Jan Brucker, Sie sind der neue Präsident von SDH. Was ist anders als in Ihrer Zeit als Vize- und Interims-Präsi?
Bedingt durch den Standort der Geschäftsstelle in Zürich übernahm ich vor Ort bereits während dem Präsidium von Eric Favre einige Aufgaben und war in bestimmten Bereichen federführend. Somit ändert sich mit der Wahl nicht allzu viel, obwohl jetzt die Verantwortung sicher grösser ist.
Dafür sind Sie bereits gut eingearbeitet! Welches sind Ihre Ziele, wohin wollen Sie die Gruppe führen?
Eines der wichtigsten Ziele ist sicher die Top-Qualität, die wir weiterhin garantieren wollen, dies auch im internationalen Vergleich. Wir haben jetzt eine ideale Grösse erlangt, die wichtigsten Standorte sind abgedeckt. Ein weiteres Wachstum ist also nicht unser Ziel, umso mehr als die Grenze einst mit 40 Mitgliedern gesetzt wurde. Die Marke ist gut positioniert, wobei wir bestrebt sind, diese Position auch international noch zu verstärken. Zu diesem Zweck sind wir 2009 eine Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus eingegangen, die sich sehr gut anlässt. Das ursprüngliche Ziel der Vereinigung war stets die «Amicale» und der Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Heute haben wir sieben Erfa-Gruppen, die Gründung der achten Gruppe wurde soeben beschlossen.
Was wird deren Inhalt sein?
Nach der Housekeeping-, der Spa-Manager- und der F&B-Gruppe bilden wir jetzt neu eine Erfa der Front Office Manager. Diesem Anliegen haben wir am Montag entsprochen, auch weil beim Front Office bei unseren Mystery-Tests öfter mal gewisse Mängel festgestellt wurden.
Dann sehen Sie die vordringlichsten Aufgaben in der Erhaltung der Qualität und des Erfahrungsaustauschs?
Wir stehen auf mehreren Beinen. Dies sind das Marketing, aber auch die Erhaltung der hohen Qualität. Wichtig scheint mir die Zertifizierung, die spätestens 2011 für alle Mitglieder verwirklicht sein soll. Nicht zu vergessen das Networking und die Pflege des Kaderclubs der Erfa-Gruppen mit Workshops. In Sachen Ausbildung wollen wir mehr Druck machen, dass alle Betriebe Lehrlinge ausbilden. Ein neues Projekt ist die Career Opportunity, eine Internet-Rekrutierungsplattform zum Austausch von Mitarbeitenden, also eine Art interne Stellenbörse zur Mitarbeiterförderung. Sie soll im Lauf des nächsten Jahres bereitgestellt sein.
SDH vereinigt heute 39 Schweizer Luxushäuser. Genügt Ihnen dieser erlauchte Kreis? Oder sehen Sie noch Wunschkandidaten?
Die grossen Städte scheinen mir gut abgedeckt, die meisten Flaggschiffe sind bereits Mitglied. Neue Anfragen diskutieren wir jeweils gründlich. Wunschkandidaten gibt es eigentlich nicht.
Der Markt für die Luxushotellerie war in den letzten Monaten ja nicht gerade einfach. Wie sehen Sie die Lage?
Allgemein ist der Markt sehr fragil, auch in Anbetracht der Währungsprobleme. Aber für die Gruppe insgesamt bin ich zuversichtlich. Ihr Zustand ist top, in den letzten Jahren wurde viel Geld investiert, wir sind in den Startlöchern und verspüren eine gewisse Aufbruchstimmung. Auch bei uns im «Widder» war das letzte Quartal ’09 ordentlich gut, im Januar und Februar kam dann wieder die Ernüchterung. Aber der März ’10 war unser zweitbester bisher. Dies zeigt die zurzeit grossen Schwankungen. Im Mai und Juni stehen wir wieder gut, die Zuversicht ist da.
Welche Wachstumsmärkte will SDH besonders bewerben?
Auf den Hauptmärkten USA, Deutschland, England sind wir sehr gut abgedeckt. Für die Gruppe zunehmend wichtig werden Wachstumsmärkte wie Russland, China und Indien. Im Auge behalten sollte man jedoch auch kleinere Märkte wie den arabischen Raum oder das spürbar zunehmende Südamerika mit Hauptgewicht auf Brasilien. Die allermeisten unserer Häuser sind ja auch Mitglied bei den Leading Hotels of the World und profitieren von diesen weltweiten Plattformen und internationalen Verbindungen.
Im Hauptberuf sind Sie General Manager des Widder Hotel. Was bedeutet die Mitgliedschaft bei SDH für Sie?
Der Widder ist gegen aussen ein kleines schmuckes Hotel – angesichts der 140 Mitarbeitenden ist es nicht mehr ganz so klein. Wir sind ein Nischenprodukt in Zürich und haben in den 90er-Jahren mit Umbau und Konzept Furore gemacht. Heute sind wir gut positioniert, auch dank der Mitgliedschaft bei Swiss Deluxe und Leading Hotels. Deren Bestreben deckt sich mit den unseren in Bezug auf Qualität und Mitarbeiterförderung, das ist gut so.
Seit November 2001 führt Jan Ernst Brucker (*1954) als Direktor das Fünfsternehaus Widder in Zürich. Der EHL-Absolvent leitete zuvor mehrere grosse Häuser wie Swissôtel Berlin, Grand Hotel Park Gstaad, Schweizerhof Zermatt, Kinderhotel Mucchetta Davos und Beatus Merligen. Jan Brucker spricht unter anderem fliessend schwedisch. Er ist verheiratet mit der Hôtelière Regula Brucker und Vater von drei Kindern. eho
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