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meinung
23.02.2012
«Ich bin zu Risiken bereit»
Mit dem Ausbau des Schlossbergs Thun zu einem Hotel mit Restauration hegt der Unternehmer und Banker Hans-Ulrich Müller ambitionierte Pläne. Eröffnung soll im Herbst 2013 sein.
Daniel Stampfli

Hans-Ulrich Müller, was motiviert Sie, in Tourismusprojekte wie den Schlossberg Thun zu investieren?

Der Grund liegt sicher in meiner Liebe zu Thun. Ich bin persönlich eng verbunden mit Thun und bin nicht weit von der Stadt aufgewachsen. Aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit pflege ich gute Kontakte zur Thuner Regierung und zu lokalen Unternehmern. So wurde ich eines Tages angefragt, ob ich nicht Interesse am Schlossberg hätte. Das Nutzungskonzept der Stadt Thun als Basis für die Belebung und Attraktivitätssteigerung hat mich dann überzeugt.

Hat Ihr Engagement für ein Tourismusobjekt auch damit zu tun, dass Ihre Eltern früher Hoteliers waren?

Dies spielt sicher auch eine Rolle. Ich liebe die Hotellerie. Als Kind durfte ich im elterlichen Betrieb sehr viel mithelfen. Ich lernte damals, dankbar zu sein, für jede Konsumation, die Gäste bei uns tätigten. Ich lernte Gäste schätzen und bin auch gerne Gastgeber.

Sie sind auch als Retter der Kartonfabrik Deisswil bekannt. Woher stammen die finanziellen Mittel für Ihre Engagements?

Ich investiere seit über dreissig Jahren in nachhaltige unternehmerische Projekte und in Immobilien. Immer wieder bin ich bereit, Risiken zu übernehmen und verdientes Geld wieder einzusetzen. Das investierte Geld stammt vollumfänglich aus meinem Privatvermögen. Einen Teil finanziere ich auch über Kredite, möglich durch die Belehnung von Immobilien.

Hauptberuflich sind Sie Leiter Region Mittelland bei der Credit Suisse. Mit dem Swiss Venture Club engagieren Sie sich für die KMU. Wie bringen Sie zeitlich alles unter einen Hut?

Ich bin mit Leib und Seele Banker. Unternehmer bin ich in meiner Freizeit. Meine unternehmerischen Projekte sind auf viele Schultern verteilt, sonst würde dies nicht gehen. Auch meine Familie steht hinter meinen Engagements und unterstützt mich. Doch es stimmt schon: Ich stecke viel Herzblut in diese Projekte, und manchmal sind die Nächte kurz.

Was soll der ausgebaute Thuner Schlossberg dem regionalen und lokalen Tourismus bringen?

Die Region verfügt schon jetzt über viele Attraktionen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass der Schlossberg attraktiver und damit ein reizvoller Stein im Mosaik der sehr grossen touristischen Vielfalt der Region Thun und des Berner Oberlandes sein wird. Bereits heute besuchen jährlich 45000 bis 50000 Gäste das Schlossmuseum. Mit der grösseren Attraktivität des Schlossbergensembles rechnen wir mit rund einem Drittel mehr Gästen. Ich hoffe, dass das neue Objekt weit über die Region hinausstrahlen wird.

Wie hoch sind die Investitionen und woher stammt das Geld?

Es müssen etwas mehr als 10 Millionen Franken investiert werden. Das Geld stammt mehrheitlich von mir, aber auch von den Aktionären der Betriebsgesellschaften Schloss Hotel Thun AG und KMU Forum Schlossberg AG. Zudem haben wir ein Sponsoringkonzept erarbeitet. Unternehmungen und Unternehmer können sich an den Restaurierungs- und Betriebskosten beteiligen. Als Gegenleistung wird ihnen unter anderem ein Raum im Neuen Schloss, im Hotel oder im Museum gewidmet. Auch können sie Mitglied im zu gründenden «Unternehmer-Club Schlossberg Thun» werden, welcher mit der Unternehmerlounge sein Lokal im Dachgeschoss des Neuen Schlosses haben wird.

Wie sieht der Zeitplan bis zum Projektabschluss aus?

Wir werden im ersten Quartal 2012 das Baugesuch einreichen und rechnen mit dem Baustart im Sommer dieses Jahres. Nach einer Bauzeit von ein bis anderthalb Jahren möchten wir im Herbst 2013 Eröffnung feiern.

Dies ist ambitiös. Können nicht noch allfällige Hürden das Projekt verzögern?

Das Projekt ist auf Kurs. Wir rechnen nicht mit grossen Schwierigkeiten, aber bei einem solchen Projekt kann man dies nie mit 100-prozentiger Sicherheit wissen.

Was geschieht, wenn nach Eingabe des Baugesuches doch noch Einsprachen eingehen?

Dies könnte uns einen grossen Strich durch die Rechnung machen. Die Realisierung könnte in einem solchen Fall um ein halbes Jahr oder länger verzögert werden. Mit dem Heimat- und Denkmalschutz haben wir jedoch ein gutes Einvernehmen, denn wir haben deren Auflagen berücksichtigt.

Haben Sie noch weitere Ideen oder Projekte im Bereich Tourismus in der Pipeline?

Nein. Zurzeit bin ich gut ausgelastet. Und ich freue mich darauf, die Ideen und Pläne, die wir mit dem Schlossberg Thun haben, realisieren zu können.

Hans-Ulrich Müller: Banker und Schlossherr
Hans-Ulrich Müller (61) ist Leiter Region Mittelland bei der Credit Suisse. Zudem ist er Präsident des von ihm gegründeten Swiss Venture Clubs. Zu seinen früheren Weiterbildungsstationen gehören unter anderem die Harvard University sowie das INSEAD in Fontainebleau bei Paris. Hans-Ulrich Müller ist verheiratet, Vater von drei erwachsenen Kindern und wohnt in Muri bei Bern.

Müllers jüngstes Projekt, bei welchem er sich privat finanziell engagiert, ist der Schlossberg in Thun. Das Alte Gefängnis wird zu einem Seminarhotel mit 15 Zimmern und einem kleinen Wellnessbereich umfunktioniert. Das Schlossmuseum erhält weitere Räume für Ausstellungen und einen modernen Eingangsbereich im Neuen Schloss. Im Neuen Schloss werden ein Restaurant mit 64 Sitzplätzen, eine Unternehmerlounge sowie eine Whisky- und Cigarlounge, eine Weinbar mit Terrasse sowie ein Hofcafé entstehen. Saniert und ausgebaut wird auch das bisherige Dach. Total werden bis zu 20 Hotelzimmer zur Verfügung stehen. Müller geht von einer jährlichen Auslastung von 80% aus. Ein weiterer Akzent soll das KMU-Forum sein, wo sich künftig Firmen weiterbilden, austauschen und vernetzen können. Im Abzugshaus sind bereits Wohnungen vermietet und im Regierungsstatthalteramt ist die Kindertagesstätte Gampiross eingezogen.

  
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