meinung
22.07.2010
Sie brachte viermal mehr Umsatz
Regula Pfister setzt auf  3-Sterne-Superior-Hotels an guter Stadtlage.
Regula Pfister setzt auf 3-Sterne-Superior-Hotels an guter Stadtlage. (© Alain D. Boillat)
Unter ihrer Hand hat sich der Umsatz vervierfacht: Regula Pfister hat als CEO die ZFV Unternehmungen zum Erfolg geführt.
Gudrun Schlenczek

Regula Pfister, stimmt es, dass Sie mit Ihrem Unternehmen jedes Jahr den Umsatz steigern?

Das ist richtig. Seit 1995 konnten wir jedes Jahr Umsatz, Cashflow und Gewinn steigern. Das soll so weitergehen, auch im 2010, da erwarten wir ein Umsatzplus von mindestens 5 Prozent.

Der ZFV ist eine Genossenschaft, passt diese Unternehmensform noch?

Davon sind wir hundertprozentig überzeugt. Denn alles Geld, welches wir erwirtschaften, verbleibt im Unternehmen. Wir müssen keine Dividende ausschütten. Uns redet nicht irgendein Grossaktionär ins Geschäft. Und wir können auch nicht plötzlich übernommen werden.

Ist die Unternehmensform sogar Ihr Erfolgsgeheimnis?

Ja. Und die Diversifikation mit verschiedenen Geschäftsbereichen: Gemeinschaftsverpflegung, öffentliche Gastronomie, Hotellerie, Bäcker-Konditorei, Eventcatering und Liegenschaften. Um weiter Gas zu geben, haben wir letztes Jahr zehn neue Stellen geschaffen und mit Sachbearbeitern für die Betreuung und die Qualitätssteigerung der Betriebe besetzt. Wichtig sind die richtigen Leute am richtigen Ort: Bei der Geschäftsleitung strichen wir dagegen Stellen. Im Moment haben wir viel Drive und sehr gute, sehr motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kaderpositionen, das spüren die Kunden.

Mit welchem Segment wollen Sie am meisten wachsen?

Grundsätzlich in allen Segmenten. Doch in der Gemeinschaftsverpflegung (GV), unserem grössten Standbein, verdient man nicht das grosse Geld. Hotels sind deutlich lukrativer. Hier können wir aber nicht beliebig wachsen. Denn ein Hotel für 100 Mio. Franken können wir uns nicht leisten,sondern nur solche für bis rund 30 Mio. Franken. Am besten Geld verdienen kann man mit einem 3-Sterne-Superior-Betrieb an guter Stadtlage. Dringend suchen wir in Basel ein Hotel und einen Standort für ein weiteres «Mishio».

Warum gerade in Basel?

Damit wir Cross-Selling betreiben können. In Basel sind wir bis anhin nur in der Gemeinschaftsverpflegung präsent. Hotellerie, öffentliche Gastronomie und GV befruchten sich an einem Standort sehr gut. Das haben wir in Bern erlebt.

In Bern führen Sie mit dem «Schöngrün» sogar ein Restaurant mit 17 Gault-Millau-Punkten. Rechnet sich das?

Das gibt uns einen Leistungsausweis im höchsten Qualitätssegment. So kommen wir dann an anderen Standorten zum Zuge. Das ist genau die Befruchtung, von der ich gesprochen habe: Bestimmt auch dank dem Schöngrün haben wir im Bundeshaus den Cateringauftrag bekommen, danach die gesamte Uni-Gastronomie und jetzt noch das Catering der BEA Bern Expo AG. Ausserdem schulen unsere Gourmet-Köche zusätzlich unsere GV-Köche. Das tut der GV-Küche gut.

Sie zählen seit 2006 auch noch eine Bäckerei-Division. Mit welchem Erfolg?

Ab diesem Jahr wird die Bäckerei-Konditorei Kleiner in den schwarzen Zahlen sein. Ich messe Kleiner grosses Wachstumspotenzial bei. Wir machten anfangs Managementfehler. Deshalb hat es länger gedauert, bis sich der Erfolg einstellt. Seit 2009 haben wir mit Martin Häuptli einen neuen CEO. Häuptli hat vorher die JOWA-Bäckerei der Migros führt.

Was kommt als nächster Coup?

Ab Oktober führen wir unseren ersten Betrieb in der Westschweiz, in Lausanne. Wir übernehmen die Personalverpflegung der Helsana Versicherungen AG, die für ihre drei Schweizer Standorte mit vier Restaurants jetzt nur noch einen Caterer hat.

Was Sie noch nicht haben: Ein Franchisekonzept. Warum?

Wir halten nichts von Franchise. Alle Marken gehören uns. Mit einem Franchisekonzept ist man zu wenig flexibel. Franchisegeber lassen wenig Spielraum zu. Bereits in Bern hat man eine andere Klientel als in Basel. Da müsste man das Franchisekonzept jeweils anpasssen.

Was haben Sie persönlich zum Erfolg des ZFV beigetragen?

Ich bin seit 1995 CEO der ZFV-Unternehmungen. Vorher war ich in der PR-Branche und im Verwaltungsrat des ZFV. Dem Unternehmen ging es damals nicht gut, man bat mich um Unterstützung. Dann habe ich gemerkt, dass die Gastronomie mir liegt. Seitdem hat sich der Umsatz vervierfacht, von unter 50 Mio. Franken Jahresumsatz auf gut 170 Mio. Franken. 1995 zählten wir 400 Mitarbeitende, heute 2000. Ich bin Ökonomin, Zahlen sind mein Leben.

Wie lange werden Sie den ZFV noch führen?

Ende 2012 werde ich voraussichtlich pensioniert. Ich habe aber vor, weiterhin Präsidentin zu bleiben. Einen guten Nachfolger zu finden, das ist jetzt meine grösste Herausforderung.

  
Werbung
ihr kommentar zum artikel
Was denken Sie zu diesem Thema? Schreiben Sie einen kurzen Kommentar, Ihre Meinung interessiert uns!


Betreff
Text
Hinweis: Es sind max. 400 Zeichen erlaubt.
   
Name
Email
   
Code
   * Bitte obenstehenden Code eingeben
   
   Ich bin mit den Spielregeln einverstanden