meinung
18.02.2010
Zum Thema: Nichtrauchen
Wenn der Rock’n’Roll sein Gesicht verliert.
Franziska Egli

Ich gestehe: Mich ödet diese ganze Raucher-Nichtraucher-Debatte an. Dieses Gut-Böse-Ding? Grauenhaft, und ich stehe mittendrin: Ich bin Nichtraucherin mit Hang zum Genussrauchen. Ein- bis zweimal die Woche zünde ich mir eine bis zwei Zigis an. Im Ausgang, nach geselligem Essen, in Gesellschaft.

Aber auch ich bin froh, dass sich niemand mehr angewidert von mir abwendet, wenn ich spätnachts heimkomme und ins Bett falle.Und überhaupt, dass die Kleider nicht mehr stinken. Und dass es im Restaurant keinen Ärger mehr gibt. Und dass man bedenkenlos mit Kindern überall hin kann. Und dass das Personal nicht mehr unter Rauch leiden muss. Und dass meine Mutter nicht vor jedem Ausgang mit hochgezogener Augenbraue und leicht gequälter Stimme nach den dortigen Gepflogenheiten fragt. Ist mir alles recht. Ich kann mich sogar damit abfinden, dass auch in verruchten Bars nicht mehr geraucht werden darf.

Was aber nicht geht, ist Folgendes: Ein Club neulich nachts. Ein Konzert der wilderen Sorte. Die Musik: grossartig. Die Stimmung: fantastisch. Jedenfalls zu Beginn, denn irgendwann, unmerklich, kippte sie. Ich, manchmal etwas begriffsstutzig, zu meiner Freundin: «Was ist denn hier los?» – Sie: «Was wohl. Finito paffen» und deutet mit dem Handrücken eine Henkersbewegung an. Uns bot sich ein Bild des Jammers: Die wenigen Gäste, die noch anwesend waren, lauschten andächtig der Musik und wippten sachte im Takt. Oder lümmelten gesittet an der Bar rum und nippten an ihrem Bier. Weit und breit kein Dunst, kein Dreck, kein Ärger, keine Kippe, keine Anmache, kein Ambiente, kurz: kein Rock’n’ Roll. Es war kein Zustand. Wir gingen raus, schliesslich musste das verdaut werden. Und siehe da, draussen vor der Tür, in eisiger Kälte, waren sie alle versammelt, die Sündenböcke und dem Blauen-Dunst-Fröner. Verstellten die Strasse und foppten die Securitas, lachten zu laut und rauchten definitiv zu viel. Man paffte und schwatzte und schwatzte und paffte. Meine Freundin raunte mir zwischen zwei Zügen ein Oscar -Wilde-Zitat zu: «Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht.»

 

 

  
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