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alpenkonferenz
07.09.2012
Grenzüberschreitende Energieplattform
Poschiavo (GR)
Poschiavo (GR) (© istock)
Energiethemen in den Alpen werden von den Mitgliedsländern der Alpenkonvention in Zukunft koordinierter angegangen. Das haben die Umweltministerinnen und -minister dieser Länder unter der Leitung von Bundesrätin Doris Leuthard am Freitag an der 12. Alpenkonferenz in Poschiavo (GR) entschieden.

«Es macht keinen Sinn, wenn jedes Land seine Energieprojekte allein verfolgt», sagte Leuthard vor den Medien. Um die Zusammenarbeit bei der Energieversorgung und -effizienz zu fördern, habe man den Aufbau einer gemeinsamen Energieplattform beschlossen. Sie soll helfen, über die Grenzen hinweg Erfahrungen auszutauschen, Kooperationen einzugehen und Aktivitäten abzustimmen.
 
Die Idee der Energieplattform geht auf eine Initiative von Umweltministerin Leuthard zurück. Wie die Plattform dereinst aussehen soll, wird in den nächsten Monaten definiert.
 
Ein konkretes Anliegen der Schweiz ist die Erarbeitung einer alpenweiten Übersicht über geeignete Gebiete für die Produktion von Strom aus erneuerbarer Energie. Allgemein steht die Frage im Vordergrund, wie Energieproduktion und Naturschutz in ein Gleichgewicht zu bringen sind. Der Alpenschutz werde den Nutzungspotenzialen nicht geopfert, sagte Leuthard.
 
Alpenraum stärker positionieren
Weiter beschlossen die Konferenzteilnehmer, den Alpenraum international stärker zu positionieren. Einerseits geht es darum, global mehr Gewicht zu bekommen, etwa bei den Vereinten Nationen. Anderseits will man international als Vorbild für nachhaltige Entwicklung und Energieproduktion aus erneuerbaren Quellen wahrgenommen werden. Es gelte, erneuerbare Energien gemeinsam über Europa hinaus voranzubringen.
 
Die Umweltminister versicherten, auch die Anliegen der Jugend zu berücksichtigen. «Wir hören euch zu», versicherte Leuthard an der Medienkonferenz nach einem kritischen Votum einer jungen Teilnehmerin. Der deutsche Umweltminister Peter Altmaier ergänzte, die Jugend müsse sehr aktiv auf die Politik zugehen. «Sie müssen uns auf die Nerven gehen, um ihre Forderungen anzubringen», sagte Altmaier augenzwinkernd.
 
Lob für Dynamik
Die Teilnehmenden zeigten sich mit den Ergebnissen der Konferenz zufrieden. Der Schweiz sei es gelungen, eine Dynamik anzuregen, die es weiter zu tragen gelte, lobte die liechtensteinische Umweltministerin Renate Müssner. Für Altmaier gehört die Alpenkonferenz zu den Leuchttürmen der europäischen Zusammenarbeit.
 
Lob gab es auch von der Internationalen Alpenschutzkommission Cipra, einer nichtstaatlichen Organisation mit Vertretungen in allen Alpenländern. «An der Konferenz herrschte Aufbruchstimmung, und es gibt konkrete Resultate», sagte Cipra-Präsident Dominik Siegrist zur Nachrichtenagentur sda. Dazu zähle er die Energieplattform und den Beschluss, als Makroregion Alpenraum aufzutreten.
 
Im Gegensatz zu früheren Konferenzen sei allen teilnehmenden Ländern tatsächlich ein Schulterschluss gelungen. Jetzt komme es darauf an, dass die Plattform auch umgesetzt werde. Und die versprochene Rücksichtnahme auf die Natur müsse tatsächlich praktiziert werden.
 
Mit dem Ende der Konferenz im südbündnerischen Poschiavo ging die Präsidentschaft der Alpenkonvention von der Schweiz auf Italien über. Neben Leuthard, Altmaier und Müssner waren in Poschiavo auch die Umweltminister Italiens und Österreichs anwesend. Ihre Amtskollegen aus Frankreich, Monaco, Slowenien und der Europäischen Union liessen sich vertreten.
 
Die Alpenkonferenz ist das beschlussfassende Organ der Alpenkonvention, dem weltweit ersten völkerrechtlich verbindlichen Übereinkommen zum Schutz einer Bergregion. Die Alpenkonvention ist seit März 1995 in Kraft. (npa/sda)

Siehe auch «CH/I: Absichtserklärung zu Umweltfragen».

  
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