meinung
11.02.2010
«Hauptmarkt ist Norditalien»
Junger Direktor mit klaren Zielen: Tiziano Pelli leitet seit 2008 den Schweiz-Tourismus-Zweig in Italien.
Junger Direktor mit klaren Zielen: Tiziano Pelli leitet seit 2008 den Schweiz-Tourismus-Zweig in Italien. (© zvg)
Bei seiner ersten Anstellung im Tourismus hat Tiziano Pelli als Direktor von Schweiz Tourismus Italien bereits Erfolge erzielt. Jetzt will er mit neuen Projekten durchstarten.
Robert Wildi

Tiziano Pelli, Sie haben als Quereinsteiger im Mai 2008 die Leitung von Schweiz Tourismus in Italien übernommen. Wie sind Sie mit Ihrem Start in Mailand zufrieden?

Ich blicke auf eine intensive Anfangszeit hier in Mailand zurück und denke, dass der Start geglückt ist. Mit meinem jungen und einsatzfreudigen Team haben wir zahlreiche Aktivitäten und Promotionen auf die Beine gestellt, Reiseveranstalter reaktiviert und Medienreisen organisiert. Der Einsatz hat sich gelohnt. Es ist uns gelungen, die Schweiz in kurzer Zeit bei vielen Italienern als Reiseziel in Erinnerung zu rufen.

 

Während der Schweizer Tourismus 2009 insgesamt empfindliche Rückgänge hinnehmen musste, haben die Einreisezahlen aus Italien praktisch stagniert. Glück oder Ihr Verdienst?

Mit einem leichten Logiernächte-Minus von rund 3% hat sich Italien 2009 im Vergleich gut gehalten. Ich denke, dass Glück und eigene Verdienste zu diesem Resultat geführt haben. Glück, weil Schweiz Tourismus bewusst mehr Marketingmittel in Nahmärkte investiert hat, wovon wir in Italien natürlich auch profitiert haben. Als Verdienst unseres Teams beurteile ich die kontinuierliche Präsenz im ganzen norditalienischen Raum. Damit haben wir erreicht, dass die Schweiz in Italien als Ferienort wieder Gesprächsthema geworden ist.

 

Die Railshow «La Svizzera a tua casa» von ST Italien wurde im Dezember mit einem renommierten italienischen Werbepreis prämiert. Hatten Sie die Idee zu dieser Kampagne?

Ja, wir wollten bewusst eine Kampagne wählen, die uns die Möglichkeit gab, in jeder Stadt Norditaliens Präsenz zu markieren. Da kam die Idee einer Railshow mit Aktivitäten in den Bahnhöfen. Das Thema Bahn passt hervorragend zur Schweiz. Zahlreiche Schweizer Regionen beteiligten sich an der Kampagne, die mehrere hunderttausend Franken kostete. Ein Pappenstiel gegenüber Millionen-Projekten, die mit uns um den Werbepreis konkurrierten. Dass wir trotzdem gewonnen haben, ist natürlich eine grosse Genugtuung.

 

Erhalten Sie für 2010 nun ein zusätzliches Werbebudget?

Das letztjährige Impulsprogramm wird 2010 nicht weitergeführt, was automatisch ein kleineres Budget nach sich zieht. Allerdings erhält ST Italien etwas mehr Mittel für das Basismarketing, weil ST auch heuer an der Bearbeitung der Nahmärkte festhält.

 

Und wie wollen Sie die Mittel einsetzen?

Die Strategie bleibt gleich: Norditalien ist unser Hauptmarkt. Natürlich wollen wir weiterhin alle möglichen Kanäle nutzen, um die Bevölkerung kontinuierlich mit Ferien-Botschaften aus der Schweiz zu berieseln. 2010 ist das «Jahr des Wanderns» in der Schweiz. Wir starten am 7. Mai eine entsprechende Kampagne. Das zweite Thema unserer geplanten Aktivitäten ist der Städtetourismus mit seinen Kulturangeboten. Wichtig ist auch das Thema Bahnreisen mit dem Bernina-Express an erster Stelle. Dieser ist bei den Italienern sehr bekannt.

 

Welche Schweizer Regionen bevorzugen die Italiener?

Das Tessin, das Engadin, Zürich, die Genfersee-Region, in dieser Reihenfolge.

 

Zurzeit wird ein Nachfolger für den abtretenden ST-Direktor Jürg Schmid gesucht. Kein Interesse?

Ihre Frage ehrt mich zwar. Es wäre aber vermessen, sich als 32-Jähriger für diesen tollen und anspruchsvollen Job zu bewerben. Ich bin seit knapp zwei Jahren in Italien und möchte hier meine Aufgabe erfüllen. Ich bin überzeugt, dass der ST-Verwaltungsrat eine optimale Nachfolge für Jürg Schmid finden wird.

 

Welche Visionen haben Sie für den Schweizer Tourismus?

Ich nenne drei wesentliche Ziele. Erstens die Ausschöpfung des riesigen Sommer-Potenzials der Schweiz. Zweitens eine Lösung des Zweitwohnungsproblems durch mehr kommerziell vermarktbare Betten. Drittens eine weitere Verbesserung der Qualität, sowohl bezüglich Infrastrukturen als auch Dienstleistung.

Siehe auch cahier français Seite 21

 


Tiziano Pelli (32) absolvierte an der Universität Zürich das Grundstudium in Wirtschaftswissenschaften und wechselte an die Hochschule St.Gallen (HSG). Dort schloss er Betriebswirtschaft ab und dissertierte am Institut für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus (IDT). Nach einer Stelle bei der Kommunikations-Agentur Panta Rhei wechselte er 2008 zu Schweiz Tourismus und leitet nun ST Italien in Mailand. row

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