Bruno S. Frey, Sie reisen oft beruflich ins Ausland. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Hotels aus?
Ich suche immer landestypische Hotels. Eine grosse Vorliebe habe ich für historische Hotels. Kettenhotels dagegen, die auf der ganzen Welt gleich sind, gefallen mir nicht. Da weiss ich jeweils nicht, ob ich in Asien, Australien, den USA oder in der Schweiz bin.
Ihr Lieblingshotel?
Sehr gut gefällt mir das Hotel Palazzo Salis in Soglio. Übrigens ist die Qualität der Schweizer Hotellerie im internationalen Vergleich sehr gut. Man bezahlt zwar viel,erhält dafür aber eine entsprechende Leistung.
Spüren Sie jeweils, ob die Mitarbeitenden im Hotel zufrieden oder gar glücklich bei ihrer Arbeit sind?
Ja doch. Das merkt man bereits, wenn man das Hotel betritt. Wenn ich mich anmelde und die Person nicht mal kurz aufschaut und freundlich lächelt, macht mich dies bereits ziemlich sauer. Dieses Verhalten reflektiert, dass die Mitarbeitenden schlecht geführt sind und die Atmosphäre nicht gut ist.
Impliziert dies, dass solche Mitarbeitenden mit ihrer Arbeit nicht sehr zufrieden sind?
Genau.
Müssen Mitarbeitende glücklich sein oder reicht Zufriedenheit?
Zufriedenheit ist bei der Arbeit wichtiger. Glück ist etwas Kurzfristiges. Hat man beispielsweise etwas Nettes erlebt, ist man kurzfristig glücklich. Die Wissenschaft untersucht, was grundlegend und lang andauernd ist, die so genannte Lebenszufriedenheit.
Was zeichnet zufriedene Mitarbeitende aus?
Dass sie die Zufriedenheit weitergeben. Die Glücksforschung kam zum Schluss, dass glückliche Menschen ansteckend sind und Leute in ihrem Umfeld ebenfalls glücklicher machen.Und diese wiederum stecken weitere Leute an.
Zufriedene Mitarbeitende haben weniger Probleme am Arbeitsplatz, erscheinen rechtzeitig, bleiben auch mal länger falls notwendig, übernehmen Aufgaben, die nicht zu ihrem Pflichtenheft gehören,aber notwendig sind. Diese Bereitschaft ist insbesondere beim Eintreten unerwarteter Ereignisse entscheidend.
Welche Rolle spielt dabei die Entlöhnung?
ie ist wichtig, obwohl bei Umfragen stets gesagt wird, andere Faktoren seien wichtiger. Ein anständiger Lohn ist bei tieferen Einkommen besonders wichtig. In höheren Bereichen schafft hingegen ein höherer Lohn nicht mehr viel zusätzliche Zufriedenheit.
Sind Leistungslöhne und Boni ein sinnvolles Modell?
Ich halte dies für ein sehr schlechtes System. Denn mit Leistungslöhnen und Boni wird die Freude an einer sinnvollen Arbeit verdrängt. Es würden nur noch Arbeiten übernommen, die mit Boni belohnt werden.
In der Hotellerie gibt es keine Boni-Exzesse wie in der Bankenwelt, hat die Branche also ein gesundes Lohngefüge?
Die Branche hat es glücklicherweise verstanden, die Leute zwar anständig zu entlöhnen, aber auch einen gewissen Freiraum zu lassen. Man darf nicht versuchen, alles durch kurzfristige Variablen wie Leistungslöhne zu steuern.
Welche Faktoren spielen neben dem Lohn noch eine Rolle für Zufriedenheit und Motivation?
Dazu gehört auch die subjektive Wahrnehmung der Gerechtigkeit. Einzelne Mitarbeiter dürfen anderen nicht vorgezogen werden. Der Einzelne muss das Gefühl haben, dass er auf faire Weise behandelt wird, ob Mann oder Frau, Schweizer oder Ausländer, jung oder alt.
Wie würden Sie einen idealen Vorgesetzten charakterisieren?
Wichtig ist, dass der Vorgesetzte den Überblick behält. Er muss sich bewusst sein, dass es nicht nur Gäste, sondern auch Mitarbeiter und Zulieferer gibt. Der Vorgesetzte darf sich nicht auf etwas versteifen.
Im Schweizer Gastgewerbe arbeiten viele Deutsche. Zurzeit wird der relativ hohe Anteil an Deutschen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt heftig diskutiert. Wie wirkt sich dies auf die Arbeitsmoral der deutschen Arbeitskräfte in der Schweiz aus?
Wir müssen aufpassen, dass wir mit dieser aktuellen Diskussion die deutschen Arbeitskräfte nicht abschrecken. Ich habe als Gast sowohl in der Gastronomie als auch in der Hotellerie gute Erfahrungen mit deutschem Personal gemacht.
Von Bruno S. Frey und Claudia Frey Marti erscheint im März 2010 im Rüegger Verlag, Zürich, «Glück – Die Sicht der Ökonomie».
Bruno S. Frey (68) ist ordentlicher Professor für Wirtschaftswissenschaft, insbesonders für die Theorie der Wirtschaftspolitik an der Universität Zürich. Zudem ist Frey Extraordinarius an der Uni Basel und Forschungsdirektor von CREMA, Center for Research in Economics, Managements and the Arts, Basel. Bruno S. Frey, der von den Universitäten St. Gallen, Göteborg und Brüssel die Ehrendoktorwürde verliehen erhielt, hat sich international in Sachen Glücksforschung einen Namen gemacht.dst
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