollen nicht zu spüren bekommen, dass die Direktion gewechselt hat.

Und was ist das schönste Erlebnis?

YCG: Das Schönste ist, dass wir hier das erste Mal zusammenarbeiten dürfen, uns einbringen und unsere Philosophie verwirklichen.UG: Schön war der Empfang durch unser neues Umfeld. Die Leute sind sehr offen auf uns zugekommen. Auch das bisherige Feedback der langjährigen Gäste und Aktionäre stimmt uns positiv.

Machen Sie nun alles gleich wie Ihre Vorgänger, das Ehepaar Schlosser – oder alles ganz anders?

UG: Wir haben grossen Respekt vor der Arbeit, welche das Ehepaar Schlosser hier geleistet hat, wir haben ein tolles und gut aufgestelltes Resort übernommen. Im ersten Sommer und Winter werden wir nicht viel verändern, sondern schauen und lernen. Mit dem Team besprechen wir dann, welche Änderungen gut wären. YCG Das Resort geniesst einen guten Ruf, den wir halten und mehren wollen, was eine schöne Aufgabe ist. Auf der jetzigen Basis können wir aufbauen und an den Details arbeiten.

Welche Philosophie wollen Sie leben?

YCG: So nahe am Gast sein wie möglich.UG: Der Gast, sei es eine Familie oder ein Individualist, sucht im Waldhaus nicht nur ein Bett zum Schlafen, sondern Emotionen und Erlebnisse. Einen jeden wollen wir überraschen, möglichst nachhaltig. Dazu trägt jeder Mitarbeiter mit seiner Persönlichkeit bei.

Sind Sie trotz Ihrer Jugend intern und extern auf Akzeptanz gestossen?

YCG: Wir sind gut akzeptiert worden, bisher hatten wir nie den Eindruck, das Alter spiele eine Rolle. Es hängt viel mehr vom Auftreten ab und davon, wie man umgeht mit den Mitmenschen.UG: Wir wollen ein Vorbild sein für unsere Mitarbeiter. Und ganz so neu sind wir ja auch nicht, immerhin (lacht) bringen wir ja gemeinsam 30 Jahre Hotelerfahrung mit…

Wie stehen Sie zum Verwaltungsrat?

UG: Der VR gibt uns konstruktive Unterstützung und Vertrauen. Dies ist nicht selbstverständlich, wir schätzen dies sehr. Wir haben einen guten Draht und stehen in regelmässigem Kontakt zu allen Mitgliedern. YCG: Wir hatten und haben immer Mentoren gehabt, die uns gefordert, gefördert und geprägt haben. Wir durften von erfahrenen Hoteliers lernen, mitwirken und dabei organisch wachsen.UG: Wir haben uns nie zum Ziel gesetzt, innert so kurzer Zeit bereits ein so grosses Hotel zu führen, und jetzt haben wir unglaublich Spass daran.

 

Mit Bruno Hurter und Sandro Steingruber haben Sie gleich zwei Spitzenköche verpflich-tet. Geht das?

YCG: Oh ja, sehr gut sogar. Beide haben sich nach 100 Tagen sehr gut gefunden und unterstützen sich. Beide haben ihre Ziele, die es zu erreichen gilt. UG: Die Gäste schätzen es, zwischen 14 Punkten und Casual wählen zu können. Und das i-Tüpfelchen ist ein Besuch im Epoca mit 17 Punkten.

Sie haben wohl das einzige Hotel mit eigener Curlinghalle. Wie läuft’s?

UG: Kongresse fanden immer schon in den Sälen statt. Die Eventhalle, die im Winter eine Curlinghalle ist, bringt mit bis zu 1600 Plätzen eine ganz neue Dimension. Unsere grosse Aufgabe ist es, sie gut zu vermarkten. Diese Halle ist ein Mehrwert für die gesamte Destination – was sie bereits beim ersten Event, dem Ferientag, bewiesen hat.

Was gefällt in Flims? Und was fehlt?

YCG: Wir haben noch nicht alles entdecken können, was die Region bietet. Die Freizeitmöglichkeiten im Winter und im Sommer sind unendlich, das Gebiet ist sehr gut erschlossen. Und (lacht) auf jedem Wanderweg gibt es eine Beiz.

Das Hotel hatte ein gutes 2009. Wie wird der Sommer 2010?

UG: Nach leichtem Rückgang im Winter sieht der Sommer gut aus, ohne dass wir schon Zahlen nennen können.

Urs und Yasmin Grimm Cachemaille haben beide ein MBA der Ecole hôtelière de Lausanne und eine vielseitige Berufserfahrung vorzuweisen. Urs Grimm baute dabei auf einer Kochlehre (Krone, Bätterkinden) auf und auf Stationen im Allegro Bern und Bellevue Palace Bern, zuletzt als Stv. Direktor und F&B Manager. Yasmin Cachemaille Grimm war zuletzt als Rooms Divison und GL im Palace Luzern, davor auf MS Europa und im Beau Rivage Palace.eho

  
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