meinung
02.09.2010
Zum Thema: Essen
(© Alain D. Boillat)
So scharf, so süss, so sauer, einfach göttlich.
Eveline Spar

Ich unternehme gerne kulinarische Entdeckungsreisen – ob in der Schweiz oder im Ausland. Vor allem die indische Küche hat es mir angetan. Gerne stöbere ich in asiatischen Lebensmittelläden und fülle meine Küchenschränke mit höllisch scharfen Limepickles, Ingwerchutneys, indischem Zimt, Kardamomkapseln, Chapatimehl oder 10-Kilo-Packungen Basmatireis. Am schönsten ist die Entdeckungsreise allerdings im Ausland. Ich liebe das bunte Treiben auf überfüllten asiatischen Märkten, die vielen Gerüche in der Luft und natürlich die zahlreichen Essensmöglichkeiten. In Südindien habe ich gelernt, von Hand zu essen.

Nein, gelernt ist übertrieben. Reis ohne Besteck zu essen ist extrem schwierig – abgesehen vom laotischen Klebreis, der so klebrig ist, dass man ihn ohnehin besser mit den Fingern isst. Doch Vorsicht, in Indien und Laos ist es – wie in vielen Ländern – absolut tabu, die Finger der linken Hand zu gebrauchen. Denn die linke Hand gilt als unrein. So formen die Inder mit der rechten Hand kleine Reisklumpen, mit Hilfe derer sie das übrige Essen aufnehmen. Wenn ich an die südindische Küche denke, komme ich ins Schwärmen: So scharf, süss, sauer und salzig zugleich, einfach göttlich. In Südindien sind rund 40 Prozent der Einwohner Vegetarier – aus religiösen Gründen. So macht man hier selten schlechte Erfahrungen mit Fleisch.

Ganz anders in China. Hier kann einem die kulinarische Neugier diesbezüglich zum Verhängnis werden. Die Speisekarten sind meist ausschliesslich in chinesischer Sprache gehalten, und die Chinesen sprechen selten Englisch. So kommt es, dass in Suppen plötzlich undefinierbare Fleischstücke (ist es Herz, Lunge, Magen?) oder geronnene Blutklumpen schwimmen. Und als Snack konsumieren die Chinesen getrocknete Hühnerklauen, die, vertraut man dem Volksglauben, sehr gesund sein sollen. Gesund hin oder her – hier hört meine Neugierde auf unbekannte kulinarische Köstlichkeiten definitiv auf. Ob es asiatischen Touristen in der Schweiz ebenso geht, wenn sie verkrampft versuchen, sich Fondue oder Rösti schmecken zu lassen?


«Ob es Asiaten in der Schweiz ebenso geht, wenn sie versuchen, sich Fondue schmecken zu lassen?»

  
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kommentare zu diesem artikel

"Asiaten" von Chan Meira (07.09.2010 04:03:25)
Die Autorin faellt in eine beruechtigte Falle, alle "Asiaten" und deren Kueche in einen Topf zu schmeisen. Alleine in China sind die regionalen Kuechen so verschieden wie in den verschiedenen europaeischen Laendern. Ganz geschweige von Korea und Japan. Eine Ferienreise reicht nicht, um die Vielfalt kennen- und schaetzen zu lernen.

ch mehr welt offen vor allem die luxus hotels von marc torche  (05.09.2010 14:19:27)
in asien kriegt man neben einem steak auch schweizer kost,deutsche alles was der magen begehrt , ich als kuechenchef in asien habe mal mit der pr vom palace luzern geredet und fand raus das die nicht mal wissen was sie asiatischen touristen zum fruehstueck servieren koennten !
die ch hotelerie ist nicht mehr top und mann sollte das angebot ueberarbeiten Q
herzlichen gruss aus bangkok


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